Das Wunder von Korea

Aus einem Gerücht wurde heute Wahrheit: Es kommt. StarCraft, das beliebteste Strategie-Spiel aller Zeiten, das Vorbild vieler RTS, geht in die nächste Runde. Blizzard weiß, welche Erwartungen an sie gerichtet sind. Man wolle sie übertreffen, heißt es. GamePorts wagt einen ersten Blick auf das, was StarCraft 2 heißt.

Von Marco Gödde, Frederic Schneider und Markus Stahmann

 Was sind das denn für Verrückte, diese Amerikaner?! Blizzard Entertainment, die Heidi Klum der Spielebranche, hat es spannend bis zum Schluss gemacht. StarCraft?, ja, das sei interessant. Könnte man sich vorstellen; oder auch nicht. Dann Mitte April ein erstes Zeichen: Im Rahmen der Blizzard Invitational Korea soll ein neues Projekt angekündigt werden. Am 19. Mai. StarCraft?, mag sein.

Diese Meldung nährte diverse Gerüchte. Ehemalige Blizzard-Mitarbeiter meldeten sich zu Wort. Gar Designer-Legende Bill Roper sagte, er glaube an StarCraft 2.

Dann war es heute Morgen soweit: Das neue StarCraft kommt. Endlich. Was ein Wahnsinn!

19. Mai, 17:20 Uhr: Die Aufregung hat sich gelegt. Kollegen wie die GameStar oder das Krawall Gaming Network berichteten den ganzen Tag über diese Gaudi live aus Korea.

Aber was erwartet uns mit StarCraft 2 überhaupt? Zu viel traut sich Blizzard nicht. Die Angst, den Erwartungen der Fans zu trotzen, ist zu groß: Das Ressourcen-Management bleibt weitestgehend gleich wie im Vorgänger. Und auch die Zahl der Völker ist alles Andere als etwas Neues: Der Spieler wird auch im zweiten Teil wahlweise als Terraner, Protoss oder Zerg über das virtuelle Schlachtfeld ziehen. Außerdem verzichten die Designer auf (übermächtige) Helden á la WarCraft 3.

Neben einer Kampagne, von der nur fest steht, dass wieder Kerrigan und Raynor vorkommen, steht der Mehrspieler-Modus wieder ganz oben auf der Liste von Blizzard. Entsprechend seien daran die Arbeiten schon weit foran geschritten. Das Battle.net wird auch in Zukunft ein wichtiger Teil des Spieles sein. Geplant ist, das Online-Netzwerk gar weiter aus zu bauen. Spieler des - vor allem in Asien - beliebten ersten Teiles müssen dabei um nichts fürchten, den Gerüchten der letzten Wochen zum Trotz: StarCraft wird weiterhin im Battle.net freigeschaltet sein.

Die ersten Screenshots lassen bereits eine tolle Optik erwarten. Ein Spielejournalist jedoch kritisch: Zur Ankündigung seien Blizzards Grafiken immer top; ist das Spiel jedoch erst einmal auf dem Markt, sei sie längst wieder überholt.

 StarCraft 2 wird sowohl unter Windows XP als auch Vista laufen. Macintosh-Benutzer kommen ebenfalls in den Genuss des RTS; Besitzer von Konsolen oder von Linux gehen hingegen leer aus. Blizzard schreibt, dass das Spiel hervorragend unter DirectX 10 laufen soll. Ob es extra Effekte für Besitzer entsprechender Grafikkarten geben wird, ist allerdings noch nicht entschieden. Für Blizzard ist es erst einmal wichtig, das Spiel auf möglichst vielen Systemen spielbar zu machen.

Für ein realistisches Gameplay sorgt die integrierte Harvoc-Physik-Engine. Für die StarCraft-Engine ist darauf Wert gelegt worden, auch größere Charaktere darzustellen. Entsprechende Einheiten könnte es deshalb geben, konkretes über Inhalte nannte Blizzard jedoch generell nicht. Details gibt es lediglich zu fünf Einheiten der Protoss. So erwarten Sie Berserker, Unsterbliche oder Warpknoten.

Kartenbastler werden mit StarCraft 2 ihren Spaß haben. Blizzard kündigte an, von Anfang an sowohl einen Karteneditor, als auch Programme zur Verfügung zu stellen, um eigene Modifikationen zu erstellen.

Der E-Sport soll auch in StarCraft 2 ein wesentliches Element des Erfolges sein. Es ist zu erwarten, dass auch Teil 2 wieder fähig für Weltmeisterschaften ist. Möglicherweise werden in das Spiel extra Funktionen eingebaut, um TV-Übertragungen zu vereinfachen. Im asiatischen Raum verdient manch professioneller StarCraft-Zocker seinen Lebensunterhalt mit dem RTS aus Amerika, das soll natürlich auch mit dem neuem Spiel so bleiben.

Über Preis, Verpackungen und Vetriebsmöglichkeiten macht Blizzard noch keine Aussagen. Das Spiel sei noch nicht im finalen Stadium, sodass sich das Entwicklerstudio noch vornehm zurück hält. Angestrebt wird allerdings eine Alterseinschätzung von 13 Jahren in den Staaten, das einem USK "ab 12 Jahren" in Deutschland entspricht. Genauso wenig ist über den geplanten Veröffentlichungstermin (möglicherweise 2008), Betatests oder Anspielversionen bekannt. Blizzard eben.

18 Uhr: Blizzard zeigte sich nach der offiziellen Ankündigung erstaunlich gut vorbereitet. Denn im Nu war eine Website online. Und das nicht nur als Platzhalter wie beim ebenso sehnlich erwarteten Fallout 3, sondern bereits sehr gut ausgestattet mit Informationen, Screenshots, Desktopmotiven und ersten Videos. Darunter ein spektakulär in Szene gesetztes Rendervideo, das bereits einen hervorragenden Eindruck zur Qualität der im fertigen Spiel enthaltenen Videos vermittelt und somit eine der wichtigsten Fragen vieler Fans beantwortet: Wird die Geschichte genauso beeindruckend inszeniert, wie im Vorgänger?

 Ein weiteres Video zeigt überwiegend Artworks, die den Entwicklern und Grafikern bei Blizzard als Grundlage für ihre Arbeit dienen. Zwischen die Artworks wurden erste Szenen aus dem Spiel geschnitten, an Hand derer man sich schon einen Eindruck des eigentlichen Spielgeschehens machen kann. Die Sequenzen zeigen flotte Schlachten mit Massen an Einheiten, wuchtigen Explosionen und den drei vertrauten und liebgewonnen Völkern und lässt einem jetzt schon das Wasser im Munde zusammenlaufen.
Der Download lohnt sich damit nicht nur für Fans.

Und für morgen hat Blizzard einen reinen Gameplay-Trailer versprochen. Der dürfte die Erwartungen der Fans sicherlich weiter schüren.

19:30 Uhr: Der Großteil der Community freut sich über die Meldung von heute Vormittag. Spannung herrscht. Für Viele ist es die Meldung in diesen Tagen überhaupt; man ist gespannt auf weitere Informationen und sehnt die Veröffentlichung herbei.

Allerdings gibt es auch einige negative Stimmen über die Grafik des neuen StarCraft: Gemeckert wird über die Qualität, oder die Spieler kritisieren die Spielgeschwindigkeit.

Andererseits: Es gibt viel Lob zu den bisher gezeigten Spielausschnitten. Optimismus ist des StarCraft-Spielers erster Grundsatz. Manche sind bereits nach den ersten Screenshots und Trailer überzeugt: "StarCraft 2 wird bestimmt besser als StarCraft, da habe ich keine Zweifel."