Veröffentlicht am Montag, 13. November 2006 von Marco Gödde
Die Geschichte der Computertechnik ist voll von charismatischen Leuten, aber die wenigsten sind so untrennbar mit ihren Firmen verbunden wie zum Beispiel Bill Gates mit Microsoft oder Steve Jobs mit Apple. Ganz vorne in dieser kurzen Reihe steht auch der Name Jack Tramiel und seiner Firma CBM. Besser bekannt unter dem Namen Commodore.
Die Firma Commodore war, ebenso so wie ihr Gründer Jack Tramiel, weltweit eine Legende. Ihre Ideen und Maschinen beherrschten die digitale Welt. Doch das Tempo in der Branche war stets extrem hoch. Für Fehler gab es keinen Platz – und das bekam auch Commodore zu spüren. Nach dem kometenhaften Aufstieg zum Kultkonzern kam der Abstieg zu einem Label, das wie ein Wanderpokal von einem Investor zum anderen gereicht wurde, jedoch nie wieder an alte Zeiten anknüpfen konnte.
Bei Namen wie Amiga oder C64 kommen viele Fans ins Schwärmen. Bis heute hält Commodore den Rekord, mit dem C64 das meistverkaufte Computersystem der Welt geschaffen zu haben (17 Mio. Stück!).
In ihrem Taschenbuch "Die Commodore Story" zeichnen die Autoren Christian Zahn, Rainer Benda und Enno Coners nun die bewegende und wechselhafte Geschichte des ehemaligen Weltkonzerns nach, der wie kein anderer Computerhersteller die Heimcomputer-Kultur so sehr prägte. Angefangen bei der Herkunft Jack Tramiels, die allein schon zur Legendenbildung reicht – geboren im polnischen Lodz und seine Jugend im Ghetto verbringend, überlebt er am Ende das Konzentrationslager Auschwitz – über seine Anfänge als Schreibmaschinentechniker bei der US-Armee und die Gründung der Firma Commodore Ende der 50er Jahre, bis hin zu deren unrühmlichem Ende Mitte der 90er, lassen sie dabei keine Station der krimigleichen Geschichte aus.
Selbstverständlich liegt dabei das Hauptaugenmerk auf den wichtigen Jahren zwischen 1970 und 1990. Zwanzig Jahre voller Meilensteinen der Computertechnik. Vom legendären PET über den VIC20 bis zum meistverkauften Heimcomputer der Welt, dem C64, dessen erste Ausgabe, ob seiner Gehäuseform von seinen Fans liebevoll Brotkasten genannt wurde, werden alle Modelle und deren Entwicklung ausführlich behandelt. Auch die Geschichte des Tochterunternehmens Amiga kommt dabei nicht zu kurz. Ist doch gerade deren Geschichte von Fehlentscheidungen geprägt, die letztendlich den Ausverkauf und den Untergang des Unternehmens zur Folge hatte.
Dabei geben die Autoren selbst an sich nüchterne Fakten spannend wieder.
Dazu gibt es exklusive Interviews, einzigartige Fakten zum Zusammenbruch des Konzerns, zahlreiche verwegene Pläne und emotionale Interna wie die Querelen um die C64-Nachfolge und die Amiga-Marketingpolitik sowie einen Überblick über die Investoren nach dem Konkurs bis zum heutigen Tage.
Dies also ist die spannende Geschichte eines ehemaligen Weltkonzerns für alle, die einen C64 zu Hause hatten - und für alle die zu jung dafür waren und etwas über die Geschichte des Heimcomputer erfahren möchten.
ISBN 3-9810494-5-4, Paperback, 160 Seiten, 40 schwarz-weiß Abbildungen, Preis 12,95 Euro