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Agatha Christie: Evil under The Sun.

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Agatha Christie: Evil under The Sun

Sonnenschein im Winter

Veröffentlicht am Montag, 18. Februar 2008 von Qiong Wu

Der eigensinnige Belgier ist erneut seinen Büchern entsprungen und klärt einmal mehr auf dem Computer mysteriöse Verbrechen auf seine ihm sehr eigene Art und Weise auf. Die Rede ist von Hercule Poirot, dem berühmten Detektiv aus der Feder der noch berühmteren Kriminalromanautorin Agatha Christie. "YOU ARE Detective Hercule Poirot" prangt auf der Rückseite der Verpackung des Spiels und tatsächlich trifft diese Aussage erstaunlich gut auf das Spielgefühl zu.

Das Spiel startet im England des Zweiten Weltkriegs, eine düstere Atmosphäre herrscht vor. Während Hercule Poirot und sein geschätzter britischer Freund Hastings auf das Ungewisse warten, entschließt sich Poirot Hastings einen seiner Fälle zum Besten zum geben um die Zeit schneller verstreichen zu lassen. Hier übernimmt der Spieler die Kontrolle über Poirots Aktionen, steuert diesen noch in dem Arbeitszimmer, bevor die eigentliche Handlung einsetzt.

Indizien sammeln und auswerten

Das Arbeitszimmer ist tatsächlich eine sehr schön gestaltete Art der Notizen- und Indiziensammlung wie man sie aus anderen Spielen wie Sherlock Holmes eventuell schon kennt. So befindet sich im Arbeitszimmer eine Pinnwand und eine Karte des Geschehens und nützliche weitere Werkzeuge die dem Spieler bei der Lösung des Falls und beim Kombinieren helfen. Die tatsächliche Handlung spielt weit weg von diesem Arbeitszimmer in der Vergangenheit auf Seadrift Island, einem abgelegenen Urlaubsort, wo sich im Vorspann bereits mysteriöse, bedrohliche und unheimliche Dinge rund um einen Geist ereignen. Der Spieler erwacht mit einem Poirot als Protagonist, der durch das restliche Spiel gesteuert wird. Hier führt das Spiel eine interessante Idee ein, das Spiel wird erzählerisch von Poirot aus dem Arbeitszimmer beschrieben, dessen Stimme man als gedankliche Stimme auch in der tatsächlichen Handlung noch des Öfteren vernehmen kann.

Erzähler und Zuhörer

Im Verlaufe des Spiels mischt sich auch öfter sein Freund Hastings in die Handlung ein und macht sich hier und da auch über Poirots eigene belgische Art lustig. Der Spieler sieht das Spiel also primär aus der Perspektive des Poirot der Vergangenheit, kann sich dem erzählerischen Charakter der Handlung durch die Einwürfe des Erzählers (und manchmal auch des Zuhörers Hastings) nicht entziehen, wodurch das gesamte Spiel sich beinahe wie eine Art Buch liest und amüsante Passagen durch die witzig-trockenen Diskussionen zwischen Hastings und dem Gegenwartspoirot, angesichts der Lage in der sich der Vergangenheitspoirot befindet, besonders durch ihren Charme brillieren. Hercule Poirot erwacht also in seinem Zimmer und wandert erst einmal durch das Hotel, hierbei erwähnt der Erzählerpoirot übrigens dass dieser in seiner Erzählung unwichtige Charaktere einfach weglässt um unnötige Details einzusparen, um die gähnende Leere des Hotels zu erklären. Statt animierten Dummycharakteren wie in anderen Adventures lassen die Entwickler sie einfach weg und damit ihnen nicht ein leeres Spiel vorgeworfen werden kann lassen sie Hercule Poirot selber hier elegant die Erklärung liefern.

Verstrickte Charaktere

Trotzdem ist Evil under the Sun alles andere als Charakterarm, die verschiedenen Menschen die Hercule Poirot bei seinen Ermittlungen trifft sind alle sehr differenziert und interessant. Typisch für einen Agatha Christie Roman sind viele dieser Charaktere miteinander verstrickt und bilden so ein sehr interessantes Geflecht aus Gerüchten und Verdächtigungen in welchem der Spieler schnell gefangen ist. Alle Charaktere im Spiel sind ausgesprochen gelassen, trotzdem schafft es Evil under The Sun Gruselatmosphäre aufkommen zu lassen, auf eine für Agatha Christie Romane sehr subtile, nichtsdestotrotz aber sehr gekonnte Art und Weise.

Die Rätsel im Spiel sind nicht einfach, aber mit Logik gut zu lösen, Schlussfolgerungen wie "put Hamster in microwave" sind also nicht notwendig um in dem Spiel voranzukommen, interessant sind wie in Detektivadventures üblich vor allem natürlich die Dialoge mit den Charakteren, mit denen das Netz um den Mörder gespannt wird.

Logische Rätsel

Grafisch macht Evil under the Sun auch eine ganz gute Figur und hält auf jeden Fall den Adventure Standard. Die Charaktere sind nicht überzeichnet und bewegen sich ebenfalls natürlich. Die Orte sind teilweise etwas zu glatt gezeichnet, allerdings sind raffinierte Augenschmäuse auch nicht der Hauptschwerpunkt des Spiels, da die Lösung des Kriminalfalls von Nöten ist. Wichtiger ist hier noch die Audioausgabe des Spiels, welche in der getesteten englischen Version sehr solide ausfällt und die vielen Dialoge des Spiels sehr gut wiedergibt. Vor allem der Akzent des belgischen Detektivs machen die Dialoge zu einem Genuss für die Ohren.

Fazit

Evil under the Sun ist eine erfrischende Abwechslung zu Sherlock Holmes und ist qualitativ ebenfalls besser als moderne Kriminallöser wie Geheimakte FBI. Das Spiel bietet eine interessante Erzählerperspektive, was es zu einem herausragenden Tipp für Adventurespieler macht. Besonders Spieler die Spaß an gespannten Charakterkonflikten und Dialogen haben, werden Evil under the Sun mit Freude durchspielen. Die Entwickler schaffen es sehr gut den Touch von Agatha Christie rüberzubringen und dabei noch die Möglichkeiten des Computers zu nutzen um ein solides Adventure mit interessanten Innovationen zu liefern.

Pro und Kontra
+ Sehr fesselnde Story und tiefgehende Charaktere
+ Innovativer Erzählstil
+ Logische Rätsel und Dialoge

- Zu glatte Hintergründe

Einzelwertungen:
Spielspaß: 85 Prozent
Grafik: 80 Prozent
Akustik: 85 Prozent
Bedienung: 80 Prozent
Mehrspieler: nicht vorhanden

Gesamt: 83 Prozent von 100.