Veröffentlicht am Sonntag, 7. September 2008 von Frederic Schneider
Klasse statt Masse: Gerade einmal zwei Entwickler kümmern sich darum, dass die Goos auf dem Computer und der Nintendo Wii für spannende Stunden sorgen. Nachdem wir uns das Spiel kurz auf der GC in Leipzig ansehen konnten, hatten wir diese Woche die Möglichkeit, bei einem Besuch vor Ort einen näheren Eindruck von World of Goo zu erhalten.
Manchmal braucht es nicht viel, um Erfolg zu haben. Und mit "nicht viel" ist kein materieller, sondern viel eher ein numerischer Wert gemeint. Ron Carmel und Kyle Gabler waren Mitarbeiter von Electronic Arts und sind mit gemeinsamen Freeware-Spielen so erfolgreich gewesen, dass sie nun als die "2D Boys" selbständig wurden, um mit World of Goo ein einfaches und dennoch ansehnliches Spiel zu entwickeln.
World of Goo ist ein Konstruktions- und Puzzle-Spiel. Was sich auf den ersten Blick so sehr nach Casual Game und weniger nach ernstzunehmendem Spiel anhört, darf trotzdem nicht unterschätzt werden. Denn das würde dem Projekt von Carmel und Gabler nicht gerecht werden. Es ist ein Spiel für Zwischendurch, gewiss, aber es hat das Potential, eine aktive Fan-Gemeinde zu bekommen, das Potential, noch einen Monat nach Veröffentlichung hipp zu sein.
Das Spielprinzip ist einfach wie genial: Die Goos sind Lemminge-ähnliche Ölkekse, die, miteinander verbunden, Gebilde ergeben. Damit kann der Spieler Täler überbrücken, Wege vervollständigen, und vieles mehr. Man baut in die Höhe, um nicht auf Stacheln zu fallen, oder man baut in die Tiefe, um weitere Goos zu "wecken", die auf dem Boden schlafen. Wichtig ist stets, nicht zu viele Goos zu verwenden: Zum einen sind die kleinen Ölkekse nicht endlos vorhanden und zum anderen kann das Ziel des Levels sein, eine bestimmte Anzahl an Goos in das nächste zu retten.
Klingt einfach, setzt jedoch viel Geschick, von Anfang an eine Strategie und eine ausbalancierte Konstruktion voraus. Die Entwickler haben dem Spiel nämlich eine Physik-Engine verpasst, die dafür sorgt, dass Brücken und Türme zusammenbrechen, wenn sie nicht stabil gebaut wurden.
Als Hilfsmittel gibt es - vorausgesetzt, das Leveldesign sieht es so vor - Luftballons, die das Gebilde leicht nach oben ziehen. Zu weit nach oben zu kommen birgt die Gefahr, dass Stacheln an der Decke das Gummi zerstören. Das andere Hilfsmittel sind kleine Fliegen, die die letzte Aktion rückgängig machen. Die eingesetzten Goos werden brav wieder abgezählt und da World of Goo so etwas wie eine Zeitbeschränkung nicht kennt, ist zumindest keine Hetze geboten.
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Neben den standardmäßig schwarzen Goos, die, einmal verbaut, nicht wieder abgetrennt werden können, haben die 2D Boys beispielsweise grüne, jederzeit verschiebbare Goos erfunden.
Aufgebaut ist World of Goo in verschiedene Kapitel mit darin befindlichen Level, die meist nacheinander gespielt werden müssen, damit der Spieler neue Herausforderungen freigeschalten bekommt.
Zur Steuerung: Die Goos werden via Drag and Drop befehligt. Der jeweilige Goo wird aktiviert und zu seinem Ziel "gezogen". Auf dem PC wird die Maus dazu verwendet, auf Nintendos Wii die Stärke des Nunchuck-Controllers genutzt. Es reicht, den Goo mit der A-Taste zu markieren und dann mit einer Handbewegung zum Ziel zu befördern. Es ist dabei dank der Physik-Engine wichtig, die Hand nahe der Konstruktion in Ruhe und mit Fingerspitzengefühl zu bewegen, um nicht etwa zu weit links, rechts oder oben den Goo anzubauen und dadurch ein Zusammenbrechen zu provozieren.
Um nicht alleine Hand anlegen zu müssen: In World of Goo können gleich zwei Personen ihr Glück versuchen und sich gegenseitig beim Balanceakt unterstützen. Etwas ärgerlich ist gleichwohl, dass ein Spieler immer "Master" ist. Das heißt, er bestimmt, wo auf dem Spielfeld gerade die Musik spielt. Der zweite Spieler, vielleicht gerade ohne Goo zum Verbauen, muss erst warten, bis der andere wieder bereit ist, die umherirrenden Goos einzusammeln. Abhilfe schafft das Spiel, indem Goos vom Spieler zu einem fixen Punkt gerufen werden können. Doch ist diese Funktion nicht überall verfügbar.
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Ansonsten macht World of Goo einen guten Eindruck, gerade mit dem Spielprinzip. Ein Feuerwerk an grafischen Effekten ist selbstredend nicht vorhanden, einfache Hintergrundgrafiken müssen ausreichen. Und selbst die Akustik ist bei einem Spiel wie World of Goo nur zweitrangig, womöglich gar nervig, wenn gerade höchste Konzentration geboten ist.
Einfach, aber toll: World of Goo ist gewiss kein Meisterwerk, macht aus dem simplen Spielprinzip aber ein großes Ding. Sowohl auf der Games Convention, als auch beim Vor Ort-Besuch hatte ich die Möglichkeit, das Spiel mit Nintendos Wii zu testen und hatte stets meinen Spaß. Einmal abgesehen von ein paar Unzulänglichkeiten, deren Behebung ich mir sicher bin, wünsche ich mir von den 2D Boys in den Staaten jetzt nur noch die Möglichkeit, eigene Level erstellen zu können. Nur so ist gewährleistet, dass eine (größere) Community an der Weiterentwicklung des Spieles mitwirkt. Und ohne aktive Spieler und ständig neuem Material ist selbst das beste Spiel nur gut gemeint, nicht aber gemacht.
Geplanter Veröffentlichungstermin: 1. Quartal 2009