Veröffentlicht am Samstag, 1. November 2008 von Qiong Wu
Handyspiele sind meistens flach, langweilig und grafisch nicht besonders aufwändig. Für jeden der immer noch dieses Bild von Handygames hat und der beim Stichwort "Mobile Gaming" immer noch an Snake auf dem Nokia 3330 denkt, haben wir etwas besonders Feines: Reset Generation für die N-Gage Plattform.
Nokia hatte sich mit der Einführung der N-Gage-Handys bereits einen Namen in der Spielebranche gemacht und obwohl die damals erschienenen, speziell aufs Spielen ausgerichteten Mobiltelefone ein eher mäßiger Erfolg waren, so sind sie doch ein Schritt in die richtige Richtung gewesen.
Mit den Nokia N-Series-Handys erlebt N-Gage nun eine Renaissance. Im Zuge der Berichterstattung über die Games Convention, hatte ich bereits die Gelegenheit über die innovative Spieleplattform zu schreiben (vgl. Artikel: Missiles N-Gaged). Wer mehr über die Plattform wissen will, ist mit der Lektüre des Artikels gut beraten.
Heute schreibe ich allerdings über ein Spiel aus der N-Gage Plattform. „Reset Generation“ nennt sich das Spiel und verspricht lustig-bunten Retro-Arcade Spaß.
Der Download über WLAN oder mobiles Internet funktioniert problemlos. Die Installation gelingt ebenfalls im Handumdrehen. Nach selbiger präsentiert sich Reset Generation mit einem schicken Logo im N-Gage-Menü meines Handys und ich kann loslegen.
Das Spielmenü erinnert ein wenig an Advance Wars, und auch in-game erinnert das Design etwas an den Strategieklassiker aus dem Hause Nintendo. Reset Generation spielt in einer fiktiven Welt in der viele alte Kollegen aus der Konsolen- und Spielewelt gegeneinander in einem harten Kampf um Leben und Tod antreten. So gibt es etwa einen protzigen Klempner (Plumber), der nicht von ungefähr an den Kollegen aus Super Mario erinnert, oder einen kleinen blauen Igel, der vor allem schnell rennen kann.
Die Charaktere sind eine mit Augenblinzeln gemeinte Persiflage auf die "realen" Vorbilder aus der digitalen Spielewelt. Vom klassischen Space Invader über Lara Croft-Verschnitte, bis hin zum modernen Level 50-Elfen wird fast das ganze Spektrum abgedeckt. Sowohl die Grafik als auch die Musikkulisse sind wunderbar auf die gute alte Spielenostalgie abgestimmt, 8-Bit-Beats und verspielte 2D-Sprites passen erfrischend gut in das Setting.
Das Spielprinzip ist einfach wie spaßig zugleich, ebenfalls ganz im Sinne der guten alten Zeiten. Es gilt eine vollbusige Prinzessin den klauen des Gegners zu entreißen und nach Hause in die warme Stube zu geleiten.
Dabei kann der Spieler auf zwei Möglichkeiten zurückgreifen, um sein Ziel zu erreichen. Er kann den Gegner entweder mit einem gezielten Hieb ausschalten, oder die Prinzessin einfach stehlen, wenn der Gegner gerade nicht zuhause ist.
Der Spielablauf gliedert sich in drei Phasen, die Blockphase, die Bewegungsphase (Movementphase) und die Kanonephase (Cannonphase). In der ersten Phase werfen die Spieler in Tetrismanier Blöcke auf das zweidimensionale Spielfeld, um so ihren Bewegungsradius zu erhöhen. Fünf Blöcke in einer Reihe ergeben dabei eine "Combo", auf der sich der Spieler bewegen kann ohne Bewegungspunkte einzubüßen. Spieler bauen so ihren Pfad zum Gegner oder zu wertvollen Gegenständen auf und erweitern ihr Territorium.
Auf die Blockphase folgt die Bewegungsphase, in der die Spieler genau das tun können, ihre Spielfiguren bewegen. Sie ist die wichtigste der drei Phasen, denn hier wird der Spieler aktiv tätig. Vernichtende Schläge gegen den Gegner, die Beschwörung von Kreaturen oder auch das Retten von Prinzessinnen werden hier durchgeführt.
Die Gegenstände, die der Spieler in der Bewegungsphase aufsammeln kann, sind sehr vielfältig. Sie bringen dem Spieler, der sie geschickt einsetzt, meistens einen starken Bonus gegenüber seinen Mitstreitern. So kann er entweder gratis Combos setzen, eine Super-Laserkanone abfeuern oder andere Mitspieler in Frösche verwandeln.
Wenn ein Spieler sich dazu entscheidet, keinen der Gegenstände, die auf der Karte liegen, zu verwenden (oder wenn er keinen dieser Gegenstände erreicht), dann kann der Gegner ganz banal gehauen werden. Es lohnt, wenn man in der Blockphase bereits Combos gebaut hat. Denn unser Held teilt viel stärkere Hiebe aus, wenn er auf einer eigenen Combo verweilt. Hat man seine Bewegungen abgeschlossen, geht es zur nächsten Phase.
In der Kanonenphase schießen alle Spieler Kanonenbomben quer über das Spielfeld. Anders als vielleicht vermutet, lassen sich gegnerische Spieler nicht beschießen, sondern nur Gegenstände und Blöcke.
Der strategische Nutzen der Kanonenphase ist allerdings alles andere als gering, denn durch das Zerstören nützlicher Gegenstände und Blockdurchgänge kann der Gegner oft stark in seinen Aktionen eingeschränkt werden. Ist die Kanonenphase abgeschlossen, geht das Ganze wieder von vorne los. Die Spieler setzen ihre Blöcke, bewegen sich und schießen erneut mit Kanonen durch das Feld.
Besonderes Augenmerk bei Reset Generation liegt ganz klar auf dem Mehrspielermodus. Für selbigen nutzt das Spiel die von der N-Gage-Plattform bereitgestellte Infrastruktur hervorragend. So gibt es ein Rangsystem, bei dem viele verschiedene Spieler sich untereinander messen und das Zusammenspielen mit Freunden funktioniert ebenso hervorragend.
Wenn sich mal keine Freunde zusammenfinden, startet man einfach ein schnelles Spiel und misst sich mit zufällig ausgewählten, menschlichen Gegnern. - Suchtfaktor garantiert! Voraussetzung für das Vergnügen ist lediglich eine Internetanbindung des Handys, sei es über UMTS oder WLAN.
Einziger Wermutstropfen: die Anzahl der möglichen Modi. Diese hätten etwas zahlreicher ausfallen können. Außer einem Random Free for all Modus (zufälliges Jeder gegen Jeden) gibt es in Reset Generation nur noch die Möglichkeit gegen Freunde anzutreten. Dort hätte man sich vielleicht noch in Battle.net-Manier einen 2on2 Random Team-Modus oder ähnliches gewünscht.
Insgesamt ist Reset Generation ein super Titel für die N-Gage Mobiltelefone und kann sich durchaus mit Kollegen aus dem Handheld-Bereich messen. Das Niveau liegt deutlich über dem sonst erhältlichen Kram aus der Fernsehwerbung, und man sieht, dass die Entwickler viel Liebe in das Spiel gesteckt haben. Das Spielprinzip ist simpel aber eben nicht einfach und sehr spaßig. Außerdem sind die Grafik und die Musikuntermalung sehr stimmig.
Zusätzlich bietet das Spiel einen ausgezeichneten Mehrspielermodus über das Internet. Ein Feature, mit dem die meisten anderen Handheld-Konsolen nicht aufwarten können. Der Wiederspielwert erhöht sich durch den Multiplayermodus deutlich. Seit ich das Spiel getestet habe, spiele ich immer wieder gerne zwischendurch eine Runde Reset Generation über das Internet.
Übrigens lässt sich Reset Generation auch auf dem Computer spielen, auf der Internetseite zum Spiel (Link) kann man über den Browser auch mal vom PC aus gegen andere Spieler antreten und das Spiel testen.
Pro und Kontra
+ Einfaches und gut durchdachtes Spielprinzip das Spaß macht
+ Super Multiplayer
+ Sehr passende Grafik und Musik
+ Hoher Wiederspielwert
- Wenige Multiplayermodi
Einzelwertungen
Spielspaß: 88 Prozent
Grafik: 88 Prozent
Akustik: 89 Prozent
Bedienung: 88 Prozent
Mehrspieler: 90 Prozent
Gesamt: 89 von 100 Prozent.