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Ninety-Nine Nights

Geschnetzeltes im Kampfkostüm

Veröffentlicht am Dienstag, 24. Oktober 2006 von Matthias Bogdanski

Ninety-Nine Nights will den Spieler fordern: Epische Schlachten, Unmengen von Gegnern und eine fesselnde Story werden versprochen. Nach dem Kampf ist zunächst eines sicher: Man braucht zwei Knöpfe, viel Ausdauer und nur wenig Grips.

Das Hack n` Slay Genre ist außerhalb Japans eine ähnliche Randerscheinung wie etwa Tanzmatten-Spiele. Beide Spielformen haben daneben höchstens noch gemein, dass sie dem Spieler jede Menge Ausdauer und Disziplin abfordern. Im Falle von Ninety-Nine Nights bedeutet das in erster Linie, auch nach einer halben Stunde in der Schlacht immer noch mit Pauken und Trompeten durch die Gegnerschar zu pflügen wie das Messer durch die warme Butter. Und so wird für Neueinsteiger im Schlachten schlagen das Kernprinzip des Spiels der größte Kritikpunkt. Denn abgesehen von furiosem Gekloppe auf unzählige Schergen muss sich der Spieler um nichts weiter kümmern. Das mag man oder man mag es nicht.

Story auf Sparflamme

In Ninety-Nine Nights wird man mit insgesamt sieben Charakteren auf die Schlachtfelder einer Fantasiewelt geschickt, um über kurz oder lang das Böse auszulöschen.  Die sieben Protagonisten werden im ausgesprochen schicken Intro vorgestellt, die Story hingegen wird nur in Textmitteilungen im Laufe der Missionen und während den Kämpfen weitererzählt. Das ist nicht nur uninspiriert und altbacken, sondern auch keinesfalls im Sinne der Sache. Denn wer mitten in einem Schwertkampf gegen Hunderte Gegner gleichzeitig noch Zeit hat, um im unteren rechten Bildschirmeck die Dialoge der Charaktere zu verfolgen, verdient wirklich Respekt. Oder Mitleid für seinen schwachen Kampfstil. So schlägt man, gestärkt durch Power-Ups und Zaubersprüche, im wahrsten Wortsinn die Gegner durch die Luft und lässt die Dialogboxen außer Acht. Problematisch ist das deswegen nicht, weil man für die kommenden Missionen nichts weiter wissen muss, als wo sich der Feind befindet.

Gegner soweit das Auge reicht

Wenn man mit seinem Krieger auf Microsofts Konsole der neuesten Generation in die Schlacht zieht, kann man einiges erwarten, was bis dato nicht möglich war. Riesige Gegnermassen, grelle Spezialeffekte und spektakuläre Animationen zum Beispiel.  Ersteres zumindest bietet „N3“ in toller Art und Weise. Im Vergleich zu früheren Pendants wie Dynasty Warriors ist die Anzahl der Gegner, die ohne Niedergang der Framerate gleichzeitig auf dem Bild zu sehen sind, wirklich beeindruckend. Hier hat das Spiel eindeutig seine Schokoladenseite. Ein schicker Tiefenunschärfe-Effekt und durchaus ansehnliche Farbenspiele während den Super-Attacken sind ebenfalls nett anzusehen. Doch besonders bei den Animationen der Gegner und der eigenen Armee kehrt Ernüchterung ein. Hölzern und monoton stapfen die Helden der zweiten Reihe durch die Lande und können froh sein, durch einen der unzähligen Hiebe und Attacken des Helden von ihrem ärmlichen Dasein befreit zu werden.

Hirn aus, die Schlacht beginnt

Ninety-Nine Nights bietet trotz seines Anspruches, eine „fesselnde Story“ zu erzählen, äußerst leichte Kost. Das merkt man besonders anhand der Spielsteuerung. Außer zwei Varianten der Attacke und einem Sprungknopf braucht sich der Konsolen-Krieger nichts weiter zu merken.  Die Möglichkeit, die eigene Armee zu steuern, kann man getrost außer Acht lassen. Denn im Endeffekt umzingeln die Kameraden nur die Feinde und warten in ihrer grenzenlosen Stümperhaftigkeit nur darauf, dass der Spieler ihnen ein weiteres Mal vor Augen führt, wie man sich des Bösen entledigt. Obwohl zahllose Klingen auf dem Schlachtfeld geschwungen werden, laufen die Kämpfe im Übrigen absolut unblutig ab. Das muss kein Nachteil sein, denn in der Unübersichtlichkeit der Gefechte kann man eigentlich froh sein, wenn nicht auch noch Körperteile durchs Bild fliegen.

Fazit

Nach den ersten Stunden „N3“ merkt man, dass das Spiel wirklich fordert.  Es ist schlichtweg anstrengend, in Kämpfen vom Ausmaße einer Fußballhalbzeit dauerhaft die Konzentration und Übersicht zu wahren. Darin liegt wohl der größte Reiz des Spiels. Leider trüben aber auch Effekte wie unsichtbare Wände den Spielfluss nachhaltig. Bei der Anzahl der Gegner auf dem Schirm spielt „N3“ mit den Muskeln. Alles andere ist deutlich ausbaufähig. Vielleicht in der nächsten Schlacht.

Pro und Kontra
+ Hunderte Gegner gleichzeitig auf dem Bildschirm
+ Motivierende Kombo-Angriffe und Spezialattacken
+ Einfaches Spielprinzip

- Schwache Präsentation der Story
- Kaum Abwechslung im Kampf
- "Hidden walls" und leichte Pop-Ups

Einzelwertungen
Spielspaß: 80 Prozent
Grafik: 82 Prozent
Akustik: 70 Prozent
Bedienung: 83 Prozent

Gesamt: 78 von 100 Prozent.