Veröffentlicht am Montag, 25. Februar 2008 von Redaktion
Lange wurde heftig diskutiert, wie es mit der "Games Convention" (GC) weitergeht. Heute nun wurde endlich Licht ins Dunkle gebracht. Soviel vorweg: Die GC wird umziehen, und zwar nach Köln, und hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt.
Aus Berlin berichtet Stefan Keller, aus Frankfurt am Main Frederic Schneider
Als Ambiente hat der "Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware" (BIU) das altehrwürdige Hotel Adlon in Berlin ausgewählt, mit präsidialem Blick auf das geschichtsträchtige Brandenburger Tor. Auch heute sollte wieder Geschichte geschrieben werden. Rund 20 Medienvertreter versammelten sich im Palais-Saal, bei hereinscheinender Sonne und Früchten am Spieß. Es passte ganz zu der neuen, seriösen Art der deutschen Spielebranche. Spätestens heute ist auch sie ganz oben angelangt. Für das große Ganze.
Reichlich Lob für die Dom-Stadt Köln
Dies war auch ein Grund, die Messe nach Köln zu holen. Leipzig ist lediglich ein regionales Projekt, betonte BIU-Geschäftsführer Olaf Wolters. Bereits letztes Jahr sei die "Games Convention" an ihre Grenzen angelangt, die erwünschten 200.000 Besucher seien nicht erreicht worden, stattdessen stand lediglich ein leichter Anstieg um einen Prozent zu 2006 auf der Haben-Seite.
Es sprach so vieles für die Dom-Stadt, im Herzen des Ruhr-Gebietes, wenn man Wolters am Vormittag im Hotel Adlon Kempinski zuhörte. Der extra angereiste Kollege der Koelnmesse, Oliver P. Kuhrt, fühlte sich sichtlich geehrt. Wolters sprach von einer "internationalen Wachstumsperspektive", die notwendig sei, um eine europäische Leitmesse zu etablieren.
Bessere Infrastruktur als Argument
Wichtige Parameter für das Verwirklichen der langfristig gesetzten Ziele seien kurze Flugzeiten für Besucher aus dem Ausland, sowie ausreichend Hotelkapazitäten und eine gute und funktionierende Infrastruktur. Dies ist nach Ansicht des BIU in Leipzig nicht vorhanden, Köln kann hingegen mit dem Flughafen Köln-Bonn sowie einer hervorragenden ICE-Anbindung punkten. Zudem dauert die Zugfahrt vom Frankfurter Flughafen, Europas Drehkreuz, nach Köln lediglich eine Stunde.
Die Koelnmesse hat sich von allen am besten präsentiert, erklärte der BIU, und die genannten äußeren Parameter passen zum Gesamtkonzept. Kuhrt hebte die Nähe zu seiner Stadt hervor, die nur durch den Rhein, "über den bekanntlich viele Brücken führen", vom Messegelände getrennt ist. Für den Standort spreche außerdem, dass im November diesen Jahres erstmals die Weltmeisterschaften des eSports, die "World Cyber Games", in Köln ausgetragen werden.
Von der angekündigten Medienpräsenz in Köln war jedoch auf der Pressekonferenz nichts zu spüren. Sowohl RTL als auch der WDR, die als Köln-Argument herhielten, blieben der Pressekonferenz fern. Mehr Herzblut zeigte der Mitteldeutsche-Rundfunk, dessen Regionalprogramm "Sachsen" live in das Hotel Adlon schaltete.
Kritik am "ruinösen Wettbewerb"
Allgemein zeigte sich, dass der BIU nun in viel größeren Dimensionen denkt, Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) geht da glatt unter. Der zeigte sich sichtlich enttäuscht von der Entscheidung. Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk (ebenfalls SPD) kritisierte, "dass öffentlich getragene Messegesellschaften in einen ruinösen Wettbewerb treten und sich Messen gegenseitig streitig machen".
Wie es in Leipzig weitergeht, steht in den Sternen. Ein für heute Mittag angesetztes Pressegespräch blieb weitestgehend ergebnislos, man "bedaure" lediglich die Entscheidung des BIU und wolle erst einmal abwarten. Dass die Leipziger Messe die Rechte an der Marke "Games Convention" verkaufen werde, wird jedoch in absehbarer Zeit nicht erwartet. Deshalb entschieden sich BIU und Koelnmesse dazu, die neue Spielemesse schlicht "GAMESCom" (lustigerweise ebenfalls "GC" abgekürzt) zu nennen. Als Marke ist dieser Titel bereits seit einigen Jahren im Besitz der Koelnmesse. In Leipzig bestehen indessen die naiven Hoffnungen, der Branchenverband würde die Entscheidung irgendwann bereuen und bettelnd zurückkehren. Dafür spricht allenfalls, dass sich der BIU nicht zeitlich an Köln binden wollte.
Nähe zum Weihnachtsgeschäft
Wahrscheinlich ist jetzt, dass sich Köln und Leipzig gegenseitig Konkurrenz machen. Während die "Games Convention" wie gewohnt für Ende August terminiert wird, soll die "GAMESCom" im September steigen. Grund hierfür ist die durch die Sommerferien bedingte Urlaubszeit im August, was Fachbesucher, vor allem aus Südeuropa, vom Kommen abhält. Ein weiterer Faktor ist die nunmehr deutlichere Nähe zum Weihnachtsgeschäft.
Derweil steht noch offen, was mit den Parallel-Veranstaltungen passiert, die die "Games Convention" attraktiver machen. Die "GC Developer Conference" (GCDC) soll nach dem Willen Leipzigs auch über 2008 hinaus exklusiv in Sachsen veranstaltet werden. BIU und Koelnmesse erklärten jedoch, ähnliches sei auch für das Konzept der "GAMESCom" geplant.
Ob eine "GAMESCom Family" als Ädequat zur "GC Family" aufgebaut wird, ist unklar. Da jedoch im Rahmen der auch schon in Leipzig stattfindenden Weiterentwicklungen des Messekonzeptes die Familienspiele ohnehin in den Mittelpunkt der Veranstaltungen rutschen, könnte eine gesonderte Marke überflüssig werden.
Große Ziele hat man sich gesetzt; die Leitmesse der Spielebranche in Europa möchte man werden. Ob die GAMESCom ab 2009 tatsächlich an die Erfolge der "Games Convention" anknüpfen kann, wird sie zeigen müssen. Gespannt sind wir auf jeden Fall, ob auch die hoch gesteckten Ziele langfristig erreicht werden können.
Fotos: Stefan Keller, Koelnmesse (Artikelbild)