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Veröffentlicht am Mittwoch, 1. Oktober 2008 von Marco Gödde

Heute haben wir mal wieder zwei Bücher für Sie. Das erste ist ein Roman, das zweite eine Sammlung von Anekdoten. In dem einem begeben sich zwei Retrojunkies auf eine Reise durch die eigene Computergeschichte, in dem anderen erzählt ein Videospielhändler von dem alltäglichen Wahnsinn bei Verkauf und Beratung.

Extraleben

Constantin Gillies' Protagonisten Nick und Kee verbringen ihre Tage als unterbezahlte Assistenten in irgendeiner namenlosen Redaktion, erstellen Fahrkostenabrechnungen und recherchieren für ach so wichtige Beiträge wie den jährlichen Warnungen und Tipps zur betrieblichen Weihnachtsfeier. Die Abende gehören dagegen dem C64 und Spielen wie Barbarian, Impossible Mission oder Raid over Moscow. Und in letzterem stoßen die beiden auf einen versteckten Hinweis: Welcome to Datacorp.

Damit beginnt für Nick und Kee eine Reise in die Anfänge der Heimcomputerära und zu den Schauplätzen computerspielhistorischer Legenden wie dem Atari Landfill in der Wüste von New Mexico. Am Ende hat sich ihr Blick auf die eigene Vergangenheit verändert und vor ihnen liegt eine Zukunft, die spannender kaum sein könnte.

Gillies, selbst Jahrgang 1970, beschreibt die Reise seiner Helden mit den Worten eines Wissenden und nimmt den Leser dabei mit auf eine Schnitzeljagd aus versteckten Hinweisen und ein Abenteuer rund um eine geheime Organisation. Was wie eine klassische Verschwörungstheorie beginnt, endet als Selbsterfahrungstrip, der seine Helden langsam erwachsen werden lässt.

Alle, die Mitte der 80er auf dem Schulhof mit kopierten Tapes und 5,25-Zoll Disketten dealten, sollten dieses Buch gelesen haben.

Wo sind die normalen Menschen?

Das zweite Buch, dass GamePorts Ihnen heute vorstellen möchte, stammt von Patrick Becher, seines Zeichens stolzer Eigentümer von Com Illusion, einem kleinen Hamburger EDV Einzelhandels- unternehmen. Weniger stolz dagegen kann er auf seine Kundschaft oder zumindest einen Teil davon sein. Freuen kann er sich aber auf jeden Fall über diese Typen - von leicht verwirrt bis völlig durchgeknallt. Schließlich füllt er dank ihnen ein Buch, auf dessen Deckel ein vielsagendes "Band 1" prangt.

Die Seiten zwischen dem Einband sind angefüllt mit Anekdoten, wie sie jeder, der im Einzelhandel tätig ist, und speziell im Computerbereich Erfahrene, selber schon einmal erlebt hat. Vom Kunden, der sich schlichtweg im Laden geirrt hat und dies augenscheinlich nicht erkennen will, bis hin zum selbsternannten Experten, ist alles an schrägen Vögeln vertreten. Und selbst der eine oder andere Praktikant hat maßgeblich zum Füllen der Seiten beigetragen.

Leider merkt man, dass es sich bei Herrn Becher um einen Einzelhandelskaufmann handelt. Ständige Wiederholungen wie "...und dann war da noch..." zerren schnell an den Nerven des Lesers. So manche Anekdote wirkt vertraut und man hat das Gefühl, diese bereits von jemand anderem gehört zu haben. Das mag aber wohl nur daran liegen, dass sich solche Kunden nicht nur in Hamburg tummeln. Kurzweilige Unterhaltung bietet das Buch aber alle mal. Bleibt zu hoffen, das Band 2 nicht allzu lange auf sich warten lässt.