Veröffentlicht am Donnerstag, 24. April 2008 von Marco Gödde
Die Bundestagsfraktion der CDU/CSU hat zum ersten Kultursalon geladen und wir folgten dem Ruf. So machten wir uns also an diesem sonnigen Mittwoch auf und kämpften uns im frühsommerlichen Berlin durch die Massen an Touristen und Sicherheitsbeamten in Richtung Reichtagsgebäude durch.
Nach der üblichen Sicherheitsüberprüfung mit Metalldetektor und Röntgenblick in den redakteurseigenen Rucksack, betreten wir das voll klimatisierte Machtzentrum deutscher Politik und werden von freundlichen Hostessen zu den Fahrstühlen geleitet. Auf der Fraktionsebene im dritten Stock angekommen, mischen wir uns unter die geladenen Gäste: Zu diesem Zeitpunkt lediglich bestehend aus Branchenvertretern, Mitarbeitern zahlloser Kulturredaktionen und dem einen oder anderen, leicht fehl am Platze wirkenden Spielejournalisten. Die angekündigte Prominenz aus Film, Fernsehen, Literatur und Musik kommt wie immer später.
Was wollen wir, als Spielemagazin, denn nun auf einer Veranstaltung, auf der es überwiegend um den Stand der Kultur in Deutschland geht? Bei der Themen wie "Wer zahlt für Kultur?" oder "Kultur – nur noch für eine Elite?" im Mittelpunkt stehen? Vermutlich das Thema "Computerspiele – ein Beitrag zur Kultur oder Ursache für Amokläufe?"
Nach einer kurzen Begrüßung durch den kulturpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Börnsen, und einer Eröffnungsrede durch den Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder, verteilte sich die Schar der Gäste auf die vier Kulturwerkstätten, in denen in den folgenden zwei Stunden über den bereits erwähnten Stand der deutschen Kultur diskutiert wurde.
Über die aktuellen Schlagwörter Killerspiele, Jugendschutz und Spielesucht diskutierten unter der Moderation von Dorothee Bär MdB:
Unterbrochen wurde die Diskussion von gelegentlichen Wortmeldungen aus dem Publikum.
Im Wesentlichen wurde im Verlauf der Diskussion deutlich gemacht, dass lediglich fünf Prozent der in Deutschland hergestellten Computerspiele ausschließlich gewalttätige Inhalte haben. Dabei wurde auch das communityfördernde Potential von Ego-Shootern genannt, das besonders durch die freie Modifizierbarkeit der Spiele entsteht. Bemängelt wurde jedoch, dass der Gewalt in Computerspielen der dramaturgische Kontext zu den Handlungen des Spielers fehlt und Gegner zumeist nur deshalb getötet werden müssen, um Erfahrungspunkte oder Gegenstände zu sammeln.
Wobei erneut keine klare Definition des reißerischen Begriffs "Killerspiel" zustande kam.
Beim Thema Jugendschutz wurden unter anderem die Probleme bei der Kennzeichnung und Verständlichkeit der Altersfreigaben besprochen. Es müsse deutlicher gemacht werden, dass es sich bei den Einstufungen durch die USK nicht um Empfehlungen, sondern um gesetzlich gestützte Vorgaben handelt. Hier wurde von den Beteiligten auch ein Umdenken der Eltern gefordert: Sie würden dazu neigen, ihren Sprösslingen Spiele mit höherer Altersfreigabe zu kaufen, da sie dem von Brettspielen vertrauten Gedanken folgen, Stolz darauf zu sein, dass sie bereits Spiele bewältigen, die für Ältere bestimmt sind.
Dabei wurde außerdem die viel genannte Stärkung der Medienkompetenz bei Eltern und Lehrern angesprochen. Doch auch hier blieb man, abgesehen von Microsofts Engagement im Bereich der Lehrerfortbildung, konkrete Ansätze schuldig. Und in zwanzig Jahren wird sich das Problem der mangelnden Medienkompetenz bei Eltern von alleine gelöst haben. Denn dann sind die Kinder von heute selber Eltern und verfügen über das notwendige Wissen und die Fähigkeiten im Umgang mit Computerspielen sowie Internet und müssen Medienkompetenz nicht erst mühsam lernen.
Und bei allem war man sich erstaunlich einig. Fakt bleibt: Die bestehenden Probleme werden zwar erkannt, zwingende Handlungsstrategien bleiben aber nach wie vor aus.
Zumindest eine konkrete Aussage lies sich den Teilnehmern entlocken: Computerspiele sind Kulturgut.