Veröffentlicht am Mittwoch, 22. Oktober 2008 von Qiong Wu
Tunguska geht in die zweite Runde. Man hat einem sehr erfolgreichen Adventure einen Nachfolger verpasst. Protagonisten sind Nina und Max. Waren die Fußstapfen vielleicht zu groß? Oder müssen die Schuhe dieses Mal eine Nummer größer ausfallen?
Geheimakte 2 "Puritas Cordis" ist dank dem Prädikat auf der Packung "offizieller Nachfolger von Geheimakte Tunguska, Adventure des Jahres 2006" einen Blick wert, wenn es auch prinzipiell nicht genau meinen Geschmack trifft.
Die Handlung von Geheimakte 2 knüpft an diejenige von Geheimakte 1 an. Charaktere wie die attraktive Nina und ihr Exfreund Max tauchen natürlich wieder auf und sind ebenfalls beide im Spiel steuerbar. Puritas Cordis verspricht spannenden und düsteren Adventurespaß mit einem gesunden Mix aus Mystery, Krimi und James Bond, kurz gesagt also einer guten Story.
Bereits im Trailer zu Anfang des Spieles tauchen einige Ungereimtheiten in der Geschichte auf, nämlich als zwei Attentäter im Splinter Cell-Kostüm einen alten Mönch überfallen. Die Frage danach, wofür zwei Profikiller denn jetzt genau ihre Nachtsichtbrillen mit Wärmeerkennung und ihre High-Tech Anzüge benötigen, um einen alten Mann umzubringen, bleibt unbeantwortet. Der Spannungs- und Mysteryfaktor wird dadurch allerdings nur unmerklich gehoben.
Wie dem auch sei, die beiden töten den alten Mönch und begeben sich gleich auf ihre nächste brisante Mission, ein weiterer alter Mann darf dran glauben. Verständlicherweise fragt sich der Spieler, wozu das Ganze überhaupt? - Die Antwort liegt auf der Hand: Sie wollen ein dunkles und mystisches Geheimnis besitzen, das die beiden armen Opfer gelüftet haben.
Nach der Überblende findet sich der Spieler bei Nina wieder, die ganz unabhängig von diesen Ereignissen ihre Vorbereitungen trifft, an Bord eines Schiffes, für ganz profanen Urlaub in See zu stechen. Hier noch einmal ein kleines Detail aus dem Spiel: Nina wird vor Reiseantritt am Hafen von einem alten Mann angesprochen, der Mysteriöses brabbelt und natürlich der erste Verwicklungspunkt von Nina in die Geschichte ist (, mysteriös brabbelnde alte Männer, was könnten sie anderes tun). Witzigerweise wird dieser nach Erfüllung seiner Aufgabe sogleich von einem Gabelstapler (!) überfahren, ein Chaos entsteht und unsere heroische Heldin entschließt sich, schlicht ihr Schiff zu betreten. Die Szene erinnert stark an die bekannte Szene aus Austin Powers in der ein fieser Handlanger von einer rasenden Dampfwalze überfahren wird.
Bevor ich mich allerdings dazu hinreißen lasse, noch andere logische Fehler im Spiel aufzudecken, erwähne ich kurz den großen Übeltäter im Spiel: die Sekte Puritas Cordis - sie beschwören nichts weniger als den Weltuntergang herauf und scheinen dies wohl auch zu schaffen, wenn unsere Protagonisten nicht eingreifen. Kurz gesagt: Böse, böse, böse, der Weltuntergang naht, Nina und Max gegen die halbe Welt.
Was Rätsel angeht, so sticht Geheimakte 2 nicht besonders aus dem Wust anderer Adventurespiele hervor. Das Spiel besitzt wie viele in letzter Zeit erschienene Spiele des Genres eine Hot Spot-Hilfe. Ein Feature, das wohl mehr Leute zum Spielen von Adventures bewegen soll, die nicht gerne stundenlang mit dem Cursor nach selbigen Hot Spots suchen. Ansonsten sind die Rätsel weder zu einfach, noch zu schwer, sondern für jedermann eine ganz annehmliche Sache.
Für ein Spiel, welches den Anspruch hat ein seriöses Mystery- und Krimispiel zu sein, hat Geheimakte 2 an manchen Stellen allerdings einige Haken und Ösen. So scheint es zum Beispiel normal zu sein, dass Nina ein riesiges Paddel an der Wand nur berühren muss, damit es in ihren Hosentaschen landet. Ein riesiges Wandgemälde braucht ebenfalls nur mit dem Finger angetippt zu werden, um es mitzunehmen.
Außerdem reiht sich Geheimakte 2 in die lange Liste der Spiele ein, in denen man nur magische Türklinken berühren muss, damit das Licht ausgeht und man in einem ganz anderen Raum landet. Ein erstaunlicher Effekt. In einem Adventure wie Monkey Island oder Sam and Max könnte man vielleicht noch über so etwas lachen, bei Geheimakte 2 habe ich zwar darüber gelacht, die große Krimi- und Mysterystimmung wird durch solche Fauxpas allerdings stellenweise arg getrübt.
Grafisch und musikalisch ist Geheimakte 2 allerdings ein ganz solides Spiel, nur eben nicht viel mehr. Es scheint, als wäre in einer Welt von DirectX 10 und 3.0-Shadern die Zeit im Adventuregenre stehen geblieben. Zwischen Geheimakte 2 und dem uralten Klassiker The Longest Journey ist fast kein Unterschied zu erkennen. Für Adventurefans natürlich kein allzu großes Hindernis, aber nichtsdestotrotz eine kleine Enttäuschung.
Insgesamt ist Geheimakte 2 nichts wirklich Besonderes. Die Story ist weder besonders gut noch besonders schlecht, passt aber zumindest halbwegs in das Mystery-Genre. Das wesentlichste Manko von Geheimakte 2 ist in der Hauptsache die teilweise extrem unlogische Spielphysik.
Technisch macht Geheimakte 2 nichts falsch, angesichts der Fortschritte der kommenden und sogar bereits erschienenen Adventures werden die Entwickler nicht mehr lange auf ihre 0815-Adventure-Grafikengine mit eckigen Modellen und praktisch nicht vorhandenen Spezialeffekten bauen können.
Pro und Kontra
+ solides Adventure
- unlogische Details
- nicht mehr ganz zeitgemäße Graphik
Einzelwertungen
Spielspaß: 80 Prozent
Grafik: 70 Prozent
Akustik: 89 Prozent
Bedienung: 90 Prozent
Mehrspieler: nicht vorhanden
Gesamt: 80 von 100 Prozent.