Veröffentlicht am Dienstag, 23. September 2008 von Marco Gödde
Bram Stoker trägt Schuld! Mit seinem 1897 erschienen Roman "Dracula" schuf er eine Legende, die bis heute Leser, Kinogänger und immer mal wieder Computerspieler in ihren Bann zieht. Und so kehrt der Sohn des Drachen, Vlad III. Draculea, wieder auf den PC zurück.
Im Jahre 1920 reist der junge Pater Arno Moriani im Auftrag des Vatikan nach Transsilvanien, um die mögliche Seligsprechung der verstorbenen Ärztin Martha Calugarul zu überprüfen. Bei seiner Ankunft wird er mit dem alten Aberglauben von Vampiren und deren Stammvater Graf Dracula konfrontiert.
Denn nicht umsonst liegt das Dorf, in dem die Ärztin lebte, im Schatten des alten Schlosses Vlad III., dem die verfeindeten Türken einst den Beinamen Tepes (sprich Zepesch), der Pfähler, gaben. Dadurch verändert sich der Auftrag und Pater Moriani sammelt von nun an Beweise für, beziehungsweise gegen die Existenz von Vampiren. Wobei sich im Laufe des Abenteuers die Beweise Pro Dracula verdichten.
Logischerweise tauchen Sie als Spieler in der Rolle des jungen Priesters in die Geschichte ein, die Sie in einer Myst-typischen Egoperspektive erleben. Sie schreiten durch gerenderte Einzelbilder, in denen immer wieder kleine Animationen wie vorbeiziehende Nebelschwaden oder prasselnde Kaminfeuer für die passende Stimmung sorgen.
Die Figuren, denen Sie bei Ihren Ermittlungen begegnen, sind gut animiert und die Sprachausgabe sehr gut vertont. Das führt dazu, dass man durchaus gerne den Dialogen lauscht, noch dazu, weil diese nicht so ausufernd ausfallen, wie in manch anderem Genrekollegen.
Zu lesen gibt es dennoch viel, da Sie immer wieder in Unterlagen, wie alten Zeitungen oder den Untersuchungsergebnissen eines Reporters, nach Hinweisen stöbern. Leider sind diese, im Gegensatz zu den detaillierten Figuren und den stimmungsvollen Umgebungen, äußerst lieblos gestaltet. Das gilt gleichermaßen für das umständliche Inventar, welches man getrost als hässlich bezeichnen kann.
Kurioserweise landen eingesammelte Objekte in einem Zwischenfach und müssen von dort erst auf das eigentliche Inventar verteilt werden. Zum Glück hilft ein Automatikknopf beim Umverteilen. Störender ist es da schon, dass sich der Inhalt des Inventars auf mehrere Seiten verteilt, zwischen denen zeitraubend hin und her geschaltet werden muss. Nett sind dagegen die zusätzlichen Sortierfunktionen, mit denen Sie die gesammelten Dokumente nach Fundort oder Erhalt anordnen, was mit zunehmender Spieldauer durchaus hilfreich ist. Auch wenn wir persönlich diese Funktion kaum nutzten. Genug Licht und Schatten sind also vorhanden.
Neben dem Sammeln diverser Hinweise durch das Führen von Multiplechoice-Dialogen und Lesen von Dokumenten, lösen Sie klassische Kombinationsrätsel. Dabei setzten Sie die zuvor gesammelten Gegenstände nur in der Umgebung ein.
Die Macher von Dracula 3 führen Sie geschickt entlang einer gelungenen Rätselkette durch Ihr Abenteuer. Gerade zu Beginn sind die Rätsel leicht und schnell gelöst, wodurch Sie in den ersten Minuten viel vom Spiel sehen. Immer ist klar, was Sie gerade benötigen und wo etwas zu tun ist, beziehungsweise wo Sie das Gesuchte finden.
Erst ab der Hälfte des Spiels zieht der Schwierigkeitsgrad merklich an und es ist dann nicht immer eindeutig, was man gerade von Ihnen verlangt oder welche Handlung dafür notwendig ist. So sollen Sie in einer finsteren Hölle mit Ihrem Messer im Boden herumstochern, um an ein benötigtes Teil zu gelangen. Das Sie dabei ein Pentagramm zeichnen sollen wird nicht sofort klar. Trotzdem sollten Adventure-Füchse keine Schwierigkeiten haben.
Doch auch die Anzahl an Gegenständen nimmt mit fortlaufendem Spiel merklich zu. Tragen Sie in den ersten Stunden gerade mal eine Handvoll Dinge mit sich herum, füllt sich das Inventar nach Ihrem zweiten Ausflug nach Budapest schnell mit einer kaum zu überschauenden Gegenstandsflut.
Budapest? Spielt sich die Geschichte nicht in einem Dorf ab? Schon - doch zu Auflockerung schicken Sie die Entwickler zwischendurch immer mal an andere Orte wie Budapest oder in die Türkei. Schließlich folgen Sie ja dem Pfad des Drachen und der führt halt nicht nur durch die Gassen von Vladoviste.
Der Pfad des Drachen beginnt flach, wird aber schnell steiler. Deshalb ist er Anfängern nicht uneingeschränkt zu empfehlen. Erfahrene Abenteurer können jedoch bedenkenlos zugreifen. Gerade wenn sie ein Faible für düstere und morbide Gruselgeschichten haben. Die Geschichte um den alten Grafen Dracula weiß zu fesseln und zieht Sie schnell in die dichte Atmosphäre des Spiels.
Leider fällt Dracula 3 bei einem Blick in die Menus stark ab und die Bedienung des Inventars hätte kaum umständlicher sein können. Doch trotz allem macht es Spaß den jungen Pater Arno auf seiner Reise zu begleiten.
Pro und Kontra
+ Dichte Atmosphäre
+ Spannende Geschichte
+ Stimmungsvolle Umgebungen
+ Tolle Charaktere
+ Faire und meist logische Rätsel
- Umständliches Inventar
- Hässliche Menus
Einzelwertungen
Spielspaß: 85 Prozent
Grafik: 81 Prozent
Akustik: 82 Prozent
Bedienung: 68 Prozent
Mehrspieler: nicht vorhanden
Gesamt: 81 von 100 Prozent.