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Undercover: Operation Wintersonne.

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Undercover: Operation Wintersonne

Physiker auf Abwegen

Veröffentlicht am Donnerstag, 26. Oktober 2006 von Marco Gödde

Jedes Spielegenre scheint periodischen Schwankungen zu unterliegen. Mal häufen sich Echtzeitstrategiespiele, mal sind es die Rollenspiele. In letzter Zeit häufen sich die Vertreter der Adventureabteilung. Die Masse davon sind Gurken wie Das Eulemberg Experiment. Nur wenige haben echte Klasse wie Geheimakte: Tunguska. Ob Undercover eher zur Masse gehört oder doch Klasse besitzt, haben wir für Sie getestet.

Das Leben eines Physikers ist langweilig. Außer, Sie heißen Einstein und entdecken die Relativitätstheorie oder befreien als Gordon Freeman die Erde von den bösen Combine. Oder Sie heißen John Russel, sind genau wie die anderen beiden Doktor der Physik und sitzen gerade gelangweilt in London herum.

Strahlende Aussichten

Allerdings ist es mit der Langenweile rasch vorbei, als Sie der britische Geheimdienst MI6 anspricht. Erst sollen Sie nur ein paar Akten auf ihre Echtheit prüfen. Doch ehe Sie sich versehen, sind Sie auch schon unterwegs nach Deutschland, um die Nazis an der Fertigstellung einer Uranbombe zu hindern. Dabei führt Sie ihr abenteuerlicher Weg über das großdeutsche Berlin und das beschauliche Örtchen Haigerloch bis in das zerstörte Stalingrad.

Den Agenten widerwillen schicken Sie in gewohnter Point & Click-Manier durch schicke vorgerenderte Hintergründe, die farblich die Lage der Zeit wiederspiegeln. Besonders gelungen ist dabei das Spiel von Licht und Schatten. Selten gab es in einem klassischen Adventure so schön ausgeleuchtete Umgebungen zusehen.  Auch die Charaktere sind den Entwicklern bestens gelungen. Sie passen sich perfekt in die Hintergrundgrafiken ein. Ihre Animationen sind zwar nicht perfekt, aber gut.

Die Steuerung entspricht dem gängigen Genrestandard. Ein Linksklick untersucht Gegenstände, ein Rechtsklick manipuliert sie oder lässt sie im Inventar verschwinden. Auch das pixelgenau abgrasen der Bildschirme gehört dazu.

Doch die Entwickler zeigten sich gnädig und spendierten Undercover einen Hotkey, mit dem sich alle Hotspots wie Ausgänge und Gegenstände einblenden lassen, was die Sucherei erheblich vereinfacht.
 Ansonsten bietet Operation Wintersonne die ebenfalls klassische Kost aus Kombinations- und Logikrätseln. Diese gestalten sich allerdings ziemlich einfalls- und vor allem abwechslungsreich. Auch wenn es in der Regel meist nur um das Öffnen von Schränken, Schubfächern oder Türen geht. Leider hilft häufig nur wildes Ausprobieren weiter.

Zwischendurch gilt es seltene Minispiele zu bewältigen, in denen Sie zum Beispiel Lichtschalter sekundengenau betätigen müssen, um einen Agentenkollegen sicher durch einen Raum zu schleusen. Eines stört jedoch die schöne Raterunde: Ihr Held kann sterben. Was aber zum Glück nicht allzu oft passiert. Dennoch ist es ärgerlich, wenn Sie aufgrund eines fehlenden Spielstandes zig Bildschirme erneut ablatschen dürfen. Zumal die Ladezeiten zwischen den einzelnen Hintergrundbildern teilweise sehr lang ausfallen.

Drei Freunde

Die Spionagegeschichte, der Sie bei Undercover folgen,  trägt sich durch schön geschnittene Zwischensequenzen und gut gemachte, selten lippensynchrone Dialoge. Leider machen einige unrealistische Rätseleinlagen die sorgsam aufgebaute Spannung das ein oder andere Mal zunichte. So finden sich strenggeheime Zahlenkombinationen meist in unmittelbarer Nähe zu der Tür, die damit zu öffnen ist. Oder in schwer gesicherten Schränken finden Sie statt der erhofften Geheimnisse nur Kleinkram für die Lösung eines anderen simplen Rätsels. Zum Glück überwiegt aber die gut gemachte Rätselkost.

Da Sie als Physikprofessor selten in den geheimdienstlichen Künsten bewandert sind, werden Sie von zwei waschechten Geheimdienstlern begleiten. Zum einen erhalten Sie Unterstützung durch den Agenten Peter Graham. Zum anderen durch die hübsche Agentin Anne Taylor. Meisten stehen Ihre Begleiter jedoch ziemlich tatenlos in der Szenerie herum. Nur ab und zu greifen die zwei in direkt in das Geschehen ein.
 Wie zum Beispiel Anne im bereits erwähnten Minispielchen mit den Lampenschaltern. Hier wäre sicherlich mehr möglich gewesen.

B
ei der Klangkulisse gibt sich Ihr Hobbyagent ebenfalls kaum eine Blöße. Die dezente Hintergrundmusik wirkt zu keiner Zeit aufdringlich und die Sprecher sind passend gewählt. Sämtliche Figuren, bis hin zu den Nebencharakteren sind glaubhaft und gut gezeichnet. So, wie Sie es bei einem Adventure aus dem Hause dtp auch erwarten können.

Fazit

Undercover ist ein grundsolides und über weite Teile spannendes Abenteuer. Die Charaktere sind sympathisch, das Setting für ein Adventure unverbraucht. Die Grafik trägt ihren wesentlichen Teil zur Stimmung bei. Schick, wenn auch wenig nützlich, ist der optionale Sepia-Effekt, der den Bildern das Aussehen alter, vergilbter Fotos gibt. Der Sound und die Geräusche sind von stets hoher Qualität. Die Rätsel sind überwiegend fair. Auch wenn sich das einige nur durch stupides Ausprobieren lösen lassen. Lediglich die relativ kurze Spielzeit enttäuscht - Profis sehen den Abspann spätestens nach zehn Stunden.

Somit zählt Undercover: Operation Wintersonne für mich zu den Highlights des diesjährigen Adventureherbstes.

Pro und Kontra
+ stimmungsvolle Grafik
+ spannende, unverbrauchte Geschichte
+ toller Sound
+ fordernde, meist logische Rätsel

- lange Ladezeiten
- teilweise stupides Ausprobieren
- kurze Spielzeit

Einzelwertungen
Spielspaß: 82 Prozent
Grafik: 80 Prozent
Akustik: 83 Prozent
Bedienung: 82 Prozent
Mehrspieler: nicht vorhanden

Gesamt: 82 von 100 Prozent.