Veröffentlicht am Mittwoch, 19. März 2008 von Marco Gödde
Dies wäre jetzt der richtige Moment, um ein Vorurteil über Schweizer zu vertiefen. Man sagt ihnen nach, im Handeln, wie im Denken etwas träge, um nicht zu sagen langsam, zu sein. Somit scheint Lea Nichols trotz des englisch klingenden Namens aus der Schweiz zu stammen. Sie schleicht mit einer Geschwindigkeit durch die Gänge, dass Sie vermuten, sie wäre beim Gehen eingeschlafen. Ebenso stellt sie beim Ausführen von Aktionen Ihre Geduld auf eine harte Probe. Und wenn Sie Lea mehrmals durch das halbe Schiff scheuchen müssen, um zum Beispiel die passende Sicherung zu finden, werden Sie sich dabei ertappen, wie ein „Beweg Dich!“ über Ihre Lippen gleitet. Zur Eile lässt sie sich leider nicht antreiben. Selbst zwischen einzelnen Sätzen können sich die verstrichenen Sekunden zur zweistelligen Ewigkeit dehnen. Die kleinteilige Steuerung ist dem ganzen auch nicht gerade zuträglich.
Ebenfalls Geduld erfordern die zahlreichen Texte, die es zu lesen gilt. Zwar wird das Geschehen immer wieder durch gut gemachte Zwischensequenzen, die als Erinnerungsfetzen in Leas Gedächtnis durchsickern, unterbrochen, doch ein großer Teil der Hintergrundgeschichte muss in den zahllosen persönlichen Dateien und Emails der Crew erlesen werden.
Zumindest stimmt die Atmosphäre. Die bedrückende Stimmung auf dem verrottenden Schiff wird durch gute und scharfe Texturen, detaillierte und abwechslungsreiche Räumlichkeiten nahe zu perfekt transportiert. Sowohl Leas Stimme – hier kommt die deutsche Stimme von Evangeline Lilly, der Kate aus der TV-Serie Lost, zum Einsatz, als auch die sehr gute Musik tragen einen Großteil zur Atmosphäre bei.