Auf der Suche nach Innovationen

Zum ersten Mal zieht es uns nach Münster: Die Role Play Convention verspricht nicht nur eine Versammlung von verrückt gekleideten Jugendlichen zu sein, sondern auch das ein oder andere innovative Computerspiel zu präsentieren. Oder?

Aus Münster berichtet Qiong Wu

Da pläuschen und wuseln, versammeln sich und diskutieren allerlei Gestalten, aus ganz Deutschland und halb Europa. Verkleidet und wunderlich verwandelt: Mit allerlei Waffen, von Äxten bis Hellebarden, ist alles vertreten. Die "Role Play Convention", kurz RPC, in Münster wird immer mehr zum Publikumsliebling und hat unlängst die Spielepresse für sich begeistert.

Die Hersteller von Computer- und Videospiele nutzen die Fachmesse, um ihre Rollenspiele einem breiten, spezifischen Publikum zu präsentieren. dtp, Eidos - sie alle waren da.

Gleich zu Anfang präsentiert sich die RPC Germany etwas chaotisch, verzweifelt sucht man Herolde oder Wegweiser, geschweige denn Zeitpläne der Veranstaltungen, und auch kein Questgeber weit und breit in Sicht.

Also ziehen wir auf eigene Faust los und werden als erstes von einem Freibeuter der Karibik begrüßt - er weiß wahrlich sein Seemannsgarn zu spinnen.

Seine Erzählungen führen uns in die fernen Gewässer der Karibik, wo Entdecker, Händler, Krieger, und Piraten sich Land- und Seeschlachten liefern, wuseln und handeln. Eben ein MMOG epischen Ausmaßes, wie man es gewohnt ist.

Der Titel seiner Geschichte: Bounty Bay.

In dieser Erzählung trifft man auf viele interessante Gestalten der Vergangenheit, wie den Entdecker Machiavelli. Doch insgesamt kann uns seine Geschichte nicht überzeugen - sowohl fehlende Innovation, als auch die Grafik waren von der Marke "Viel erzählt, nichts gekonnt".

Auf der nächsten Seite: Das Rollenspiel Sacred 2 sowie das Weltraum-MMOG Jumpgate Evolution.

Also weiter - zum Stand von Sacred 2. Dieses Mal erwartet uns kein Online-Rollenspiel, sondern die Fortsetzung des populären Rollenspieles Sacred, mit seinem engagierten Ziel, Diablo II vom Thron zu stoßen. Doch schon bald wird klar: Liebe Jungs und Mädels, das wird nichts. Die an eine große Leinwand geworfenen Szenen zeigen zwar so etwas wie ein Hack and Slay-Feeling, aber eben nicht mehr.

Ein stark als Innovation gepriesenes Schwarmverhalten - bereits in Diablo II vorhanden -, sowie Gegner, die besonders gegen Feuerschaden verletzlich sind - bereits in Diablo II vorhanden - entpuppten sich als reine Quacksalben.

Danach begeben wir uns zu einem Einwohner Britanniens, der uns Weltraum-MMOG Jumpgate Evolution zeigen möchte. Und auch hier verspricht der nette Herr eine Horde neuer Funktionen, eine neue, große Geschichte, die viel besser als Eve Online sei, mehr Rollenspielelemente, besser als Eve Online, ein actionreicher Kampf, auch der viel besser als Eve Online. Kurz gesagt: Das Spiel sei besser als Eve Online. Aha? Na, gut...

Nächste Seite: Eine wirkliche Neuerung - Dofus. Sowie der Eindruck von DSA: Drakensang.

Doch, dann begegnet uns eine wirkliche Innovation: Dofus! Endlich mal eine Neuerung. Das französische Entwicklerstudio arbeitet an einem rundenbasierendem Rollenspiel, das an ein Flashgame erinnert. Ein netter, junger Mann führt uns in das Spiel ein, das Final Fantasy Tactics Online (FFTO) ähnelt. Dofus beherbergt Quest- und Rollenspielelemente im Einzelspieler-Modus, aber auch mit anderen Menschen ist der Spieler mit einem Team- und einem PVP-Modus gut bedient - all das hätte man sich vom Gameboy-Klassiker FFTO gewünscht.

Drakensang. dtp präsentierte uns "Das Schwarze Auge" bereits auf der Games Convention. 26 Klassen können ausgewählt werden - vom Dieb bis zum Krieger ist alles dabei. Natürlich darf auch der obligatorische Magier nicht fehlen. Dafür vermissen wir Dungeons und Dragons. Die Entwickler setzen auf eine lineare Geschichte, sodass der Spieler wenige Möglichkeiten hat, seine individuellen Wege zu gehen. Stattdessen wurden zahlreiche Nebenquests integriert, in denen sich jeder nach Beliebem austoben kann.

Grafisch ist immerhin alles prima umgesetzt: Sehr schöne Landschaften, gelungene Charaktergestik und -mimik bereiten einen wahren Augenschmaus. Selbst wenn die Optik erstaunlich stark an das Dungeons & Dragons-Spiel Neverwinter Nights 2 erinnert.

Ein weiterer Pluspunkt: Lange Wartezeiten gibt es in DSA: Drakensang schlicht und einfach nicht.

Seite 4: Age of Conan und das Fazit.

Gespannt, wie der Dreamfall-Entwickler Funcom sich schlägt, begeben wir uns weiter zum Stand von Age of Conan, dem neuem Online-Rollenspiel für Erwachsene. Das ganze Spiel präsentiert sich zu Beginn sehr atmosphärisch und setzt auf viele Effekte. Die komplette Umgebung ist interaktiv und in den ersten 20 Leveln gibt es außerdem eine Reihe von World Events.

Die bedeutendste Neuerung sind wohl die Einzelkämpfe - eine in MMORPGs schwer umzusetzende Funktion. Doch, wir sind überrascht: Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Das Spiel ist tatsächlich um einiges fetziger als die Konkurrenz und dadurch eine nette Abwechslung im inzwischen großen MMORPG-Markt.

Ansonsten ist alles beim Alten: Klassische MMORPG-Geschichten, wie Gilden und Kämpfe, gibt es auch in diesem Spiel. Wobei Funcom mit den so genannten Gildenstädten einen zusätzlichen Wettbewerb integriert hat, da jede Gilde Städte erobern und die eigene verteidigen kann.

Und auch die klassischen Kartenspieler sind natürlich auf der RPC vertreten - World of WarCraft, Magic und wie sie alle heißen.

Unser Fazit für die RPC-Germany 2008: Ein etwas unorganisierter Markt, der das Chaos aber mit seinen sehr engagierten und begeisterten Ausstellern sowie Besuchern locker wieder wett macht.