Veröffentlicht am Montag, 23. April 2007 von Frederic Schneider
ParaWorld ist wieder da! Seit das Spiel auf den Markt kam und von der Presse (GamePorts: 90 Prozent) sehr gut bewertet wurde, ist vieles passiert: Aus der geplanten Teilnahme an der ESL ProSeries (Bundesliga des E-Sports) wurde nichts. Das Entwicklerstudio SEK wurde Anfang des Jahres geschlossen. Und zum ganzen Überfluss gesellte sich noch der Verkauf von Publisher Sunflowers an die französische Firma Ubisoft. Gute Vorzeichen für das erste und letzte Booster Pack.
Mit goldenen Vorboten ist ParaWorld im letzten Jahr gestartet. Wurde die Marketingarbeit lange Zeit im Entwicklerforum auf sek-ost.de kritisiert, begann die große Marketingphase wenige Wochen vor Veröffentlichung. Die Spielejournalisten verteilen noch zur Games Convention in Previews Blumen an die Entwickler. Auch die kurz darauf erscheinenden Testberichte klangen gut. GamePorts vergab zwar die beste deutschsprachige Gesamtwertung (90 Prozent), trotz alledem lag der Durchschnitt über 85 Prozentpunkte. Gute Vorboten für einen erfolgreichen Start.
Gleichzeitig begann die E-Sports-Maschine zu laufen. Zusammen mit Turtle Entertainment (ESL, GIGA) überlegte sich Publisher Sunflowers so einiges, zum Beispiel 100.000 Euro Preisgeld zu verschleudern. Als Dank dafür würde ParaWorld bei der nächsten ESL ProSeries teilnehmen, der Quasi-Bundesliga aus Deutschland für den elektronischen Sport. Die LAN-Liga NGL kündigte bereits an, das deutsche Echtzeitstrategie-Spiel habe WarCraft 3 vom Thron gestoßen, und sei zukünftig mit Counter Strike das einzige Spiel, das sich als "Gold Game" bezeichnen dürfe.
Gar bekannte WarCraft 3-Zocker wie Miou, vom Clan SK.gaming, versuchten sich in ParaWorld - und schieden bereits nach wenigen Runden in Turnieren aus, die noch mit der Demoversion gespielt wurden. Trotzdem: Die Community war heiß auf Dinos.
Dann aber blieb die Community erst einmal, wie sie war; statt zu wachsen, begann sie zu schrumpfen; statt bekannte Strategie-Spieler á la Miou kamen nur unbekannte Gamer, die sich das Spiel gekauft haben, statt es gesponsort zu bekommen.
Eigentlich lag und liegt es nicht am Spiel: Ein innovativer "Army Controller" versprach dauernde Kontrolle über die eigene Truppe. In fünf verschiedenen Ebenen werden die Arbeiter und Kämpfer einsortiert. Allerdings werden die Plätze nach oben weniger: In der fünften Ebene gibt es nur einen. Wird eine Einheit zerstört, ist der Platz wieder frei, außerdem kann jederzeit "hochgelevelt" werden. Voraussetzung dafür sind so genannte "Skulls", das so viel heißt wie Stärke. Zerstören Sie Tiere oder gegnerische Einheiten, bekommen Sie dafür "Skulls".
Vor allem beim E-Sports bietet sich der "Army Controller" an; Sie sehen auf einem Blick, welche Einheit was macht; Sie können von jedem Ort auf der Karte auf Ihre Einheiten zu greifen und sie beispielsweise in den Steinbruch schicken, welchen Sie gerade vor Ihren Augen haben.
Bereits nach der Veröffentlichung von ParaWorld stellte sich jedoch heraus, dass die Verkaufszahlen hinter den Erwartungen blieben. Als Millionen Investition angekündigt, blieb es bei wenigen zehntausend verkauften Einheiten - ein dickes Minus in der Bilanz von Sunflowers. Eine richtige Erweiterung ("AddOn") stand deshalb außer Frage. Sodenn machten sich die Berliner Entwickler an eine kostenfreie Erweiterung, auch "Booster Pack" genannt.
Seit Freitag ist dieser, nach einigen Monaten, endlich erhältlich. Dabei wurde die Hoffnung unter den wenigen, übrig gebliebenen Fans des RTS fast schon aufgegeben. Umso größer die Freude: Drei Einzelspieler-Missionen, vier neue Karten für den Mehrspieler-Modus, dann auch noch zwei neue Helden und zwei neue Spezialeinheiten. Alles zum Nulltarif. Außerdem weitere zehn Dinosaurier, die sich jedoch leider in keiner Karte wiederfinden. Stattdessen müssen die Fans ihre eigenen Karten basteln - im Level-Editor sind sie aufruf- und integrierbar.
Schon organisiert sich die Community neu. Für kommenden Samstagabend ist ein Fanturnier online geplant. Die ehemaligen Entwickler melden sich teilweise zurück, vor allem in hoher Position: So gibt der einstige Lead Level Designer den Spielern Tipps, wie die neuen Missionen zu schaffen sind.
Dabei wartet auf Sie im "Booster Pack" nochmals Einiges an Spielspaß. Alleine für die erste Mission haben Sie mehr als zwei Stunden Zeit. Mit der Raffinesse und dem Aufbau eines kleinen Dorfes ist es Ihre Aufgabe, durch feindliches Terrain hindurch an das Ende einer Insel zu gelangen, wo ein Boot auf die Weiterreise wartet. Nochmals zeigt ParaWorld, welches Potential in dem Spiel steckt.
Warum ParaWorld so schlecht verkauft wurde, ist weiterhin ein Rätsel. Man mutmaßt, es lag am Marketing, das zu sehr auf E-Sports fixiert gewesen sei. Oder das Dinosaurier-Setting käme bei den Spielern nicht an. Der Dino-Hype aus Zeiten von Jurassic Park sei längst verflogen, die Spieler stehen vielmehr auf Orcs á la WarCraft.
So blieb ParaWorld am Ende ein Traum. Ein schöner Traum, der nunmehr sein Ende in einem netten "Booster Pack" findet.
Wertung: Hervorragend