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Ruhe wird so bald in Leipzig nicht einkehren: Schon seit vielen Monaten kämpfen Politik und Veranstalter offen wie im Dunkeln um das Recht, eine Spielemesse zu veranstalten. Der neueste, heiße Kandidat heißt: Köln.
Ein Bericht von Frederic Schneider
Inzwischen ist die Debatte um den Standort der Games Convention schon ein Thema für die Bundespolitik. Christoph Waitz, medienpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, erklärte in einer Pressemitteilung, er würde sich sehr freuen, "wenn die Entscheidung für den künftigen Messestandort wieder auf Leipzig fallen würde". Dies wäre nicht nur die Bestätigung für die Arbeit der Leipziger Messe, sondern auch wichtig für den Messestandort Leipzig, der weltweit älteste. Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) möchte sein "sächsisches Kind" keinesfalls aufgeben und kündigte seine Unterstützung an.
Doch hat Jurk und die Leipziger Messe mit vielen, meist versteckten Attacken zu tun. Mit dem "Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware" (BIU) verhandeln inzwischen mehrere Standorte. Am Deutlichsten wurden bislang Frankfurt und Hamburg. In Frankfurt konnte man sich schon 2005 eine Spielemesse vorstellen, der hessische Minister für Sonderaufgaben, Volker Hoff (CDU), setzte sich im Juli letzten Jahres offen für die Mainmetropole ein. Leipzigs Messechef Wolfgang Marzin konterte schon damals: "Die Abwerbeversuche werden alle scheitern und sind im Übrigen nicht neu."
Inzwischen kämpft auch die stärkste politische Jugendorganisation in Hessen, Junge Union, für den hessischen Standort. Der stellv. Landesvorsitzende Thomas Müller erklärte am Freitag: "Hessen ist ein starker Technologiestandort. Frankfurt ist eine in Europa führende Messestadt, was internationale Messen wie die IAA eindrucksvoll beweisen. Aus unserer Sicht erscheint es nur logisch, wenn wir diese Stärken vereinen und so eine weitere einmalige Messe nach Frankfurt holen."
EA favorisiert die "Koelnmesse"
Für Branchenriese Electronic Arts ist derweil klar: Wenn die Versuche für die größte Spielemesse der Branche schon in den USA oder London scheiterten, dann sollte sie zumindest in Köln stattfinden, wo die Deutschlandzentrale von EA sitzt. Auch für Ubisoft ist der Standort Köln interessant: Düsseldorf, Heimat von Ubisofts Zentrale in Deutschland, liegt wenige Kilometer entfernt. Gleichwohl spricht ansonsten im Vergleich zu Frankfurt oder Leipzig wenig für Köln: Während Leipzig inzwischen alles für die GC tun würde, spricht für Frankfurt die Bekanntheit, die Erreichbarkeit und der große Platz. Mit diesen Faktoren kann - zumindest derzeit - die "Koelnmesse" nicht mithalten. Sicherheitshalber dämpfte der zuständige Verhandlungsführer der Kölner, Oliver P. Kuhrt, die Erwartungen: Man befinde sich derzeit lediglich in "konstruktiven, aber noch ergebnisoffenen Gesprächen".
Im Moment gibt es vier Szenarieren, wie es weitergehen könnte:
Leipzig hat sich jedoch abgesichert und im letzten Jahr erstmals eine Zweitveranstaltung in Asien veranstaltet, die "GC Asia". Auf Anhieb kamen rund 70.000 Besucher nach Singapur; in diesem Jahr steigt die "GC Asia" im Oktober zum zweiten Mal.
Eine Entscheidung wird für Anfang September, also nach der diesjährigen Games Convention, erwartet. In Leipzig könnte man es sich viel einfacher machen, in dem die Messe medial noch besser vermarktet und die 200.000 Besuchergrenze überschritten wird, nachdem dies 2007 - trotz allem Optimismus - gescheitert war. Die Rekorde der letzten GC waren daher nur Makulatur. Dergleichen darf sich die Leipziger Messe dieses Jahr nicht mehr leisten, ansonsten würde es für sie sehr eng werden.
(fsc)
Veröffentlicht am Sonntag, 17. Februar 2008 um 13:00 Uhr
Schlüsselwörter
BIU, Electronic Arts, FDP, Frankfurt, GC Asia, Games Convention, GamesCom, Hamburg, Junge Union, Köln, Leipzig, SPD