Veröffentlicht am Sonntag, 20. Juli 2008 von Stefan Keller
Rennspiel-Fans kennen ihn: den Krieg Arcade vs. Simulation. Bei vielen ist daher die Frage erlaubt, ob denn nicht beides in einem zu haben ist. Race Driver: GRID versucht beide Fraktionen zufrieden zu stellen. Ob der Kunstgriff gelingt, lesen Sie hier.
Es war einmal: eine Garage und ein gebrauchter, maroder Ford Mustang. Dieser ist jedoch alles andere als rennbereit, und so muss sich der Spieler als angehender Rennfahrer zunächst 40.000 Euro verdienen, um selbst ein Team aufbauen zu können. Aus diesem Grund fährt man zu Beginn nicht nur für das eigene, sondern ebenfalls für fremde Teams. Das spült Geld in die eigenen Kassen, ist jedoch nicht gut für den Ruf. Dieser wird in Punkten ausgedrückt und sorgt für Rennlizenzen. Mit dem Erwerb einer bestimmten Lizenz kann man bei immer höher dotierteren Rennen im jeweiligen Raum antreten.
Dabei gibt es drei Räume: Europa, Japan und die USA. In jedem der drei Bereiche finden typische Rennen statt, in Amerika beispielsweise das Rennen mit fetten PS-Protzen, während in Asien eher mit japanischen Autos gedriftet wird.
Sind die 40.000 Euro erwirtschaftet, macht sich unsere reizende Managerin, die aber leider nur durch ihre Stimme glänzt, ans Werk und richtet den Ford her, sodass die Abhängigkeit zu anderen Teams auf eine Option zusammenschrumpft.
Ist die anfängliche Abhängigkeit überwunden, finden sich erste Sponsoren, die sich für das neue Team interessieren. Hierbei geht es aber nicht um ausgedachte Firmen, sondern direkt aus der Wirklichkeit entsprungene Marken, wie z.B. eBay. Diese haben auch einen Vertrag mitgebracht, der beispielsweise eine Extra-Prämie für ein Rennergebnis unter den ersten Drei vorsieht.
Ob man die Sponsoren glücklich macht oder nicht, darüber hält einen während des Rennens der Boxenfunk auf dem Laufenden. Darüber erfahren wir, wie es um den Wagen bestellt ist oder wie weit man noch nach vorn fahren muss, um dem von den Sponsoren gesteckten Ziel zu entsprechen.
Im späteren Verlauf kommt unsere Managerin auf die Idee, dass ein Teamkollege das Unternehmen bereichern würde. Um die konkrete Person muss sich der Spieler jedoch selbst kümmern. Ein Team-Kollege hat eigene Stärken und Schwächen. Zudem stellt er Anforderungen, möchte beispielsweise einen Anteil an Sponsoreneinnahmen. Ansonsten fährt er mit demselben Auto und denselben Sponsorenverträgen wie wir selbst.
Eine Saison dauert im Spiel genau vier Renn-Events. Ein solches wiederrum dauert, abhängig von der Ranghöhe des Events, zwischen zwei und fünf Rennen, wobei der Rennmodus während der ganzen Veranstaltung derselbe bleibt. Die Krönung einer jeden Saison sind die 24 Stunden von Le Mans.
Hier geht es um Ausdauer und Können. Die 24 Stunden werden zwar nur verkürzt gefahren – ein Rennen dauert zirka 12 Minuten –, aber dennoch ist dies eine gewisse Belastung für den geneigten Spieler. Dadurch kommt beizeiten der eine oder andere Frustmoment auf, denn die Saisons wirken im Vergleich zu Le Mans recht kurz.
Man könnte das 24-Stunden-Rennen zwar überspringen, doch winkt hier mit Abstand die höchste Geldprämie des Rennens; und, einen passenden Wagen vorausgesetzt, um als Team teilzunehmen, der meiste Prestigegewinn.
Die Rennmodi sind dabei sehr abwechslungsreich. Die Spannweite reicht von Tourenwagen, über Drift-Events, zu Stockcarrennen und hört bei Formel 3-Rennen noch immer nicht auf. Hier dürfte so gut wie jeder, der den vierrädrigen Motorsport mag, etwas Passendes für sich finden.
Um einen neuen Rennmodus im eigenen Team zu fahren, benötigt der Spieler jedoch ein geeignetes Auto, das er sich von seinem Preisgeld kaufen kann. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie man dies bewerkstelligen kann. Entweder er kauft sich einen Neuwagen oder, für etwas weniger Geld, einen Gebrauchten.
Diesen gibt es im Spiel bei eBay Motors. Dort gekaufte Rennautos sind aber entweder kaum günstiger als ein neuer oder haben schon einige Karambolagen hinter sich, und machen dementsprechend keine gute Figur mehr. Ein nicht mehr benötigtes Auto kann ebenfalls bei eBay Motors verkauft werden.
Das Fahren mit der buchstäblichen Brechstange hilft bei GRID nicht weiter. Die Autos besitzen nämlich ein sehr umfassendes Schadensmodell, das sich auf wirklich so gut wie alle Parameter des Wagens, wie Lenkverhalten, Beschleunigung, Höchstgeschwindigkeit usw. auswirkt.
An dieser Stelle wird eine weitere Möglichkeit der Spielgestaltung interessant: Der Schwierigkeitsgrad. Je nach Einstellung stehen dem Spieler bestimmte Fahrhilfen, beispielsweise Lenk- oder Bremshilfe, zur Verfügung. Das Talent der KI-Fahrer wird in höheren Schwierigkeitsgraden immer besser.
Im so genannten Profimodus sind alle Fahrhilfen komplett deaktiviert und die Kameraeinstellung ist fest im Cockpit des Wagens positioniert.
Des Weiteren kann der Spieler von einer Rückblende Gebrauch machen, wenn ein Manöver nicht wie geplant verläuft, oder gar das Auto nach einem Unfall einem Totalschaden gleichkommt. Abhängig vom Schwierigkeitsgrad, stehen unterschiedlich viele Rückblenden zur Verfügung. Im Anfängermodus sind es fünf, im Profimodus hingegen gar keiner.
Die Äußerlichkeiten geben kaum Grund zur Kritik. Die Grafik wird von derselben Grafik-Engine wie Colin McRae: Dirt generiert und zaubert einige der schönsten Rennspielbilder auf den Bildschirm, die es aktuell zu bestaunen gibt. Die Vertonung ist ebenfalls mehr als gelungen. Die Autos wirken allesamt realistisch und variieren in ihrem Klang ans Schadensmodell gekoppelt. Die Atmosphäre gibt ihr Übriges dazu: Am Straßenrand stehen Zuschauer, die den Autos zujubeln oder bei einem Unfall in Deckung gehen und mitfiebern.
Ein Autorennspiel für alle: Für Freunde der Simulation genauso wie für Gelegenheitsspieler, die nur mal kurz Spaß haben wollen. Dies ist, was Race Driver: GRID verspricht und über weite Strecken hält. Nur die 24-Stunden-Rennen nach jeder viel zu kurzen Saison haben manchmal einen faden Beigeschmack. Dennoch glänzt das Spiel durch seine Vielfalt und sollte daher von keinem Rennsportfreund unbeachtet bleiben.
Pro und Kontra
+ Wunderschöne Grafik samt Atmosphäre
+ Sehr gutes Schadensmodell
+ Viele real existierende Strecken
+ Sehr variabler Schwierigkeitsgrad
+ Viele Rennwagen in den unterschiedlichsten Rennarten zur Auswahl
+ Rückspulfunktion
- zu kurze Saisons mit anschließendem 24-Stunden-Rennen
Einzelwertungen
Spielspaß: 90 Prozent
Grafik: 92 Prozent
Akustik: 93 Prozent
Bedienung: 90 Prozent
Mehrspieler: 89 Prozent
Gesamt: 91 von 100 Prozent.