Veröffentlicht am Montag, 19. Februar 2007 von Marco Gödde
Special Editions sind gerade mal wieder in Mode. Sei es in der simplen Form eines Wendecovers wie zuletzt bei Warhammer: Mark of Chaos oder als kleine Dreingaben wie die nette Kette samt Kreuz der Collectors Edition von El Matador. In der Regel umfassen die Extras Making of Videos, Strategieguides und Hintergrundbilder. So auch bei der nun veröffentlichten Special Edition zu dem anderthalb Jahre alten Adventure Still Life.
Am eigentlichen Spiel hat sich nichts geändert. Nach wie vor schlüpfen Sie in die Rolle der FBI-Agentin Victoria McPherson, die gerade mitten in den Ermittlungen zu einer schrecklichen Mordserie im winterlichen Chicago der Gegenwart steckt. Um sich von den grausigen Details ihres aktuellen Falles abzulenken stöbert Victoria in den alten Notizen ihres Großvaters Gustav. Dabei stößt sie auf einen Fall, an dem ihr Großvater im Prag des Jahres 1929 arbeitete und entdeckt auffallende Ähnlichkeiten zu ihrem Fall.
In den folgenden sieben Kapiteln wechseln Sie ständig zwischen den Schauplätzen der Gegenwart und denen der Vergangenheit. Sie sammeln adventuretypisch die verschiedensten Gegenstände, kombinieren diese mit der Umgebung und lösen so den rätselhaften Fall. Dieser dreht sich um einen durchgeknallten Maler, der in Prag mehrere Prostituierte bestialisch ermordete und nun in Chicago einen Nachahmer findet. Die Geschichte wird dabei durch sehr gute, atmosphärisch dichte Zwischensequenzen vorangetrieben. Neben bei erhalten Sie durch ausführliche Texte einen Einblick in die Gedankengänge Ihrer Protagonisten und lauschen langen Gesprächen, die Sie immer wieder mit den verschiedenen Nebendarstellern führen.
Leider findet sich hier auch schon einer der ersten Kritikpunkte. Die deutsche Synchronisation ist über weite Teile ziemlich Misslungen. Viele Sprecher passen nicht zu den Figuren und tragen ihre Texte mehr als gelangweilt vor. Darüber hinaus sondert Victoria des öfteren reichlich böse und unschöne Kommentare ab, was sie nicht gerade sympathisch wirken lässt. Nicht nur einmal wünschen Sie sich, das sie das nächste Opfer des mysteriösen Killers ist. Zum Glück reißt die gelungene Musikuntermalung einiges wieder raus.
An der Grafik gibt es dagegen auch nach anderthalb Jahren kaum etwas zu mäkeln. Die gut modellierten Figuren bewegen sich durch sehr gut gerenderte, detailreiche und abwechslungsreiche Hintergründe. Allerdings sieht man den einen oder anderen Schauplatz ein paar mal zu oft. Spätestens nach der zehnten Fahrstuhlfahrt wünschen Sie sich, die entsprechende Szene überspringen zu können. Viele Laufwege sind unnötig. So durchqueren Sie drei Bilder, um von einer Galerie zu deren Ateliers zu gelangen. Während die Galerie Hinweise auf den Fall enthält und die Ateliers Schauplatz eines der Morde sind, gibt es auf den drei Bildern dazwischen nichts, was für die Rätsel oder die Geschichte relevant ist.
Das war es dann aber auch schon mit den offensichtlichen Mängeln. Die Rätsel bieten überwiegend leichtverdauliche Kost und halten sich mit verschiedenen Kombinations- und Logikpuzzeln an die genreüblichen Standards. Lediglich ein zwei mal möchten Sie die Programmierer ob des Rätseldesigns verfluchen. So müssen Sie an einer Stelle einen kleinen Roboter an sich bewegenden Laserstrahlen vorbei manövrieren, ohne genau zu wissen, wo Sie eigentlich hin müssen. An einer anderen Stelle gilt es mittels äußerst dürftiger Hinweise kryptische Symbole zu entschlüsseln und in die richtige Reihenfolge zu bringen.