Veröffentlicht am Donnerstag, 5. Juli 2007 von Frederic Schneider
Viel wurde gemunkelt in der letzten Zeit. Während Leipzig einen Rekord nach dem anderen feiert, bemühen sich andere Städte um die Ausrichtung der Games Convention, Europas bedeutendste Spielmesse. Jetzt bewirbt sich auch die Mainmetropole Frankfurt um die lukrative Veranstaltung. Frühestens ab 2009 könnte Ostdeutschland die Prestigemesse verlieren - vorausgesetzt, die Branche spielt mit.
Ein Kommentar von Frederic Schneider
Eigentlich hat Leipzig Grund genug, um fröhlich zu sein. Letztes Jahr wurde erneut ein neuer Besucherrekord geschrieben, in diesem Jahr werden wieder rund 150.000 Spieler erwartet: Aus Deutschland, doch auch aus der ganzen Welt kommen vorwiegend junge Menschen, um sich die neuesten PC- und Konsolenspiele anzuschauen.
Die Games Convention ist ein Besuchermagnet und bringt die Leipziger Messe einmal im Jahr in den Fokus der Presse. Nicht alleine die Spielejournalisten berichten mit mehr als 1.000 akkreditierten Journalisten aus der größten Stadt Sachsens. Auch klassische Medien, wie ARD und ZDF, sorgen in ihren prestigereichen Formaten dafür, dass ganz Deutschland weiß, wo der Hammer hängt.
Doch versuchen seit längerem andere Messestädte, Leipzig den Rang abzulaufen. Bereits 2005 berichtete GamePorts von der grundsätzlichen Interesse Frankfurts, die Spielemesse an den Main zu holen. Hamburg äußerte unlängst die Bitte, die Hansestadt doch mit dieser Veranstaltung zu adeln. Bereits jetzt gilt die Stadt an der Elbe als kleine Hochburg der Spieleschmieden: Mit dtp ist hier schon länger ein Adventurespezialist beheimatet, in Kooperation mit Master Creating entsteht derzeit mit Legends: Hand of God ein vielversprechendes Rollenspiel - made in Hamburg.
Mit der gestrigen Bewerbung setzt nun auch Frankfurt ein Zeichen, als Messe-Marktführer im deutschsprachigen Raum. Sogar die Politik zeigte sich begeistert, eine Spielemesse im Herzen von Hessen - das wäre etwas Feines. So war es ein wenig überraschend, dass mit Volker Hoff gleich ein Staatsekretär unter CDU-Flagge aus der hessischen Landesregierung die offizielle "Bewerbung" abgab. Volker Bouffier, Innenminister in Wiesbaden, ist ansonsten als Gegner so genannter "Killerspiele" bekannt. Revolution im Hessenlande?
Für Frankfurt als Messestadt spricht Vieles. Markus Quint, Pressesprecher der Messe Frankfurt, hebt vor allem die "hervorragende Infrastruktur" und die "verkehrsgünstige Lage" hervor, die "Frankfurt international bei Ausstellern und Besuchern zu einem der beliebtesten Messeplätze in Europa" machen. Doch vor allem das Gelände spricht für die Stadt: Leipzig ist zu klein, unlängst sind die Aussteller an ihre Grenzen gestoßen. Das Messegelände in Frankfurt ist das weltweit dritt größte, in Deutschland übertroffen nur noch von Hannover. Doch die Stadt in Niedersachsen äußerte bislang noch keine Interesse an der "Games Convention".
"Nur wenn die Messe AG sich ausdrücklich um die GC bemüht und mit den Preisen entgegenkommt, hätte Hannover eine Chance", sagt Boje Holtz vom Entwicklerstudio exDream Entertainment (Arena Wars). Die Designer sind Mitglied bei den "Northstar Developers", ein Zusammenschluss von Entwicklern aus dieser Region. Für Hannover spreche in Konkurrenz zu Leipzig vor allem die Infrastruktur: "Neben dem riesigen Messegelände hat man in Hannover auch ausreichend Hotels zur Verfügung und ist an einen deutlich größeren Flughafen angeschlossen, als es in Leipzig der Fall ist."
So einfach, wie sich das Hoff aus der hessischen Landesregierung und Hamburg vorstellen, ist es dann aber doch nicht, die "Games Convention" umzuziehen. Die Marke ist eingetragen für die Leipziger Messe und die macht, zumindest derzeit, keine Anstalten, ihr Produkt zu verkaufen. Die einzige Möglichkeit für alternative Standorte besteht allein darin, den Brancheverband BIU zu überzeugen. Dieser vertritt alle namhaften Publisher: Electronic Arts, Microsoft, Nintendo, Ubisoft et cetera. Ende 2008 läuft der Kooperationsvertrag mit Leipzig aus. Eine Chance für Frankfurt und Hamburg? Gelingt es den Großstädten, den BIU zu überzeugen, wäre der Weg frei, ein neues, GC-ähnliches Konzept an anderer Stelle aufzubauen? - Die Marke "Games Convention" wäre plötzlich unbedeutend.
Letztendlich profitiert die Branche von einem Wechsel: Mehr Ausstellungsfläche und eine bessere Infrastruktur. Sowohl Frankfurt, als auch Hamburg sind aus der ganzen Welt um einiges einfacher zu erreichen, die Unterbringungsmöglichkeiten sind noch besser.
Für Frankfurt spricht auch, dass mit Crytek ein weltweit respektiertes Entwicklerstudio hier seinen Sitz hat. Mit Far Cry (dt.) ist ein international erfolgreiches Produkt aus den Händen des Studios der Familie Yerli entstanden, derzeit arbeitet das Team an Crysis, einem Ego-Shooter. Nahe Frankfurt ist auch die Anno-Serie beheimatet: Related Designs arbeitet in Mainz, des Weiteren ist die Deutschland-Zentrale von Atari im Westen Frankfurts.
Zwar ist Hessen insgesamt etwas teurer als Leipzig, doch das sollte die wenigsten Menschen stören. Mit der IAA zeigt Frankfurt alle zwei Jahre, was es bei humanen Eintrittspreisen drauf hat.
Ende August könnte es das vorletzte Mal Games Convention in Ostdeutschland heißen. Ein Prestigeprojekt könnte untergehen, und in Frankfurt oder Hamburg wieder auftauchen. Adé, Leipzig?