Veröffentlicht am Dienstag, 24. Oktober 2006 von Marco Gödde
Wieder einmal steht der Meisterdetektiv vor einem scheinbar unlösbaren Fallen. Begleitet von seinem treuen Freund Dr. Watson macht Sherlock Holmes auf, um der Spur der Erwachten zu folgen. Wer diese Erwachten sind und was es mit ihnen auf sich hat konnten wir in den drei Kapiteln unserer Vorschauversion natürlich nicht klären. Dafür aber eine ganze Menge anderer wichtiger Dinge.
Auf der CD mit der Vorschauversion, die wir von Publisher Frogster Interactive Pictures bekamen, steht groß „Early Beta“. Was sich am besten mit „nicht ganz fertig“ und „voller Bugs“ übersetzen lässt. Und natürlich traten wir auch auf den einen oder anderen Käfer. So schafften wir es einmal unseren Helden so in ein Blumenbeet zu manövrieren, das er sich partout nicht mehr befreien ließ. Doch so etwas gehört bei einer frühen Betaversion nun einmal dazu. Und deshalb breiten wir den Mantel des Schweigens darüber. In der Hoffnung, das die Programmieren ihr Bestes tun und möglichst wenig von den Fehlern übriglassen.
Mit den Augen des Meisters
In Die Spur der Erwachten blicken wir durch die Augen des Meisterdetektivs und in einigen Situationen auch durch die seines treuen Gefährten Watson. Lediglich in Zwischensequenzen, in denen Holmes Zeugen und Passanten befragt, betrachten wir das Geschehen von Außen. Die Umgebung präsentiert sich dabei in einer schicken 3D-Grafik. Dabei kommen aktuelle Shader und Grafikeffekte zum Einsatz.
So wirken Mauerwerk und Straßenpflaster plastisch, die modrig-feuchten Wände im Londoner Hafenviertel reflektieren den Lichtschein der Laternen und das Wasser spiegelt Objekte wie Boote und Kaianlagen wieder. Texturen und Objekte zeigen eine Fülle an Details. Und auch die Charaktermodelle können sich sehen lassen. Nur die Straßen wirken etwas leer. Zwar hörten wir Kutschen vorbeifahren. Doch zusehen waren diese nicht. Hoffentlich ändert sich das noch bis zur fertigen Version.
Auch an der Geräuschkulisse lässt schon jetzt wenig aussetzten. Die Stimmen der englischen Vertonung passen bestens zu den Charakteren.
Holmes klingt schneidig und Selbstbewusst, dem Bobby an der Straßenecke hören wir seinen Diensteifer an und Dr. Watson wirkt immer ein wenig ratlos. Wenn sich die Entwickler bei der Auswahl der deutschen Stimmen ähnlich viel Mühe geben, sollte einer gelungenen Synchronisation nichts im Wege stehen. Die Umgebungsgeräusche passen ebenfalls. In der Bakerstreet zwitschern Vögel in der Sommerluft, Kutschen rattern über das Kopfsteinpflaster und am Hafen kreischen die Möwen.
Durch diese stimmungsvolle Umgebung bewegen wir uns mittels der aus Ego-Shootern gewöhnten WASD-Steuerung. Ein klassischer Mauszeiger fehlt. Was auch gut ist. Er wäre in dieser Ich-Perspektive nur ein Fremdkörper. Lediglich an interessanten Punkten erscheint eine Hand, wenn etwas eingesammelt oder benutzt werden kann beziehungsweise ein Auge, wenn etwas betrachtet oder näher untersucht werden kann. Ansonsten benötigen wir noch den Nager auf unserem Schreibtisch.
Mit der Maus ändern wir unsere Blickrichtung. Die linke Maustaste beginnt Gespräche mit Personen in der Nähe oder führt Aktionen wie das Öffnen von Türen oder das Aufheben von Gegenständen aus. Die rechte Maustaste öffnet das Inventar. Dort lassen sich geführte Gespräche noch einmal nachlesen oder zusammengetragene Dokumente und Indizien untersuchen. Außerdem finden wir dort eine Minikarte, auf der bereits besuchte Orte automatisch eingetragen werden und sich direkt anspringen lassen. Lange Laufwege entfallen dadurch.
In den drei Kapiteln der Vorschauversion lässt sich nur in der Bakerstreet und den Londoner Docks der Profession unseres Titelhelden folgen.
In dem dritten Abschnitt in Louisiana lässt sich nur das vermutlich erste Bordellschiff in einem PC-Spiel bewundern. Beziehungsweise die riesigen und detaillierten Raddampfer, die im strahlenden Sonnenlicht auf dem breiten Mississippi vor sich hin dümpeln. Im fertigen Spiel werden wir Sherlock Holmes außerdem noch in die Schweiz und nach Schottland begleiten dürfen. Doch egal wo wir uns gerade befinden. Immer lösen wir klassische Rätsel, in denen wir Fundstücke einsammeln, um sie später an anderer Stelle einzusetzen. Manchmal ist es notwendig in unsere Wohnung in der Bakerstreet zurückzukehren, um Objekte per Mikroskop und Bunsenbrenner genauer zu untersuchen. Wir befragen Zeugen und Verdächtige, deren Aussagen uns an neu Orte oder zu neuen Personen führen. Einige Rätsel lösen sich dabei quasi im Vorübergehen. Bei anderen ist unsere Kombinationsgabe gefordert. So befestigen wir eine Hakenhand an einer Schnur, um damit eine von innen verriegelte Tür zu öffnen. Wo in anderen Adventures mit einem Klick mit der Haken-Schnur-Kombination auf die verschlossene Tür Schluss ist, geht hier der Spaß weiter. Nach einem Perspektivenwechsel sehen wir die Tür von innen.
Von oben hängt unsere Schnur samt Haken ins Bild. Mit der Maus verändern wir die Höhe und lassen den Haken hin und her schwingen. Links davon ist der Riegel zusehen. Auf dem Boden steht ein Gewicht. Also lassen wir den Haken herunter, schnappen uns das Gewicht und schwingen es solange hin und her, bis wir den Riegel treffen und den Verschluss lösen. Diese Geschicklichkeitsübungen fallen noch etwas mühsam aus, da die Steuerung dabei nicht sehr präzise ausfällt.
Ansonsten gilt, Dinge werden erst benutzbar, wenn wir sie benötigen. So stolperten wir schon früh über eine im Gras liegende Leiter. Doch benutzen können wir sie erst, nach dem wir in unerreichbarer Höhe auf einer Mauer etwas wichtiges bemerkten. Und im Buchladen bekommen wir ein Buch über Maoris erst, nach dem wir wissen, das eben so jemanden suchen. So hangeln wir uns also an dem linearen Erzählfaden entlang, bis wir am Ende vor der entstellten Leiche eines vermissten Amerikaners stehen. Wie es danach weitergeht, erfahren wir und Sie im fertigen Spiel.