Veröffentlicht am Sonntag, 7. September 2008 von Denis Etzold
Sucht man nach einer Versionsnummer, ist man mit 2.5 gut beraten. Denn die Entwickler haben mit dem neuen Teil Aufbruch der Kulturen an alte Zeiten angeknüpft.
Mit Siedler: Aufbruch der Kulturen wird nicht etwa die Reihe der aktuellen Siedler-Spiele fortgesetzt, sondern an Siedler 2: Die nächste Generation angeknüpft, dessen Spielprinzip wiederum auf das 1996 erschienene, klassische und sehr beliebte Siedler 2: Veni, Vidi, Vici aufbaut.
Dabei sticht vor allem der Transport von Waren über zuvor angelegte Straßen hervor. Die Güter werden aus dem Haupthaus oder umliegenden Lagerhäusern über diese Straßen zu den Baustellen oder Produktionsstätten transportiert. Dieses System wurde aber bereits 1998 mit Teil 3 komplett verworfen, jedoch von Fans schmerzlich vermisst. Nicht zuletzt deshalb wurde mit Siedler 2: Die nächste Generation eine Traditionsreihe bei Ubisoft eingeführt, um auch diese Fans glücklich machen zu können.
Drei Völker gibt es im neusten Traditionsteil der Siedler-Reihe: Bajuwaren (Bayern), Ägypter und Schotten bieten dabei sehr unterschiedliche Eigenschaften an. Während die Ägypter zur Produktion von Eisen, Kohle und anderen Rohstoffen Käse, Brot und Ziegenkäse benötigen, haben die Bayern nur ihre Brezeln und Bierschinken. Die Schotten benötigen hingegen Pökelfleisch und Brot. Fische fangen können sie alle.
Jedes Volk im Spiel hat seine Vor- und Nachteile. Die Ägypter können schnell eine funktionierende Wirtschaft aufbauen. Da aber kein Förster vorhanden ist, muss clever mit den vorhandenen Ressourcen umgegangen werden. Mit Masse statt Klasse muss beispielsweise das Militär auskommen.
Die Schotten hingegen sind ein zähes und schwerfälliges Völkchen, das es zu Beginn immer schwer haben wird, aber am Ende sehr komplex und organisiert auftreten kann. Ihr Militärsystem benötigt zur Ausbildung drei verschiedene Waren: Whisky, Waffen und Kilts.
Bajuwaren bilden bald eine Mischung aus beiden Völkern. Wirtschaftlich und militärisch sind sie zwar gut organisiert, bekommen in beiden Gebieten dennoch keinen höchsten Grad an Perfektion zustande.
So - oder besser so ähnlich könnte man die neuste Funktion in der Traditionsreihe nennen. Mit dem Opfergebäude kann eine neue Dimension der Kampf- und Wirtschaftssimulation genutzt werden. Auch wenn man dem Gegner aktuell gnadenlos unterlegen sein sollte, kann mit einem Opfer ein Angriff abgewehrt werden.
Ressourcen können in der Folge schneller herangeschafft werden, damit man dann erneut in den Kampf eingreifen kann. Der Gegner vermag selbstredend ebenfalls Opfer zu erbringen. Man sollte also vorsichtig mit seinen wertvollen Waren sie, die zur Opferung benötigt werden. Sonst entsteht einem daraus schnell ein hoher strategischer Nachteil.
Mit einem virtuellen Dorf wird auch in diesem Siedler voll auf den Mehrspielermodus per Internet gesetzt. Der Spieler erstellt sich dabei einen Avatar, der im Dorf frei bewegt werden kann. Das Erscheinungsbild kann frei gewählt werden und wird nur durch die Wahl des jeweiliges Volkes im Voraus ein wenig in seiner Optik beschränkt. Hat der Spieler über die Zeit eine gewisse Anzahl an Erfahrungspunkten gesammelt, verändert sich das werthe Äußere des Avatars erneut.
Weitere, sehr interessante Elemente sind der Händler, der Schneider, die Ruhmeshalle und das Wirtshaus. Während der Händler dem Avatar Ausrüstungsgegenstände oder Haustiere verkauft, kann der Schneider die Farben der Kleidung ändern. Natürlich hat alles seinen Preis! Im Wirtshaus des Dorfes kann der Spieler etwas die Wartezeit auf andere Mitspieler verkürzen. So stehen mit Würfeln, Poker und Schach drei lustige, kleine Spiele bereit.
Fans des klassischen Siedler 2 wird es freuen: Das Spielprinzip aus dem zwölf Jahre alten Teil wird endlich weitergeführt. Mit drei Völkern und dessen Vor- und Nachteilen bestimmt man selbst den Schwierigkeitsgrad, anhand der Wahl, die man trifft. Die 3D-Grafik des Spieles erinnert ebenfalls wieder an die Vorläufer, ist aber deutlich verbessert worden. Ein Vergleich zu Siedler 6 bietet sich nicht an, da die Traditionsreihe vor allem auf den Wuselfaktor setzen soll.
Die Wirtschaftkreisläufe sind, je nach Volk, sehr komplex und erfordern vor allem zu Beginn jeder Partie hohe Aufmerksamkeit. Die Spieltiefe ist leider gering, so dass geübte Siedler-Fans schon nach ein paar Stunden die Lust am Spiel verlieren könnten und sich nur im Online-Duell so richtig austoben können.
Pro und Contra
+ Spielprinzip für Siedler 2-Fans
+ verbesserte Grafik (auf Traditionsreihe bezogen)
+ Mehrspielermodus
+ Unterschiede der Völker
+ Opferungen als strategisches Mittel
- Missionstiefe
- Anzahl der Waren
Einzelwertungen
Spielspaß: 79 Prozent
Grafik: 75 Prozent
Akustik: 73 Prozent
Bedienung: 75 Prozent
Mehrspieler: 80 Prozent
Gesamt: 76 von 100 Prozent