Need for Speed: Carbon
Carbon bedeutet Leichtbau
Veröffentlicht am Mittwoch, 29. November 2006 von Matthias Bogdanski
Im Rennsport steht Carbon für Hightech und neueste Entwicklungen. Aber auch für Leichtbau und Gewichtsreduktion. Welche Attribute zu NfS: Carbon passen, klärt unser Test.
Licht aus, Motoren an: Need for Speed ist zurück im Untergrund. Nach dem Ausflug in die taghelle Hatz bei NfS: Most Wanted zieht es die Inner City Kids nun in Need for Speed: Carbon nach Palmont City. Ein Ort, an dem die Sonne niemals scheint. Das Gefühl kennt man bereits aus den Underground-Teilen. Wollte jemand die Dauerdunkelheit ernsthaft begründen, könnte er auf die hohen Berge verweisen, die die Stadt einkesseln. Doch entscheidender ist, dass diese Canyons am Stadtrand der wahre Star des Spiels sind. Dazu später mehr.
Carbon empfängt alle NfS-Routiniers mit bekanntem Look und Style. Die Videos sind generell sehr hübsch anzusehen. Reale Schauspieler wurden in die Spielumgebung integriert und machen dadurch die Sequenzen sehr lebendig. Das Ganze wurde dann mit einem seltsamen Filter überzogen, der die Szenerie künstlich und stylisch wirken lässt. Ungewöhnlich, aber gut. Spätestens nach dem Intro hat auch der Letzte verstanden, worum es geht: Straßenrennen gewinnen, um am Ende die ganze Stadt zu kontrollieren. So finden auch Neueinsteiger schnell ins Spiel. Neu dabei sind Crewmitglieder, die den eigenen Avatar im Rennen unterstützen.
Crew-Casting
In den schicken Rennen durch das Neonlicht-geflutete Palmont City kann der Spieler einen Kameraden mit auf die Piste schicken, den er aus seiner Crew rekrutiert. Der zweite Mann sorgt entweder für Windschatten, zeigt Abkürzungen oder blockt die Gegner. Da die Crewmitglieder immer nur eine Disziplin beherrschen, sollte man das Casting wohlüberlegt durchführen. In der Praxis haben sich die Blocker am ehesten bewährt. Wer will schon wie am Abschleppseil hängend im Windschatten des Vordermannes zum Sieg fahren? Eben. Die Fahrzeuge der Crew kann man im Laufe des Spiels ebenso tunen wie den eigenen Boliden.
Muscle? Exot? Tuner?
Das Tuning der Wagen ist auch in diesem Teil der NfS-Serie ein zentraler Bestandteil. Schon zu Anfang muss man festlegen, ob die Karriere mit einem kraftstrotzenden Muscle-Car, einem agilen Tuner-Fahrzeug oder einem exklusiveren Exoten bestritten wird. Ist die knifflige Entscheidung erstmal gefallen, kann im Laufe der Karriere wieder altbekannt geschraubt und lackiert werden bis der Morgen graut. Die Auswahl der Wagen ist mit über 50 Boliden überschaubar. Und das ist gut so. Der Fuhrpark wurde entmüllt und stattdessen mit wirklichen Schmankerln bestückt wie etwa dem Audi Le Mans quattro. Der ist sowas von exklusiv, dass man ihn erst 2007 auf deutschen Straßen sehen wird. Wenn überhaupt.
Optisch bietet die getestete Xbox-Version ein hohes Niveau auf der alten Konsolen-Generation, auch wenn an spektakulären Effekten gespart wurde. Ein Hochgenuss ist aber die Soundkulisse. Der Soundtrack von Carbon ist ausgesprochen gut ausgewählt, von Rock bis Hip Hop sind Songs zu hören, die glänzend zum Spiel passen. Noch entscheidender: Dreht man die Musik leiser, wird man nochmals belohnt: Die Motorengeräusche sind für einen Arcade-Racer wie NfS perfekt. Kernig, kraftvoll, nie monoton oder nervig. Hier macht das Spiel wirklich Pluspunkte.
Modi-Leichtbau
Spielt man NfS: Carbon für einige Stunden, erschrickt man beinahe selbst vor dem eigenen Talent. Der Karrierefortschritt ist rasant. Der Umfang der Karriere ist insgesamt sehr dürftig und es sollte für Rennspiel-Fans kein Problem sein, innerhalb einer Woche ganz Palmont City einzunehmen. Doch auch die Spielmodi haben bei Carbon eine Gewichtsreduktion erfahren. Durchs Raster gefallen sind die Ausscheidungsfahrten und die Beschleunigungsrennen. Unverständlich, denn gerade der Eliminationskampf war in den Vorgängern sehr spannend. Der Drift-Modus hat hingegen alles an Klasse verloren, die er noch in den Underground-Teilen zu bieten hatte. Das Handling der Boliden in den verwinkelten Driftstrecken ist so unfassbar schlecht, dass man schon nach wenigen Anläufen entnervt aufgeben will. Die Stärke von NfS: Carbon liegt weiter oben. Ganz oben, im Canyon.
Showdown im Canyon
Wie zu Beginn angekündigt, bieten die Canyons am Stadtrand den größten Reiz. Dort werden die finalen Rennen gegen Crew-Bosse ausgetragen, bei denen der Verlierer Fahrzeug und Ehre abgibt. Im Kampf Mann gegen Mann, ohne Nitro, ohne Helfer, ohne Taktieren, steckt der wahre Reiz des Spiels. Zweimal werden die kurvigen Abfahrten unter die Räder genommen, wer danach am schnellsten war, gewinnt. Wer durch die Leitplanken rauscht, ist sofort raus. Mit den Canyon-Rennen konnte EA der Need for Speed-Reihe einen frischen Hauch geben. Der Rest ist Routine.
Fazit
Carbon ist ein weiterer Teil einer populären Serie. Das merkt man an allen Ecken und Enden. Das hat seine Vorteile, denn etwa die Tuningmöglichkeiten und Verfolgungsjagden mit der Polizei haben sich bewährt. Aufgrund der kurzen Karriere und der unausgegorenen Driftrennen beschleicht den Spieler aber manchmal das Gefühl, Carbon sei als lästige Pflichtaufgabe programmiert worden, die schnell fertig werden muss. Atmosphäre und Spielspaß stimmen, der Umfang hingegen nicht.
Einzelwertungen
Spielspaß: 83 Prozent
Grafik: 87 Prozent
Akustik: 93 Prozent
Bedienung: 85 Prozent
Mehrspieler: nicht getestet
Gesamt: 84 von 100 Prozent.