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Ob Sebastian B. damit gerechnet hatte am vergangenen Montag, als er seine ehemalige Schule in Emsdetten stürmte, Schüler und Lehrer in Schrecken versetzte und sich danach mit einem Schuss in den Mund ums Leben brachte? Ob er das gewollt hatte? Seit dem Amoklauf in Nordrhein-Westfalen bestimmt ein Thema wieder anhaltend die Agenda in den deutschsprachigen Medien: So genannte "Killerspiele".
Von Frederic Schneider
Die Politik ist sich fast einig. Die Große Koalition tritt schon länger für ein Verbot ein. CSU-Chef Edmund Stoiber kündigte vergangene Woche gar eine Bundesratsinitiative an. FDP, Linkspartei und Grüne, sowie einige Experten hingegen sind gegen ein Verbot.
Die Opposition trifft damit den Geschmack von Computer- und Videospielern, die eine Quasi-Verschwörung der Medien und Politik sehen wollen. Dazu werden den Spielern auch viele Argumente geliefert. So beklagen sie, „Counter Strike“ sei doch überhaupt kein Gewaltspiel, sondern ein Taktik-Shooter – in dem zwar geschossen, aber auch taktisch vorgegangen wird; wer den Teamkollegen erschießt, wird beim professionellen Computerspielen („eSports“) sogar gerügt.
Auf viel Kritik ist auch die Sendung am Sonntag von „Sabine Christiansen“ in der ARD gestoßen. Frau Christiansen lud zu einer entspannten Runde ein, um über die Frage „Randale, prügeln, 'ballern' - was tun gegen Gewalt?“ zu debattieren. Zu Gast war auch Schauspieler Ralf Möller, der gerade in Amerika die Kinofilm-Umsetzung von „Postal“ dreht – ein PC-Spiel, in dem das Töten aus der Ego-Perspektive der Sinn des ganzen Unternehmens ist. Möller kritisierte Spiele wie „Counter Strike“, ist für ein Verbot von „Killerspielen“ und traf damit den Nerv der Spieler, die ihm das Bauen auf zwei Baustellen vorwerfen.
Außerdem bemängeln viele Gamer, kein Vertreter der Spielebranche sei dabei gewesen. Christian Chmiel, mehrfacher Meister in „Counter Strike“, wurde lediglich in das Studiopublikum gesetzt. Er durfte ein paar Sätze formulieren, er war aufgeregt, versuchte zu retten, was zu retten ist, ein paar Minütchen.
Entsprechend fällt die Kritik im Weblog auf der Webseite der Sendung aus. „Ähnlich wie schon unter der Woche bei 'hart aber fair' (WDR) werden Menschen eingeladen, die 1. solche Spiele selbst nicht kennen oder 2. sowieso dagegen sind ohne 3. die wirklichen Hintergründe zu kennen“, beklagt sich Dennis Grübner. An die 80 kritische Beiträge bei Christiansen – schon einige vor der Sendung -, und viele User im Internetportal des Fachmagazines „PC Games“ sind auf taube Ohren bei der Redaktion von Christiansen gestoßen.
Spieler wie auch Spielejournalisten kritisieren diesen Zustand, der fast überall in den Medien herrscht. Sie sehen sich als Verlierer, weil sie denken, kein Gehör zu finden, um ihre Sicht in die Welt zu bringen. Ob Sebastian B. das gewollt hatte?
(fsc)
Veröffentlicht am Dienstag, 28. November 2006 um 16:00 Uhr
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