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European Innovative Games Award

European Innovative Games Award

Veröffentlicht am Mittwoch, 12. November 2008 von Qiong Wu

Vergangene Woche hat im beschaulichen Darmstadt, genauer im brandneu gebauten Darmstadtium, die iTEC08 stattgefunden. Auf der klassisch nach Informationstechnik und Breitband ausgerichteten Konferenz gab es diesmal einen besonderen Schwerpunkt: Games und Computerspiele.

Im Katalog als Top Thema angekündigt, veranstalteten Vertreter der Spielebranche am frühen Nachmittag zwischen IT-Vorträgen und Bandbreitendiskussionen einen kleinen aber feinen Round Table zum Thema "40 Jahre Games-Kultur".

Anwesend waren unter anderem Vertreter aus der Industrie wie Lutz R. Anderie vom bekannten Publisher Atari und Arjan Dhupia vom Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU), sowie unabhängige Mitmischer in der großen Spielewelt, wie Andreas Lange vom Computerspiele Museum Berlin und Jan Wagner, Geschäftsführer von Cliffhanger Productions.

Diskutiert wurde unter anderem der Stellenwert von Computerspielen in unserer heutigen Welt und deren Entwicklung bis zum heutigen Stand.

So verzeichnen Computerspiele bereits einen größeren Umsatz als die prominente Musik- und Filmkonkurrenz der Unterhaltungsbranche und spielen mittlerweile eine bedeutende Rolle im großen Geschäft mit dem Entertainment.

Spielt Geld eine Rolle, ist das ein Grund für die Politik die Initiative zu ergreifen. Denn seitdem Computerspiele die großen Player im Business geworden sind, ist die Zahl der Politiker, die gegen angebliche Killer- und Gewaltspiele hetzen, immer kleiner geworden. An deren Stelle treten nun Politiker, die sich für eine Förderung von Computerspielen aussprechen.

Gefördert werden muss laut den Vertretern der Branche ebenfalls die Archivierung und Konservierung von Computerspielen. Eine Angelegenheit, die bei Film und Musik jeder für selbstverständlich hält, die aber bei Computerspielen oft stiefmütterlich behandelt wird. Die Industrie sieht sich selbst nicht für die Erhaltung digitalen Kulturguts zuständig und verweist an staatliche Institutionen, welche wiederum nicht die nötigen Mittel oder Kompetenzen für diese Arbeit besitzen.

Emulation hilft bei Archivierung von Automaten

Abgesehen davon gestaltet sich das Unterfangen jeden schrankgroßen Automaten aus der Zeit der Spielautomatenhallen zu archivieren ebenfalls als schwierig. Das Schlüsselwort hier: Emulation.

Was manch einer zuhause lizenzrechtlich nicht ganz einwandfrei tut, ist für die Bewahrer der Videospielkultur essentiell. Über Emulation von Hardwareumgebungen können riesige Spielautomaten in einen handlichen Laptop gepackt und gespielt werden. Das Spielgefühl geht zwar verloren, doch zumindest das Spiel ist noch vorhanden.

Wünschenswerter wäre es natürlich, von alten Klassikern noch Quellcodes zu besitzen um diese zu migrieren oder zu modifizieren. Allerdings gehen diese nach Firmenübernahmen und Insolvenzen oft in irgendwelchen Archiven verloren, sodass ein Wiederauffinden unwahrscheinlich bis unmöglich wird.

Eine Konsequenz aus der Tatsache, dass die meisten Spielepublisher bis heute Spiele hauptsächlich als Verkaufsprodukt denn als Kulturprodukt betrachten.

Die Experten erhoffen sich allerdings in den nächsten Jahren eine Trendwende hin zur kulturellen und innovativen Entwicklung von Spielen, weil diese Entwicklung beim Film ebenfalls erst verspätet einsetzte.

Dotierte Preisverleihung

Um Innovation ging es am Abend bei einer Preisverleihung. Denn als besonderes Schmankerl vergab das Land Hessen mit insgesamt 35.000 Euro dotierte Preise für innovative Spiele aus der Europäischen Union.

Im Rahmen eines Gala-Dinners mit vielen geladenen, prominenten Gästen aus der Spielebranche wurden diese Preise an insgesamt drei Gewinner verliehen.

Unter anderem besuchten Professoren der TU Darmstadt und der Hochschule Darmstadt die Veranstaltung, darunter der Fachbereich Media Kommunikation der TU und der Fachbereich Media der Hochschule.

David gegen Goliath?

Kritisch für einige Besucher der Verleihung: die Tatsache, dass Spiele mit geringem Budget (Blake White, The Graveyard) gegen Riesen aus der Industrie wie Crysis und WiiFit antreten mussten.

Ein objektiver Vergleich zwischen Produkten aus den verschiedensten Bereichen schien vielen Besuchern ein beinahe unmögliches Unterfangen. Viele Stimmen vermuteten bereits im Vorfeld, dass die "Große" aus der Industrie das Preisgeld abräumen würden. Damit würde dann jenen geholfen, die eh schon genug haben.

Und der Gewinner ist...

Überraschung dann allerdings bei der Verleihung, denn die mit Preisgeld dotierten Hauptgewinner stellen hauptsächlich Spiele aus den Nischen der Gamesbranche dar.

Swinxs etwa, ein Plastikspielzeug für Kinder mit eingebauter Intelligenz, konnte mit seinem modularen Softwarekonzept und einer innovativen Hardwareimplementierung den dritten Platz verbuchen und fünftausend Euro abstauben.

Auf dem zweiten Platz landete Somersault, ein Jump and Run-artiges Spiel mit bunter Grafik und fetziger Spieltechnik. Der Spieler muss dort einen Ball auf einem Brett balancieren und diesen so durch die Spielewelt befördern.

Stolzer erster Gewinner, mit zwanzigtausend Euro Preisgeld, wurde Sharkworld. Es handelt sich hier um eine Wirtschaftssimulation, in der der Spieler als Manager eines Aquariumparks für Haie einsteigt. Das Besondere daran: Das Spiel läuft in Echtzeit und bezieht den Spieler in die virtuelle Welt ein, sendet diesem Nachrichten oder ruft diesen auf dem Handy an.

In den Einzelkategorien gewannen weiterhin die Spiele Wii Fit (Hardware / Interface devices), Somersault (Game Design + Content) und Sharkworld (Software Innovation / Media use).

Insgesamt war der erste European Innovative Games Award zweifellos ein Schritt in die richtige Richtung, nämlich der Förderung von kreativen und innovativen Computerspielen. Allerdings lässt die erste Preisverleihung noch einige Fragen offen, etwa die nach der genauen Begründungen für die Entscheidungen der Jury. Die genauen Kriterien, nach welchen die Spiele bewertet wurden, sind nicht transparent gemacht worden.

Bilderquelle: hessen-it.eu