Veröffentlicht am Mittwoch, 18. Oktober 2006 von Marco Gödde
Fallen Lords: Condemnation versucht sich an der derzeit angesagten Mischung aus Action und Strategie, gewürzt mit einer Priese Rollenspiel. Zum einen steuern Sie einen einzelnen Charakter aus der Schulterperspektive, zum andern führen Sie bis zu 200 Mann starke Armeen in die Schlacht. Leider scheitert das Spiel von Novarama am eigenen Anspruch.
Mit einem markieren „Fallen Lords: Condemnation“ begrüßt Sie nach dem Spielstart das Hauptmenu. Ein Intro, das Sie in die Geschichte einführt fehlt leider. Statt dessen weisen deutsche Texte, von guten englischen Sprechern vorgetragen, in die einzelnen Kampagnen ein. Davon gibt es insgesamt drei. Sie haben die Wahl zwischen den Engeln, den toten Seelen und den Dämonen. Unterschiede zwischen den drei Rassen suchen Sie allerdings vergebens. Lediglich optisch gibt es entsprechende Differenzen. Jede der Parteien verfügt über drei Grundeinheiten, bestehend aus einfachem Kämpfer, starkem Krieger und flinkem Magier. Doch auch hier fehlt es an spürbaren Unterschieden.
Selbst zwischen Kämpfer und Krieger beschränken sich diese darauf, das der Krieger entsprechend mehr einstecken und stärker austeilen kann. Auch bei den Schlagvarianten, die Sie durch verschiedene Kombinationen aus rechter und linker Maustaste aufrufen können, gibt es Unterschiede zwischen Krieger und Kämpfer. Davon ist in den Kämpfen jedoch wenig zu spüren, da die Auseinandersetzungen meistens in wildes Geklicke ausarten. Zumal man oft einer Übermacht gegenübersteht. Bei den Zaubersprüchen gestaltet sich ein ähnliches Bild. Mit den WASD-Tasten, die ansonsten der Fortbewegung dienen, rufen Sie die zehn verschiedenen Sprüche auf. Dazu muss allerdings erst umständlich die rechte Maustaste gedrückt werden und dann während eines knappen Zeitfensters eine Kombination aus den vier Tasten gebildet werden. In Ermangelung einer Liste müssen Sie die Tastenfolgen selber suchen. Uns gelang es im Test lediglich zwei zu finden. Wobei uns eine bereits auf dem Trainingsplatz durch das Programm verraten wurde. Heilzauber führt der Magier selbstständig aus. Zumindest solange Sie nicht selber in seiner Haut stecken. Beim Zaubern verbrauchen Sie wie gewohnt Mana, das Sie durch Manaflaschen wieder auffrischen können. Sollten Sie mal keine Mananachschub finden, warten Sie einfach bis sich Ihr Vorrat wieder von alleine auffüllt. Nutzen Sie eines der Reittiere, müssen Sie auf das Sprechen von Zaubern versichten. Reittiere gibt es in zwei Ausführungen. Zum einen die kleinen, die Sie nur zur Fortbewegung nutzen. Zum anderen die großen, die zusätzlich mit Kanonen bewaffnet sind.
In einigen Missionen der streng linearen Kampagnen steuern Sie mehr als einen Charakter. So schnetzeln Sie sich mit dem Krieger durch Gegnerhorden. Während Sie mit dem Magier entfernte Schalter betätigen, um Durchgänge zu offnen und dem Krieger damit das Weiterkommen zu ermöglichen. Dazu wechseln Sie einfach per Tastendruck zwischen den Figuren hin und her.
An anderer Stelle führen Sie Truppen in die Schlacht. Auf Ressourcenab- und Basisaufbau müssen Sie dabei aber verzichten. Fallen Lords stellt Ihnen automatisch Truppen zur Verfügung, wenn es in den Missionen erforderlich ist. Nachschub gibt es keinen. Haben Sie ihr Kanonenfutter erst einmal verheizt, ziehen Sie wieder als Einzelkämpfer durch die Lande. Zwar können Sie Ihren Soldaten verschiedene Formationen zuweisen, doch spätestens beim ersten Feindkontakt lösen sich diese in Wohlgefallen auf. Generell zeigt die künstliche Intelligenz (KI) keine Glanzleistungen. Freund und Feind reagieren zwar auf Beschuss. Jedoch bleiben beide gerne an Ecken und Kanten hängen. Strategisch stößt Fallen Lords damit an seine Grenzen. Auch von den Rollenspielelementen bleibt wenig übrig. Die erste Mission der Engel-Kampagne biete immerhin den Hauch eines Rollenspiels, indem es für die Benutzung des Bogens die Stufe fünf in den Nahkampffähigkeiten verlangt. In den nachfolgenden Missionen merkt man davon aber nichts mehr. Zumindest können Sie für Ihren Protagonisten zwischen verschiedenen Waffen wählen. Allerdings ist die Auswahl arg begrenzt. Lediglich zwei Arten von Schwertern, Speeren, Bögen, Schilden und Äxten stehen zur Wahl. Jedoch nur, wenn sie zuvor von Gegnern oder eigenen Leuten fallengelassen wurden oder das Spiel sie Ihnen anbietet. Ab und zu hinterlassen überwältigte Gegner dringend benötigte Heiltränke. Die brauchen Sie auch, da der Schwierigkeitsgrad an einigen Stellen ziemlich happig ausgefallen ist.
Die, durch Zwischensequenzen in Spielgrafik erzählte Story dreht sich um den ewigen Kampf der drei Kriegsparteien um die Nachwelt. In den Missionen wechseln die Ziele häufig. Suchen Sie zu Beginn noch drei verschwundene Kinder, müssen Sie danach ein Mastodon der Engel an die Nahe Front, um kurz darauf die Angreifer zu bezwingen. Was dem Spiel bei Einheiten und Waffen an Abwechslung fehlt, macht es durch die vielfältigen Missionsziele wieder gut. Einige Level sind sogar Kampagnen übergreifend. So verteidigen Sie auf Seiten der Engel das Dorf Saint Charles, während Sie später auf Seiten der Dämonen das Dorf angreifen.
Das Dorf Saint Charles, angesiedelt im Frankreich des Jahres 1341, sieht mit seinen liebevoll gestalteten Häuschen recht idyllisch aus. Ansonsten lässt die Grafik sehr zu wünschen übrig. Die Texturen wirken unscharf, die Farben sind blass und den Figuren mangelt es an Polygonen. Die Landschaften der toten Seelen und der Dämonen sind kahl und leer. Nur in den Welten der Engel und Menschen gibt es Wälder. Diese haben aber leider das Problem, das die Bäume ständig die Sicht verdecken. Ein Perspektivwechsel ist nicht möglich. Sie schauen Ihrem Helden ständig über die Schulter. Selbst wenn Sie eine Armee kommandieren. Dadurch verlieren Sie Ihre Truppen schnell aus den Augen.
Auch bei den Effekten kann die Grafik nicht überzeugen. Lediglich die Animationen von Landschaft und Figuren sind in Ordnung.
Beim Sound bietet sich dagegen ein besseres Bild. Die Effekte sind gelungen. In den Wäldern zwitschern die Vögel. Durch die Wüsten weht ein kräftiger Wind. Die englische Sprachausgabe schwankt leider etwas im Niveau. Die Sprecher der Engel klingen bisweilen unmotiviert und eintönig. Dagegen sind die Sprecher der anderen beiden Gruppen abwechslungsreich und mit Spaß bei der Sache.
A
m Mehrspieler via LAN und Internet können bis zu zwölf Spieler teilnehmen. Dabei stehen Ihnen sechs Karten und drei Spielmodi zur Verfügung. Wobei nicht jede Karte in jedem Modus spielbar ist. Sie können zwischen Arena (simples Deathmatch), Conquest (Eroberung der gegnerischen Basis) und Battle (Schlacht zwischen zwei Armeen) wählen. Auf Grund eines fehlenden Serverbrowsers müssen Sie für ein Spiel über das Internet die IP-Adresse des jeweiligen Servers kennen. Fehlende Mit- beziehungsweise Gegenspieler können Sie durch bewegungsfaule Bots ersetzen.
Fallen Lords: Condemnation möchte drei Genres miteinander verbinden. Dabei geht den Rollenspielelementen auf halben Weg die Luft aus. Und der Strategieteil ist im Grunde gar nicht erst vorhanden. Die eigenen Truppen werden in den unübersichtlichen Schlachten viel zu schnell verheizt, als das man sie taktisch sinnvoll einsetzen könnte. So bleibt nur Actionteil als tragendes Element. Doch auch hier hapert es an vielen Stellen. Die verschiedenen Charaktere spielen sich allesamt gleich. Die für Abwechslung und Taktik sorgenden Combos ergeben sich in den wilden Klickorgien eher durch Zufall, als das sie gezielt eingesetzt werden. Auch die Wahl der Waffen fällt für einen Actiontitel viel zu bescheiden aus.
Unter dem Strich bleibt Fallen Lords ein durchschnittliches Spiel, das immerhin für unschlagbar günstige 15 Euro erhältlich ist. Somit verdient sich Fallen Lords trotz allem eine Empfehlung. Bietet es doch für diesen Preis genügend Abwechslung.
Pro und Kontra
+ günstiger Preis
+ kurze Ladezeiten
+ freies Speichern
+ erstaunlich bugfrei
- teils umständliche Steuerung
- schlechter Strategieteil
- grafisch nicht berauschend
- Figuren bleiben oft an Ecken und Kanten hängen
- unausgewogener Schwierigkeitsgrad
- schwacher Mehrspielerpart
Wertung
Spielspaß: 66 Prozent
Grafik: 54 Prozent
Akustik: 69 Prozent
Bedienung: 71 Prozent
Mehrspieler: 19 Prozent
Gesamt: 56 von 100 Prozent.