Es ist ruhig geworden um die "Killerspiele"-Debatte, für gut eine Woche, nachdem Sebastian B. in Emsdetten Amok lief. Er spielte Doom 3 und Counter Strike. Zukünftig könnte das Spielen solcher Computer- und Videospiele unter Strafe stehen: Ein Jahr Haft für den Straftäter Spieler.
Auf Spiegel Online machte Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) heute Vormittag den Vorstoß für eine solche Strafe. Der Paragraph 131 des Strafgesetzbuches (StGB) könne entsprechend erweitert werden, so der Christdemokrat.
Neben den Spielern, die so genannte "Killerspiele" erwerben und spielen, sollen auch die Hersteller und Publisher bestraft werden. Im Gesetzentwurf aus Bayern lautet der entsprechende Passus:
Wer Computerspiele, die es den Spielern als Haupt- oder Nebenzweck ermöglichen, eine grausame oder die Menschenwürde verletzende Gewalttätigkeit gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen auszuüben, verbreitet, [...] herstellt, bezieht, liefert [...], wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bestraft.
Gesetzentwurf ist eine Diskussionsgrundlage
Beckstein versteht diesen Gesetzestext als Diskussionsgrundlage, um mit dem Bund und anderen Ländern bis Januar 2007 ein fertiges Gesetz zu erarbeiten.
Kritik kam hingegen von allen anderen Parteien - auch vom Koalitionspartner SPD. Die Bundestagsabgeordnete Monika Griefahn von der SPD-Fraktion sprach sich gegen ein Verbot "jener Spiele, die nicht indiziert sind" aus. Der Innenexperte Dieter Wiefelspütz (SPD) sagte gegenüber "Die Welt": "Die Verbotsdebatte ist vordergründig und hilflos. Vielen Politikern fällt nach Vorfällen wie in Emsdetten einfach nichts Besseres ein."
Volker Beck: Verbot ist "kurzsichtig und zwecklos"
Grüne-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck wirft Beckstein in der Netzeitung hingegen Einseitigkeit vor: "Wer über ein Verbot nachdenkt, muss dann konsequenterweise die gleichen Kriterien an Bücher und Filme anlegen." Ein Verbot von "Killerspielen" sei deswegen zu kurzsichtig und zwecklos.
Kritik gibt es auch von den Experten. Im ZDF sagte der Medienexperte Wolfgang Kaminski: "Wir können in einer demokratischen Gesellschaft nicht, wenn Dinge einer Gruppe von Menschen nicht passen, alles verbieten."
Und was sagen die Spieler dazu? Schreiben Sie in den Kommentaren Ihre Meinung zu dem Vorstoß von Beckstein und die Reaktionen der anderen Parteien.
(fsc)
Veröffentlicht am Dienstag, 5. Dezember 2006 um 20:12 Uhr
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