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Need for Speed: Carbon

Underground zum Dritten?

Veröffentlicht am Montag, 30. Oktober 2006 von Stefan Keller

Es ist noch nicht einmal November, und trotzdem steht Weihnachten schon so gut wie vor der Tür. Woran wir das merken? Electronic Arts ist uns für diese Feststellung eine große Hilfe: Seit einigen Jahren schon ist es beim größten Publisher überhaupt eine nette Tradition, dass pünktlich zum Weihnachtsgeschäft eine neue Variante von bekannten Spielen erscheinen - so auch im Fall Need For Speed; dieses Jahr mit der Carbon-Version.

Theorie

Need For Speed: Carbon, so der Titel des Rennspiels für 2006, möchte gerne neue Wege gehen, aber Bewährtes nicht außen vor lassen. Im Gegenteil, es wird sogar ein verschollen geglaubter Renntyp wieder „neu erfunden“ - das Driften. Der Aufhänger des Spiels soll diesmal auch etwas anders aussehen; hier wird der Spieler in 1-on-1-Rennen gegen einen Mitstreiter den Canyon herunterrasen und zwar das Ganze zweimal.  Einmal ist der Spieler der Jäger und sammelt während der Abfahrt Punkte (je näher am Gegner dran, desto mehr Punkte bekommt er. Danach dreht sich der Spieß rum und der Computergegner wird zum Jäger. Der Gegner sammelt natürlich beim Versuch hinterherzukommen auch selber Punkte, die dann mit den eigenen Verrechnet werden. Erst, wenn am Ende der beiden Fahrten der Spieler eine positive Punktzahl überbehält, hat er ein Gebiet erobert. Das Interessante bei dem Rennen ist aber die Leitplanke. Denn die ist in den schönen, engen Kurven nicht „unkaputtbar“, wie es die Umgebung in der Need-For-Speed-Serie sonst immer war, sondern kann das Auto in den Abgrund fallen lassen. Das Rennen ist dann an dieser Stelle vorbei und verloren.

Neben dem wieder eingeführten Drift-Rennen gibt es für Need For Speed: Carbon auch ein Team-Rennen.  Dieses ist zunächst einmal ein normales Rennen, allerdings können sich einige Fahrer zu einem Team zusammenschließen und sich dann gegenseitig helfen, soweit wie das möglich ist. Dies soll auch später im Mehrspielermodus im LAN oder Online sinnvoll eingesetzt werden können, sodass entsprechende Rennen gegen andere Menschen noch um einiges spannender werden sollten.

Auf diese Art und Weise gilt es, drei große Stadtteile zu je sieben Zonen nach und nach zu erobern. Diese Arbeit versucht auch in Carbon wieder die Polizei zu erschweren. Damit zur Eroberung - und vor allem das passende Auto dazu - nicht so eintönig wird auf Dauer, gibt es natürlich auch wieder die Möglichkeit, sein Auto optisch aufzuwerten. Hierbei wurde eigens ein Autosculpt-System entwickelt, dass eine stufenlose Veränderung von Teilen (z.B. die Stärke der Felgen) ermöglicht.

Praxis

An der Stelle wäre jetzt noch ein kleines Mini-Fazit gekommen und die Vorschau wäre abgeschlossen. Doch am Freitag erschien die offizielle Demo zu Need For Speed: Carbon - und trotz der vielen (bzw. eigentlich betraf es alle) total überlasteten Server, hat es die Demo unversehrt auf die Festplatte unseres Redakteurs geschafft - und ob sich der Kampf mit den Download-Mirrors gelohnt hat, erfahren Sie jetzt.

Freitag, 27.10.2006, 19:36 - der Downloadmanager vermeldet zufrieden durch die Lautsprecher "Your file is done!". Immerhin ist die Demo mit ihren 640 MiB nicht gerade klein und die Server waren, wie immer kurz nach dem Release von NFS-Demos, hoffnungslos überlastet. Nachdem die Installation abgeschlossen war, wurde das Kribbeln im Bauch immer stärker.

Nun der erlösende Doppelklick auf die Verknüpfung, die der Installer auf dem Desktop abgelegt hat und der Gedanke, dass man sich beim ersten Mal zumindest das Intro komplett ansehen sollte.  Nach der Warnung, dass es sich um eine Demo handelt und diese nicht öffentlich ohne Genehmigung aufgeführt werden dürfe, erklärt uns eine Schauspielerin, die auch im Spiel später (in der Demo nicht) eine Rolle übernehmen wird, traditionell, dass wir auf der Straße angeschnallt und vorsichtig fahren sollen. Jetzt wird es spannend: Der Ladebildschirm, eine nette Animation ... und ... "Need For Speed™ Carbon: nfsc_demo.exe - Fehler in Anwendung - Klicken Sie auf OK, um das Programm zu beenden". Nein, mit der Stabilität hat es diese Demo nicht wirklich - immerhin sind wir beim zweiten Versuch bis zum Ladebildschirm für ein Rennen gekommen, dann aber ein ähnlicher Fehler. Und da aller guten Dinge drei sind, gibt’s auch noch einen Absturz, dieser auch sehr gut reproduzierbar, nämlich genau dann, wenn man mit einem Auto alle drei in der Demo verfügbaren Rennen gemeistert hat.

Aber mal ab von der Stabilität der Demo - wobei wir ganz stark hoffen wollen, dass es derartige Probleme in der finalen Version nicht geben wird - gibt es auch Positives an der Demo zu vermelden. Da wäre beispielsweise die Grafik-Engine zu vermelden, die gründlich optimiert wurde und jetzt ein sehr schönes Nacht-Szenario darstellt, denn die Rennen finden wieder, genau wie in den beiden Underground-Teilen, nachts statt. So ist es z.B. für meine eher durchschnittliche Radeon X800 Pro, die 1280x1024er Auflösung bei allen Details darzustellen, die auch der TFT-Bildschirm kann - und zwar sehr schön flüssig. Das war in Need For Speed: Most Wanted nicht wirklich möglich, da war bei derselben Hardware bei 1024x768 Schluss.

Die Demo selbst bietet drei vorgetunte Autos - aus jeder der drei neuen Autokategorien, Muscle (Chevrolet Camaro SS),  Exotic (Lamborghini Gallardo), Tuner (Mitsubishi Evolution), einen -, mit denen es möglich ist, auf drei Rennstrecken zu fahren: Team-Race (Rundkurs im Team), Drift und Canyon-Race. Vor einem Rennen hat man die einmalige Chance, das Autosculpt-System an seinem ausgewählten Wagen auszuprobieren. Hierbei ist es in einer bestimmten Spanne tatsächlich möglich, die Größe oder Ausprägung einer bestimmten Sache (z.B. Spoiler oder Felge) stufenlos zu ändern.

Bei dem Team-Rennen handelt es sich auf den ersten Blick um einen normalen Rundkurs. Jedoch gibt es die Möglichkeit, sich darin mit einem Team fortzubewegen, dass einem den Rücken frei halten und beim Gewinnen helfen kann. Jedoch entzieht es sich unserer Kenntnis, ob diese Funktion möglicherweise erst im Mehrspielernodus, den die Demo bedauerlicherweise nicht bietet, wirklich bedeutungsvoll wird oder wie man sein Team im Rennen sonst koordinieren soll - es ist jedenfalls in der Demo nicht erklärt und bei dem praktisch nicht gegeben Schwierigkeitsgrad an und für sich auch nicht notwendig.

 Beim Drift-Rennen geht es wie gewohnt darum, möglichst "cool" durch Kurven durchzukommen und dabei Punkte zu kassieren. Neu ist jedoch, dass es für besonders tolle Drifts auch sehr großzügig Bonuspunkte gibt. Auch beim Drift hält sich die Schwierigkeit sehr stark in Grenzen; ich bin erfahrungsgemäß noch nie ein guter NFS-Drifter gewesen und hatte bei Drift-Rennen in Need For Speed: Underground 2, sofern es möglich war, einen großen Bogen gemacht - aber bei Carbon kann man auch überlegen gewinnen, wenn man nicht besonders gut ist im Driften und entsprechend oft die Wand nach dem Weg fragt.

Das Canyon-Rennen ist vom Ambiente her auch nichts wirklich Neues - das gab es auch schon in Underground 2, jedoch nur als Drift außerhalb der normalen Drift-Strecken. Trotzdem ist das das einzige, was der Demo einen gewissen Reiz gibt, denn dieses Rennen ist, zumindest mit zwei der drei Autos, nicht ganz so einfach zu meistern. Es geht hierbei darum, dass der Canyon zweimal abgefahren werden muss. Einmal ist der Computergegner der erste im Feld und einmal der Spieler selber.  Derjenige, der hinten ist, muss Punkte sammeln. Diese bekommt er, indem er sich nicht zu weit nach hinten fallen lässt - je näher am Gegner, desto mehr Punkte. Eine Kollision bedeutet 5000 Extrapunkte für denjenigen, der planmäßig vorn fährt. Sollte planmäßig erste seine Position abgeben, so muss der Gegner seinen neuen ersten Platz zehn Sekunden verteidigen und hat sofort gewonnen, ohne dass das Rennen weitergeht. Einen besonderen Reiz macht hier die Leitplanke aus, die in den engsten Kurven kaputt gehen kann - dann nämlich fällt das Auto in eine Schlucht und das Rennen ist, zugunsten des Gegners, vorbei.

Sehr schade ist es, dass die Demo, und entsprechend wahrscheinlich auch das Vollprodukt, wieder mal kein Schadensmodell bieten wird - es gibt lediglich, wie im Vorgänger Need For Speed: Most Wanted - wieder Lackschäden, die implizieren sollen, dass es während des Rennens wohl Kollisionen gegeben haben könnte.

Eine Demo, die vor dem eigentlichen Vollprodukt veröffentlicht wird, soll ja eigentlich bei der Kaufentscheidung helfen und noch nicht komplett überzeugten Spielern ihre Zweifel beseitigen. Leider bleibt hier festzuhalten, dass die Demo für Carbon diesbezüglich etwas kontraproduktiv arbeitet: Die Abstürze werfen ein recht schlechtes Licht auf das Spiel und die Demo zeigt zu wenig wirklich Interessantes.  Beispielsweise soll es ja auch wieder eine Polizei geben, die als zusätzlicher Stressfaktor zu den Rennen dazukommt - hiervon ist in der Demo nichts zu sehen. Auch der Schwierigkeitsgrad lässt über weite Teile zu wünschen übrig: Selbst wenn man controllerbedingt rückwärts losfährt und erst im Spiel selber die Steuerung ändert (weil das bei der Demo gar nicht anders geht), ist man ab der nächsten, spätestens übernächsten Kurve schon erster und bleibt das in der Regel auch.

Ersteindruck: Die Theorie zu dem Spiel klingt ja noch recht interessant. Nur leider schafft es die Demo, das aufblühende Interesse stark abzuflachen – sie zeigt kaum etwas Interessantes und ist zudem noch instabil.

Wir freuen uns dennoch auf die Vollversion, denn bisher hat die Demo auch immer nur angerissen, was das dazugehörige Need For Speed für Spaß verursachen konnte - und das Spiel selber hat dann noch mal alle möglichen Erwartungen übertroffen: Hoffentlich auch diesmal.