Nur blondiert

Sexy räkelt sie sich am Strand, in engen Jeans, prall gefülltem Oberteil und so Blond. Gut, dass wären dann die ersten fünf Euro für die Wortspielkasse. Vermutlich werden es wohl nicht die letzten sein. Willkommen in So Blonde.

Wandelndes Klischee

Das ist sie also: Sunny, 17 Jahre jung und gerade vom Luxusdampfer gefallen. Nun liegt sie hier am Strand einer vergessenen Insel und weigert sich den Jungen, der einen Bildschirm weiter auf einem Stein hockt, anzusprechen. Schließlich ist sie ja nach ihrem Missgeschick und einer halben Nacht im Wasser ziemlich derangiert. Selbst den Strand zu verlassen, weigert sie sich, ohne ihr Make-up aufzufrischen.

Ziemlich zickig und ziemlich dumm präsentiert sich Sunny in den ersten Minuten ihres Abenteuers. Doch einige Spielstunden später verblüfft sie den Spieler mit überraschend klugen Schlussfolgerungen, intelligenten Kommentaren und der perfekten Aussprache kompliziertester Wörter, wo sie sich doch noch zu Beginn wunderte, dass sie immer noch das Meer rauschen hört, als sie eine Muschel nicht mehr an ihr Ohr hält. So erklärt sie später den Inselbewohnern zum Beispiel die Vorgänge während einer Sonnenfinsternis, was man ihr nach der Muschelnummer am Anfang nun wirklich nicht zu getraut hätte.

Doch die anfänglichen Klischees über verwöhnte, Paris Hilton-kompatible Dummchen verflüchten sich schnell. Nur noch selten haut Sunny einen vermeintlich typisch blonden Spruch heraus. Genauso selten übrigens, wie der Humor im ganzen Spiel vorkommt: Das Team um Geschichtenschreiber Steve Ince (Baphomets Fluch) verpasst fast alle Chancen, die sich bei einer solchen Hauptdarstellerin bieten und verlegt sich stattdessen lieber auf das Einstreuen von unzähligen, nicht immer passenden, Zitaten aus TV, Film und Spiel. Angefangen bei geheimnisvollen Zahlenreihen auf Metallluken, über LeChucks flammenden Bart bis zu Monty Pythons Ritter der Kokosnuss. Auch Sunnys Motivation bleibt im Dunkeln. Will sie zu Beginn nur einfach runter von der Insel, möchte sie später wohl den tyrannischen Zwergpiraten One-Eye stürzen. Auf dem Weg dahin verzettelt sie sich aber in bedeutungslose Bringdienste für die einheimische Bevölkerung. Einen übergeordneten Sinn für ihr Handeln suchen Sie über weite Strecken vergebens. Ansonsten gefällt die gut erzählte Geschichte dank vieler skurriler und leibenswerter Charaktere. Jedoch deren Präsentation durch kaum bewegte, viel zu seltene Comicgrafiken stört.

Insgesamt zeigt sich Sunnys Abenteuer als Medaille mit zwei Seiten. Die Hintergründe sind farbenfroh und mit viel Liebe zum Detail gestaltet und gefallen mit zahlreichen Animationen. Davor agieren leidlich hübsche 3D-Charaktere, denen die eine oder andere Animation mehr sicherlich nicht geschadet hätte.

Rätsel-Haft

Doch zurück zu Sunnys anfänglicher Weigerungshaltung. Ein putziger, kleiner Pelzträger hat sich den kostbaren Schminkkoffer geschnappt und sich damit auf eine Palme verkrümelt. Sunny muss ihn irgendwie herunterlocken und ihn davon überzeugen, ihr den Koffer zu überlassen. Die Lösung des Problems gestaltet sich logisch, einfach und geht in klassischer Point and Click-Steuerung locker von der Hand. Doch leider ist dies nicht von Dauer. Bereits kurze Zeit später gilt es Aufgaben zu stemmen, zu denen es keinerlei Hinweise gibt und deren Lösung alles andere als logisch erscheint. Mit der Zeit häufen sich die Rätsel, die sich nur durch stupides ausprobieren und wahlloses Kombinieren der zahllosen Gegenstände, die das Inventar zu müllen. Schon zur Spielmitte trägt Sunny mehr als zwanzig Gegenstände mit sich herum, die nicht einmal alle zum Einsatz kommen. Darunter ist auch eine Karte der Insel, die wider Erwarten nicht zum Schnellreisen gedacht und somit relativ nutzlos ist. So bleibt weiterhin nur der Doppelklick, um Sunny wenigstens etwas Feuer unter dem Hintern zu machen - und das ist auch bitter nötig, denn die Wege sind erstaunlich lang auf dieser kleinen Insel. Über 40 Schauplätze wollen besucht werden und das nicht nur mehr mal. Viele davon werden aber nur durchwandert auf dem Weg zum eigentlichen Ziel, was die Spielzeit gewaltig streckt. Auch bedingt durch die damit verbundenen, nicht unerheblichen Ladezeiten. Ebenso spielzeitdehnend ist die Suche nach verwertbaren Hotspots. Davon gibt es in jedem Bildschirm mehr als genug, zumal nicht alle brauch- und verwendbar sind. Zwar lassen sich per Leertaste sämtliche Hotspots anzeigen; wirklich hilfreich ist das aber nur bedingt, da angezeigte Beschreibung und der dazu gehörige Hotspot nicht zwingend an exakt der selben Stelle liegen. Ansonsten gibt es an der Bedienung nichts zu meckern.

Die gewohnte Rätselkost wird immer wieder von optionalen Minispielen unterbrochen. Hierbei reicht das Spektrum von klassischen Telespielen, bei denen holzgehackt oder Wassertropfen aufgefangen werden müssen, bis zu einfachen Reaktionsspielen, bei denen Wassereimer aus Brunnen gefischt oder extra breite Piraten beim Armdrücken besiegt werden müssen. Wer darauf keine Lust hat oder scheitert, kann diese auch einfach überspringen.

Die teils ausufernden Gespräche mit der Inselbevölkerung sind gut gelungen. Die Sprecher passen und geben sich hörbar Mühe. Allen voran Gabrielle Pietermann, die deutsche Stimme von Emma Watson (Hermine aus den Harry Potter-Filmen), die Sunny passend schrill vertont. Dagegen langweilt die seichte Musik und Hintergrundgeräusche sind selten.

Fazit

Sicherlich geizt So Blonde mit Hinweisen und viele Dinge erscheinen ohne logischen Zusammenhang. Auch das wahllose und wiederholte Anquatschen sämtlicher Figuren auf der Suche nach einer neuen Gesprächsoption, die beim Weiterkommen hilft, walzt das Spiel zur Genüge aus. Dabei stören am meisten die ewigen Laufwege. Die nette Karte, die Sunnys Schauplatzwechsel illustriert, schalten Sie am besten weg - das verkürzt zumindest die Ladezeiten. Die kreuzbrave Präsentation und der fehlende Witz trüben ebenso das ansonsten gute Gesamtbild.

Insgesamt schwangt die Qualität ständig. Mal können die Rätsel überzeugen, dann sind sie wieder nur durch wahlloses Rumprobieren lösbar. Die Gespräche sind gut vertont, aber oft unnötig lang und ohne wirklichen Inhalt.

Dennoch steckt in So Blonde ein guter Teil an Spielspaß. Auch wenn dieser nicht für die gesamte Spielzeit reicht. Schade, hatte man sich doch von So Blonde einiges mehr erhofft.

Pro und Kontra
+ Schöne Hintergründe
+ Tolle Sprecher
+ Standard-Adventuresteuerung
+ Nette Charaktere
+ Teils nettes Rätseldesign ...

- ... meist nur durch stupides Ausprobieren lösbar
- So gut wie keine Hinweise
- Fehlender Humor
- Unnötig viel Lauferei

Einzelwertungen
Spielspaß: 60 Prozent
Grafik: 79 Prozent
Akustik: 75 Prozent
Bedienung: 82 Prozent
Mehrspieler: nicht vorhanden

Gesamt: 74 von 100 Prozent.