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European Innovative Games Award

Umwälzungen erfahren Aufmerksamkeit

Veröffentlicht am Donnerstag, 17. Juli 2008 von Redaktion 

Anfang November vergibt das Land Hessen gemeinsam mit der Spielebranche erstmals den "European Innovative Games Award", kurz EIGA. Das Ziel: Eine Stärkung des Marktes in Europa. Der hessische Wirtschaftsminister, Dr. Alois Rhiel, spricht im GamePorts-Gespräch über die Idee zum EIGA, dass kleinere Entwicklerstudios trotz großer Bühne gute Chancen haben - und was er selber spielt.

GamePorts: Herr Staatsminister Rhiel, als Gastgeber des ersten "European Innovative Games Award" (EIGA) beschreiten Sie als hessischer Politiker weitestgehend Neuland. Was verbindet Sie gerade als Wirtschafts- und Transportminister mit der Spielebranche? Spüren Sie Einflüsse bei Ihrer täglichen Arbeit?

Alois Rhiel: Die Computer- und Videospiele-Branche bringt nicht nur kreative, sondern auch technologische und wirtschaftliche Potentiale mit sich. Um die wirtschaftlichen Potentiale einmal fassbar zu machen: Nach Angaben des Bundesverbands BITKOM spielt jeder dritte Deutsche Computer- und Videospiele. Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es sogar fast zwei Drittel der Deutschen, die ihre Freizeit mit Video- und Computerspielen verbringen.

Ein Paradigmenwechsel beim Freizeitverhalten weg von anderen Freizeitbeschäftigungen wie Filme schauen hin zu Computerspielen ist festzustellen. Dies untermauert die Tatsache, dass der Markt für Video- und Computerspiele von den Umsatzzahlen her bereits die Filmwirtschaft erreicht – wenn nicht sogar überholt – hat. In Bezug auf die Technologie ist es ein offenes Geheimnis, dass Computerspiele Innovationen und bspw. immer leistungsfähigere Hardware vorantreiben. Der gesamte IT-Bereich profitiert hiervon.

Die Aufgabe meines Hauses ist es, solche Entwicklungen zu unterstützen und zu fördern. Im Rahmen der Aktionslinie Hessen-IT stehen wir mit der Branche im ständigen Dialog und können so die nötigen Rahmenbedingungen für weiteres Wachstum angehen. Eine Maßnahme ist z. B. der European Innovative Games Award.

Der EIGA ist neu und der Spielemarkt heiß umworben. Der Award wird sich erst noch etablieren müssen. Wie schätzen Sie vor diesem Hintergrund die Reputation Ihres Awards ein?

Wir führen mit dem EIGA erstmalig einen Wettbewerb zur Prämierung besonders innovativer Spiele zusammen mit der Europäischen Kommission auf europäischer Ebene durch. D. h. wir betreten mit dem EIGA Neuland, das ist richtig.

Für uns ist jedoch wichtig, mit dem Preis den Mut zur Entwicklung innovativer Spiele nicht nur mit einem Preisgeld von 35.000 Euro zu belohnen, wir wollen auch gleichzeitig die internationale Vernetzung und Stärkung des Games-Sektors in Europa weiter vorantreiben. Für die Durchführung des Awards haben wir geeignete und starke Partner gewonnen. Ich will an dieser Stelle beispielsweise die großen deutschen und europäischen Branchenverbände nennen, die in der Jury vertreten sind. Mit deren Unterstützung hoffe ich, dass wir mit dem Erfolg des Preises in diesem Jahr ein Zeichen setzen können.

Besonders wichtig dabei ist uns, dass wir einen europäischen Preis ausloben, denn unsere Firmen müssen sich der Konkurrenz in dieser globalen virtuellen Welt weltweit stellen.

"Von Nischenproduktionen bis Top-Seller" heißt es auf der Award-Website. Glauben Sie, dass Innovationen auf dem Spielemarkt eher von Nischenproduktionen kommen, oder von den Branchenführern wie Electronic Arts?

Viele Innovationen gehen von kleinen Entwicklern aus, die ihrer Kreativität und ihrem Erfinderreichtum, wenn ich dies einmal so ausdrücken darf, freien Raum lassen können. Die beste Idee ist jedoch nicht viel Wert, wenn sie nicht die Chance erhält, auf den Markt zu kommen.

D. h. eine gute Idee oder ein Konzept muss finanziert werden. Und hier kommen in erster Linie Publisher wie Electronic Arts, Atari oder andere ins Spiel, die eine solche Innovation umsetzen und auf den Markt bringen. Natürlich können aber auch Innovationen von den Publishern selbst ausgehen. Daher wenden wir uns mit dem EIGA sowohl an die Kleinen als auch an die Großen.

Ihre Landesregierung bemüht sich seit längerem um die Förderung von Spieleentwicklern in Hessen, bislang mit mäßigem Erfolg: Erst Anfang des Jahres ist der Versuch gescheitert, die prestigereiche "Games Convention" an den Main zu holen. Welchen Stellenwert ist deshalb dem EIGA beizumessen?

Zunächst würde ich nicht sagen, dass unsere Bemühungen zur Förderung der Spielebranche nur von mäßigem Erfolg gekrönt sind. Wir haben im letzten Jahr im Rahmen der Aktionslinie Hessen-IT mit der erfolgreichen Durchführung des ersten bundesweiten Serious-Games-Awards auf ein sehr interessantes Branchensegment aufmerksam gemacht und Computerspiele mit zusätzlichem Nutzen wie beispielsweise Lerninhalten, Marketingideen oder Gesundheitseffekten ausgezeichnet.

In diesem Jahr gehen wir mit der europaweiten Ausschreibung des EIGA einen Schritt weiter. Darüber hinaus haben wir einen Leitfaden "Die Gamesbranche - Ein ernstzunehmender Wachstumsmarkt" herausgebracht, der Brancheneinsteigern bzw. Branchenfremden ein neutrales und umfassendes Bild vermittelt und wichtige Informationen liefert. Die hohe Nachfrage nach dieser Lektüre zeigt mir, dass es in diesem Bereich noch ein großes Informationsbedürfnis gibt und wir mit unseren Aktivitäten auf dem richtigen Weg sind.

Die von Ihnen angesprochene "Games Convention" ist nicht an den Main gekommen. Frankfurt war zwar in der Endauswahl, eine Mehrheit der Mitgliedsfirmen des Bundesverband BIU hat sich aber für Köln entschieden. Das bedauere ich, sehe aber auch gleichzeitig, dass sich in Hessen und vor allem in der Region Frankfurt Rhein-Main ein starkes Cluster und ein Netzwerk von Firmen aus der Games-Branche entwickelt hat.

Die Dichte an Entwicklern und Publishern, die ihren Standort im Rhein-Main-Gebiet haben, ist deutschlandweit einmalig. Die Netzwerkbildung und die Aktivitäten in diesem Zusammenhang wie beispielsweise gemeinsame Veranstaltungen unterstützen wir im Rahmen von Hessen-IT nachhaltig. Ich konnte mich persönlich in Gesprächen mit Branchenvertretern über die Belange der Branche unterhalten und ich bin davon überzeugt, dass unsere Bemühungen bei der Branche ankommen.

Sind Sie der Meinung, dass man mit der dotierten Auszeichnung von gewaltfreien Spielen vielleicht Akzente setzen kann, um die Spiele-Entwicklung in eine andere Richtung zu lenken, weg von gewaltverherrlichenden Spielen?

Die bei unserem Serious-Games-Award im letzten Jahr ausgezeichneten Spiele sind ja ein Zeichen dafür, welche Bandbreite die Branche hat und welche Effekte man mit Spielen erzielen kann, abseits von gewaltverherrlichenden Spielen. Wir setzen dabei auch auf eine gute Berichterstattung.

Die Mehrzahl der von der USK geprüften Spiele ist für Kinder oder Jugendliche freigegeben. Wir müssen uns der Verantwortung bewusst sein, was den Umgang generell mit neuen Medien betrifft und uns aktiv damit befassen. Wir, d. h die Politik zusammen mit der USK, mit Herstellern und dem Handel, aber auch Erziehungsberechtigte müssen dafür Sorge tragen, dass z. B. Spiele nur von der Altersgruppe gespielt werden, für die sie bestimmt sind und illegale Inhalte überhaupt nicht verbreitet werden.

Wie hat sich die Zusammenarbeit mit dem BIU ergeben, in dem immerhin alle großen und namhaften Publisher organisiert sind? Glauben Sie, dass dadurch Konflikte bei der Auswahl der zu prämierenden Titel entstehen könnten?

Mit dem BIU gibt es eine langfristige und sehr gute Zusammenarbeit und Herr Wolters (BIU-Geschäftsführer, d. Red.) war auch beim Award im letzten Jahr in der Jury. Ich habe keine Bedenken, dass dies in irgendeiner Form Einfluss auf die zu prämierenden Titel haben könnte. Die Preisträger werden in einem transparenten Bewertungsverfahren durch die Jury ermittelt.

Abschließend: Spielen auch Sie gerne einmal am Computer oder der Konsole? Oder ist Ihr Interesse an Computerspielen ein rein berufliches?

Ich habe lediglich ein "BlackBerry"-Handy. Da ist zwar das Geschicklichkeitsspiel Brick-Breaker vorinstalliert. Aber ich komme beim besten Willen nicht zum Spielen.

Die Fragen stellten Frederic Schneider, Alexander Trust und Qiong Wu