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Officers

Bereitmachen zum Sturmangriff

Veröffentlicht am Sonntag, 19. Oktober 2008 von Patrick Wieth

Ein Strategiespiel über den zweiten Weltkrieg? Landung in der Normandie? Vorrücken bis an den Rhein? - Das ist ja noch innovativer als ein Ego-Shooter in radioaktiv verseuchtem Gebiet. Trotzdem veröffentlicht Peter Games ein The Officers mit dem Anspruch etwas Neuwertiges zu schaffen.

Masse statt Klasse

Gelungen ist dies sicherlich im Umfang. Selbst wenn man Operation Overlord schon zigmal gespielt hat, gibt es hier wirklich riesige Maps und sehr viele Einheiten; ein Indiz für die gesuchte Nähe zur Realität. Mit Warcraft III hatte sich ein Rollenspiel-Anteil in das Echtzeit-Genre eingeschlichen, darauf verzichtet Officers aber komplett. Es gibt keine Helden. Es gibt auch keine Hauptrollen.

Screenshot aus The Officers

Hier werden schlicht und einfach Massen verheizt. Der Spieler schickt zig Infanterie Squads los, die Raketenwerfer, MG-Schützen und schwere Infanterie enthalten oder unterstützt mit Ingenieursquads die heranrollende Blechlawine. Kein bekannter Einheitsbrei, wie einen Sherman und einen Churchill MK II, sondern auch Varianten wie den Sherman Firefly oder den besser gepanzerten Sherman M4A2 lassen sich finden. Taktisch hebt sich Officers außerdem von dem typischen Strategiespiel ab. Denn hier herrscht kein Stein-Schere-Papier-System vor sondern vielmehr eine Art Stellungskrieg.

Das passt nicht so ganz zum zweiten Weltkrieg, da doch ein gewisser Herr Guderian die Kriegsführung vom Stellungskrieg weggeführt hat und sehr viel Dynamik hereinbrachte. Trotzdem ist es sehr ökonomisch erstmal mit der Artillerie aufzuräumen und dann die Haupttruppen loszuschicken.

Besser als eine Reality Soap

Der Bau von Basen oder Einheiten fällt komplett weg. Erneut unterstreicht dies den Realismus im Spiel. Truppen werden als Verstärkung hereinbeordert, springen mit Fallschirmen über dem Zielgebiet ab, leerstehende Fahrzeuge werden auf die Schnelle eingenommen.

Überraschend positiv fällt zudem die Reichweite auf. Ein Panzer kann tatsächlich weiter als 3 Rohrlängen feuern. Eigentlich die logischste Sache der Welt, aber hier hatten sich die Prinzipeien von Dune II oder Command and Conquer über Jahre hinweg durchgesetzt. Wenn dort mal ein Panzer zwei Gebäudelängen weit schießen kann, ist das die Ausnahme.

Screenshot aus The Officers

Realismus wird in Officers absolut groß geschrieben. Nicht zuletzt, weil verschanzte Infanterie sogar einen etwas längeren Feuersturm überlebt, sondern weil Bombergeschwader von feindlicher Luftabwehr sogar sehr schnell gestoppt werden.

A pro pos Bomber: Diese werden ebenfalls wie die Fallschirmspinger hereinbeordert und werfen  hre Bomben über dem Zielgebiet ab. Damit stellen sie neben dem Artilleriefeuer, das von außerhalb der Karte ein Gebiet dem Erdboden gleich macht, die beiden Massenvernichtungswaffen des Spiels dar. Natürlich ist der Einsatz dieser Spezialwaffen und Verstärkungen beschränkt, wodurch die ökonomische Planung des Spiels größtenteils eingezäunt wird. Weitere Aspekte in der Hinsicht sind die Ressourcen, Nahrung und Treibstoff, die man an die Stützpunkte liefern muss, falls sie mal knapp werden.

Gut gedacht, weniger gut gemacht

Realismus, einige innovative Konzepte, riesige Karten mit Massenschlachten, das klingt nach einem umwerfenden Spiel. Doch leider spielt sich Officers ziemlich zäh und die KI macht es nicht gerade spannend. Mit überraschenden Angriffen ist von Seiten des Computergegners kaum zu rechnen. Der Spieler selbst muss sich nicht mal Überraschungsangriffe ausdenken, da es am effizientesten ist, langsam von Punkt zu Punkt vorzurücken, sofern man Artillerie wie den bekannten M7 Priest oder diverse Haubitzen sein Eigen nennt. Diese Tatsache und der Spielablauf, der alles andere als fetzig ist, rauben dem Spiel sehr viel Potential. Die Spielziele bieten ebenso nur wenig Variation. Erobern sie alle Stützpunkte steht einfach immer auf der Tagesordnung.

Screenshot aus The Officers

Kein Grafikwunder, aber solide

Optisch und Akustisch ist Officers keineswegs schlecht. Die Grafik erfüllt ihren Zweck, auch wenn beim Rausscrollen alles zu einer homogenen Masse verschwimmt. Die Explosionen kommen eindrucksvoll an und Flugzeuge knattern und brummen am Himmel vorüber. An Details wird eher gespart, so dass die Grafik nicht der Hingucker ist, aber immerhin kann man einen Tiger von einem Sherman unterscheiden.

Screenshot aus The Officers

Einfach online kämpfen?

Bleibt noch ein recht magerer Multiplayermodus, bei dem viele Einstellungen gar kein Sinn ergeben. So kann ein Spiel bereits vorbei sein, wenn noch keine richtige Schlacht stattgefunden hat. Ein gelungenes Multiplayerspiel wird Officers auch in der finalen Version nicht werden, da es zu langatmig ist. Trotzdem bietet Officers den Massenschlacht-Strategen ein Spiel mit viel Realismus im Setting des 2. Weltkriegs. Ob das Spiel für die Massen tauglich ist, wird die endgültige Version zeigen müssen.

Fazit

Screenshot aus The Officers

Wer auf Schlachten mit vielen Einheiten auf riesigen Feldern steht, sollte sich Officers direkt bestellen. Denn in diesen Bereichen ist es kaum zu schlagen. Für ein richtig gutes Spiel fehlt hier aber einfach zu viel. Strategen und Taktiker werden nicht außerordentlich gefordert, was ein bisschen Schade ist, da die meisten das Zweiter Weltkrieg-Szenario sicher schon mehr als einmal durchgespielt haben. Eine Alternative bietet sicher Company of Heroes, das viele Problemchen nicht für sich verbuchen muss. Doch das ist in diesem Fazit nicht das Thema. The Officers bleibt trotzdem ein kurzweiliges Spiel, das sich gemütlich durchspielen lässt, aber es wird kaum ein Knaller werden.