Veröffentlicht am Mittwoch, 26. September 2007 von Marco Gödde
Future Games, die Macher von Black Mirror und Nibiru, veröffentlichen mit Reprobates: Insel der Verdammten ihr neuestes Abenteuer. Ob sie damit an den Erfolg der Vorgänger anknüpfen oder man sie lieber auf jene verdammte Insel wünscht, verrät Ihnen unser Test.
Reprobates beginnt mit einem Knalleffekt, wortwörtlich! Der böhmische Jungspund Adam Raichel fährt mit seinem schicken SUV (Sports Utility Vehicle) die Landstraße entlang, als ihn an einer Kreuzung ein Tanklastzug rammt. Die darauf folgende Explosion sollte Adam eigentlich in das Jenseits befördern. Stattdessen landet er auf einer Insel und fragt sich, genau wie Sie, wie er hierher gekommen ist und was ihn erwartet. An dieser Stelle übernehmen Sie die Steuerung ihres Alteregos und erkunden erst einmal ihr neues Zuhause. Dabei sammeln Sie ein paar Cracker, eine Flasche Wasser, ein Büschel trockenes Gras, drei Stöcke und fünf Steine. Und das werden Sie in Zukunft jeden Morgen nach dem Aufwachen tun. Denn des Nachts verschwindet alles auf mysteriöse Weise, was Sie tagsüber zusammengeklaubt haben. Und immer wieder stellen Sie sich die Frage, warum Adam es schafft, drei Stöcke und fünf Steine mit sich rumzuschleppen, aber die Mitnahme eines zweiten Grasbüschels mit den Worten "Ich kann nicht noch mehr mit mir herumtragen!" verweigert. Zumal Sie nie mehr als einen oder zwei Steine wirklich brauchen. Der Verschleiß an Stöcken beziehungsweise Gras ist da um einiges höher. Aber das ist nur eines der kleinen Logikmankos, auf die Sie immer wieder stoßen. Doch lässt sich darüber hinwegsehen. Da ist das Eigenleben Ihrer Inselmitbewohner schon etwas nerviger. Mal treffen Sie diese in ihren Wohncontainern an, mal joggen diese am Strand oder treiben sich irgendwo anders herum. Wenn Sie dann mal einen von ihnen brauchen, rennen Sie erst mal auf der Suche nach demjenigen über die Insel. Da ist es von Vorteil, dass das kleine Eiland ziemlich überschaubar ist. Und so sind Ihre Tage von den ewig gleichen und immer wieder lästigen Aktionen geprägt. Damit Sie nicht an der zu befürchtenden Langeweile Zugrunde gehen, bedienen sich die Jungs von Future Games eines simplen Tricks: Zum einen zeigen sie Ihnen die Schauplätze aus wechselnden Perspektiven, zum anderen setzen sie Ihnen immer wieder neue Figuren vor die Nase.
Und die sehen nicht mal schlecht aus. Die Charaktere sind detailliert, glaubwürdig gestaltet und heben sich positiv von der tristen Inselumgebung ab. Zwar sind Texturen scharf und detailliert, allerdings lässt es eine Insel mitten im Nirgendwo logischer Weise an Abwechslung missen. Da sind die Umgebungen, in denen Sie Ihre nächtlichen Albträume durchleben, schon um einiges abwechslungsreicher. Mal hangeln Sie sich durch einen riesigen Rohbau, dann wiederum versuchen Sie in einem stillgelegtem Leichenschauhaus einem axtschwingendem Irren zu entkommen. Allerdings stören hier die, zum Glück seltenen Minispiele. Trotz ihrer Schlichtheit, nerven diese durch fummelige Steuerung und Zeitdruck und sind für Choleriker nur schwer durchzustehen.
Schlicht sind auch die Rätsel. Selbst Anfänger sollten selten auf wirkliche Kopfnüsse stoßen. Sie sammeln diverse Gegenstände ein und kombinieren diese untereinander und mit der Umgebung. Dabei zeigt ein leichtes Glimmen des gewählten Gegenstandes an, ob er sich mit dem Zielobjekt verwenden lässt, was unnötige Klickereien erspart. Nebenbei führen Sie das eine oder andere Gespräch mit Ihren Leidensgenossen. Alles ist so, wie Sie es aus anderen Adventures gewöhnt sind. Leider wiederholen sich einige Aktionen immer wieder. So muss, abgesehen von der täglich Stöckchen- und Steinchensammlerei, die Kombination Haken mit Stock mehrmals als Lösung herhalten. Hier mangelt es den Entwicklern schlicht an Ideen. Scheitern Sie doch einmal an einer Aufgabe, dann liegt das in erster Linie daran, dass Sie mal wieder einen Hotspot übersehen haben. Viele Gegenstände oder Interaktionsmöglichkeiten sind dermaßen unscheinbar platziert, dass Sie nicht mal auf den Gedanken kommen, Ihren Mauszeiger auch nur annähernd in deren Richtung zu bewegen. Und so suchen Sie in Ermangelung einer Taste zum markieren interessanter Punkte jeden Bildschirm aufs neue ab. Wenigstens lassen sich mit "E" die Ausgänge markieren. Zumindest etwas. Was Sie auch vergeblich suchen werden, ist eine Taste zum Abbrechen von Aktionen. Viele Animationen sind dermaßen langsam in Szene gesetzt, dass Sie sich eine Taste zum Vorspulen wünschen. Immerhin lässt sich Adam per Doppelklick zum Rennen bewegen. Und laufen muss Adam viel. Erstaunlich für eine so kleine Insel.
Spielerisch zu vernachlässigen ist Adams Energieanzeige in der rechten oberen Ecke. Zwar sollte Sie bei Aktionen wie Türen aufbrechen oder Felsbrocken verschieben voll sein. Allerdings stirbt Adam nicht, sollte der Energiebalken mal auf Null sinken. Dieses Feature streckt durch Nahrung sammeln und essen lediglich die Nettospielzeit.
Haben Sie Adam schließlich erfolgreich durch sein Abenteuer begleitet, lässt Sie Reprobates mit einem fragenden Blick auf die durchlaufenden Credits starren. Zwar klärt sich die gute Geschichte zum Ende hin immer weiter auf. Allerdings bleibt die wichtigste Frage, nämlich die nach dem Warum, unbeantwortet. Und so bietet Reprobates ein eher unbefriedigendes Spielerlebnis.
Reprobates präsentiert sich wie die zwei Seiten einer Medaille. Auf der einen Seite sind die Tage von gähnender Langeweile und ständigen Wiederholungen geprägt. Auf der anderen Seite erleben Sie in den Nächten fordernde und spannend in Szene gesetzte Abenteuer. Und während die Figuren überzeugen, enttäuscht das Ende. Zuviel bleibt der Fantasie des Spielers überlassen. Future Games haben das mit den Vorgängern schon einmal besser hinbekommen.
Pro und Kontra
+ Gut ausgearbeitete Figuren
+ Zum Teil spannend und abwechslungsreich
+ Einfache Bedienung
- Ständige Wiederholungen
- Schlichte Rätsel
- Keine Taste zum Markieren von Hotspots
- Unbefriedigendes Ende
Einzelwertungen
Spielspaß: 69 Prozent
Grafik: 76 Prozent
Akustik: 78 Prozent
Bedienung: 74 Prozent
Mehrspieler: nicht vorhanden
Gesamt: 74 von 100 Prozent.