Bibliothek

Mehr Informationen zu
Heute vor zehn Jahren.

Funktionen

Druckansicht

Werbung

Heute vor zehn Jahren

Pro Pinball: Timeshock!

Veröffentlicht am Donnerstag, 21. Juni 2007 von Stefan Keller

Kampf dem Sommerloch! Wenn der Berg nicht zum Prophet kommt, muss der Prophet eben zum Berg. Mit anderen Worten: Wenn es keine neuen Spiele gibt, die man testen könnte, dann nehmen wir eben alte. Heute haben wir die CD von Empire Interactives Pro Pinball: Timeshock! aus dem Jahre 1997 wiedergefunden - und sie läuft noch!

 Definieren Sie "ein gutes Spiel". Muss es eine perfekte Grafik haben? Oder eine aufwendige Story? Oder – ganz verrückt – soll das Spiel vielleicht Spaß machen? Oder sind wirklich gute Spiele vielleicht all jene, die einfach zu spielen sind, nach Jahren noch Spaß machen und für die Kaffeepause geeignet sind? Wir wissen nicht, was Sie an einem Spiel besonders schätzen – falls Sie jedoch auf den letzten Satz besonderen Wert legen, dann dürfte die angestaubte Pinball-Simulation Ihr Herz höher schlagen lassen.

TILT!

Flippersimulationen haben eine recht lange Tradition in der Geschichte der PC-Spiele. Das mag daran liegen, dass sie mit vergleichsweise wenig Aufwand (und damit geringen Hardwareanforderungen) realisierbar sind. Auf jeden Fall trifft aber das bekannte Arcade-Sprichwort "Easy to learn, hard to master" für das Genre Pinball zu. Da der Einfluss des Spielers sehr limitiert ist (nämlich auf den Abstoß, die beiden Flipper und ein paar Tasten, um am Tisch zu rütteln), ist das Spiel sehr leicht zu erlernen – wenn man sich einmal gemerkt hat, dass die beiden Umschalt-Tasten jeweils die Flipper bedienen und die Entertaste den Ball abstößt. Natürlich gibt es auch das berühmte "Tilt" - das tritt ein, wenn dreimal am Tisch gerüttelt wurde. Der Computer bekommt das natürlich mit und spricht zweimal eine Warnung aus, beim dritten Mal werden die Flipper blockiert und der Ball geht "sicher" ins Aus.

An alles gedacht...

Die Entwickler, Cunning Developments, haben bereits vor zehn Jahren an so gut wie alles gedacht, was man sich auch heute wünschen würde. So kann man sich im Spiele-Optionenmenü beispielsweise auch den Tisch vor Spielbeginn ganz genau in zahlreichen Zoom-Stufen anschauen, bevor man versucht, Herr über ihn zu werden. Wer meint, dass sich seine zu sehr Grafikkarte langweilt, kann in den Optionen zum Spiel auch die Auflösung verändern; bis 1600x1200 Bildpunkten bei 32 Bit Farbtiefe sind drin. Neben der Grafik ist aber auch der Sound sehr gut gelungen. Unterstützt wird so gut wie jede Soundkarte, einzige Voraussetzung, sie muss DirectX-kompatibel sein. Erfüllt sie diese eine Voraussetzung, so ist das Spiel sehr anpassungsbereit. Egal, ob Sie nur eine alte ISA-Soundkarte mit Mono-Sound in Ihrem Rechner haben oder eine moderne 5.1-Surroundsoundkarte – das Spiel wusste bereits vor zehn Jahren beide Extrem-Karten auszureizen – das Spiel kommt mit Dolby-Surround-Sound zurecht. Doch egal, was Sie für einen Soundausgang an Ihrem PC haben, der Klang von Timeshock! wird Sie nie enttäuschen. Die mechanischen Klänge (z. B. das Aufprallen der Kugel an einem Objekt) klingt so, als würden Sie neben einem richtigen Flipperautomaten stehen. Eine weibliche Stimme kommentiert besondere Ereignisse auf dem Spieltisch, sie ist dabei so gehalten, dass sie eine typische Computer-Stimme perfekt imitiert. Wenn die Spiele-CD beim Programmstart im Laufwerk liegt, ist Timeshock! sogar musikalisch. Ab Track 2 der CD finden Sie die im Spiel abgespielten Musikstücke. Sie sollen die Situation im Spiel untermalen. Dies ist manchmal nicht ganz gelungen, aber alles in allem ist der Soundtrack sehr schön anzuhören. Wenn Sie lieber Ihr Lieblingsalbum hören möchten, legen Sie bei Programmstart einfach selbiges ins CD-Laufwerk, dann werden die darauf befindlichen Lieder abgespielt.

...und dabei voll kompatibel

Die Verpackung (und vor allem das, was hinten drauf steht) schreckt Sie vorm Spielen ab? Vergessen Sie einfach die Mindestvoraussetzungen! Entgegen der Voraussetzungen, die der Hersteller angibt (Pentium 60), kommt Timeshock! auch bestens mit einem alten 486DX 50 Mhz aus – wir haben es getestet. Sie brauchen nur ein CD-ROM-Laufwerk (idealerweise mindestens 4x) und rund 60 MB freien Speicherplatz auf der Festplatte. Da auf einem solch mageren System das Spiel zugegebenermaßen etwas ruckelt, sollte es trotzdem ein schnellerer Rechner sein – erfahrungsgemäß macht aber Windows 95, was vorausgesetzt wird, wenn unter Windows gespielt werden soll, auf einem 486er Prozessor keinen besonderen Spaß, von daher sollten Sie sich den Spaß ohnehin erst ab einem PC der Pentium-Klasse gönnen. Der Trick dahinter ist eigentlich ganz einfach. Der Tisch ist bereits vorgerendert, d. h. es wird praktisch nur das berechnet, was sich auch verändert. Das wäre die Kugel und manchmal eine Lampe, die etwas anzeigen soll. Daher hält sich der Rechenaufwand in Grenzen und das Spiel läuft auch auf sehr alten Rechnern wunderbar.

 Aber auch heute, zehn Jahre nach dem Erscheinen, können Sie Timeshock! noch wie gewohnt spielen. Wir beispielsweise haben für den Bericht einen Dual-Core Opteron von AMD zusammen mit einer GeForce 7900 GT auf Windows XP als Testplattform zur Verfügung gehabt. Wenn Sie Timeshock! unter Windows XP spielen möchten, brauchen Sie allerdings zwei kleine Kunstgriffe. Zum Einen sollten Sie unbedingt von der Empire Interactive-Webseite den Patch 1.07 herunterladen und installieren (sonst kommt es zu Verzögerungen beim Drücken der Flipper-Tasten). Des Weiteren müssen Sie das Spiel im Kompatibilitätsmodus starten (Verknüpfung, Rechtsklick "Eigenschaften", "Ziel suchen", Rechtsklick, "Eigenschaften", "Kompatibilität", "Programm im Kompatibilitätsmodus ausführen für:", "Windows 95" oder "Windows 98/Me"). Dies ist notwendig, weil Windows XP auf der NT-Technologie basiert und Timeshock! (zumindest offiziell) unter NT nicht läuft.

Durch Raum und Zeit

Wie so gut wie jeder Flipper, möchte auch Timeshock! eine Geschichte erzählen. Das ist auch das reizvolle an einer Flippersimulation: Für eine Fünf-Minuten-Action in der Kaffeepause ist diese Story weitestgehend uninteressant (wenn sie der Spieler kennt, ist es gut, wenn nicht, macht's trotzdem Spaß) – interessierte Spieler werden jedoch in der Story eine sehr interessante Geschichte finden. Es geht im Prinzip darum, dass der Protagonist eine "Antizeit-Druckwelle" erschaffen hat, die sich durch alle Zeitepochen der Menschheitsgeschichte erstreckt und schon fast bei der Gegenwart angekommen ist. Ziel ist es jetzt für den Protagonisten (sprich: der Spieler) die Zeitkristalle, die über die verschiedenen Zeitepochen verteilt sind, wiederzufinden, um wenigstens die Zukunft zu sichern. Das bedeutet im Klartext, dass es Sinn dieser Flippersimulation ist, durch die Zeit zu reisen. Doch um eben dies erfolgreich zu absolvieren, müssen einige Dinge erledigt werden. Grundvoraussetzung ist, dass der "Time Drive" aktiviert wird. Das kann durch das Treffen der beiden Rampen links und rechts in abwechselnder Reihenfolge geschehen. Anschließend müssen drei Bälle in der Zeitmaschine aufbewahrt werden. Wenn der Time-Drive aktiviert wurde, kann durch die Zeit gereist werden und z.B. das prähistorische Zeitalter vor der Zeitwelle geschützt werden. Um sich besser in ein bestimmtes Zeitalter hineinzudenken, gibt es beispielsweise auch für jeden Kontinent der Erde verschiedene Expeditionen, die gemeistert werden können (z. B. in der Gegenwart für Nord-Amerika den Mount Rushmore besteigen durch Treffen schwierig zu treffender Rampen auf dem Tisch).

Wartungsoptionen: Wenn der Techniker die Maschine pflegt

Fast wie im richtigen Leben: Der Automat kommt mit etablierten Standardeinstellungen, doch die Spielregeln bestimmt der Betreiber. Über das "Bedienmenü" können Sie als Automatinhaber bestimmen, wie sich der Flipperautomat gegenüber dem Spieler verhalten soll. Auch das Leeren der High-Score-Listen ist hierüber möglich. Möchten Sie beispielsweise fünf statt nur drei Bällen erlauben, dafür aber den "Ball-Saver" deaktivieren, sollten Sie einen Blick ins Betreibermenü werfen. Sie werden hier sicherlich keine Option vermissen.

Gemeinsam ist's am schönsten: Der Mehrspielermodus

Vollkommen selbstverständlich kommt Timeshock! natürlich auch mit einem Mehrspielermodus daher. Sie müssen einfach nur mehrmals auf den Starten-Knopf drücken und schon können bis zu vier Spieler gegeneinander antreten. Dies geschieht alles am selben Rechner, d. h. die Spieler sind nacheinander dran. Auch wenn hierbei die Geschichte, die der Flipper erzählen möchte, eher in den Hintergrund rückt, ist dieser Modus auch nicht zu verachten, auch wenn er heute nicht mehr wirklich zeitgemäß wirkt, aber Timeshock! war ja auch vor zehn Jahren aktuell, da war ein solcher Mehrspielermodus durchaus akzeptabel.

Fazit

Man beachte: Ein Spiel, das bereits das biblische Alter von zehn Jahren hat, und trotzdem noch zu den Referenzen seines Genres gehört. Sicherlich kann heute vieles anders gelöst werden – aber muss es das wirklich? Die Akustik des Spiels ist grandios, die Grafik ist sehr schön (ihr würde man heute vielleicht noch irgendwelche Spiegel-Effekte oder Lichtspielchen spendieren), die Physik ist sehr realistisch. Und das Spiel schafft den Spagat zwischen einem Fünf-Minuten-Hit und einem Adventure-Spiel auf Flipper-Basis. Auch wenn die Story zu Beginn kompliziert wirkt und das Spielverhalten als "schwer" empfunden wird – Fortschritte sind schnell machbar und es macht Spaß, die eigenen Verbesserungen beim Spielen zu erleben.

Doch Vorsicht: Timeshock! kann Sie süchtig machen!

Bewertungen – damals
Spielspaß: 90 Prozent
Grafik: 92 Prozent
Akustik: 91 Prozent
Bedienung: 80 Prozent
Mehrspieler: 75 Prozent

Gesamtergebnis (1997): 90 Prozent

Bewertungen – heute
Spielspaß: 90 Prozent
Grafik: 81 Prozent
Akustik: 85 Prozent
Bedienung: 80 Prozent
Mehrspieler: 55 Prozent

Gesamtergebnis (2007): 85 Prozent