Veröffentlicht am Mittwoch, 18. Oktober 2006 von Matthias Bogdanski
Def Jam Fight for New York: The Takeover hat einen langen Namen, aber eine kurze Nachricht: Hau alle um und werde der härteste Hund in den Straßen New Yorks. Ob das nach den Konsolen auch auf der PSP gelingt, zeigt unser Test.
Nach dem Erfolg von Def Jam Fight for New York auf den Konsolen schickt Electronic Arts nun die Straßenschläger auf die PSP. „The Takeover“ heißt die Variante des Kampfspiels für Sony´s Handheld und lässt alle Routiniers in Def Jam weich fallen: An Spielweise und Story hat sich grundsätzlich nichts geändert. Auch in der mobilen Variante gilt es, sich mit schlagkräftigen Argumenten die Vorherrschaft in den New Yorker Spelunken und Hinterhöfen zu sichern. Bis man zum König des „Big Apple“ avanciert ist gehen einige bekannte Gesichter aus der Hip-Hop-Szene zu Boden. Für Atmosphäre und die nötige „Credibility“ sorgen lizenzierte Musik und Klamotten, die dem eigenen Kämpfer den nötigen Style verpassen sollen.
Kampfspiele und tiefgründige Storys wollen traditionell nicht so recht zusammen passen.
The Takeover bildet da keine Ausnahme und hält sich nicht mit verzwickten Vorgeschichten auf. Als kraftloser Prolet beginnt der Spieler im Story-Modus seinen Weg durch New Yorks schlimmste Ecken. Nach und nach schickt man die Gegner auf die Bretter und steigt zum König der Strasse auf. Das Prozedere ist dabei immer gleich: In kurzen Wortgefechten, die per Textdialog eingeblendet werden, klären die Kontrahenten kurz noch ab, wer in Kürze nur noch Sterne sieht. Dann beginnt die Keilerei, in der man sowohl die Zuschauer als auch herumliegende Gegenstände einsetzen kann, um dem Gegner die Grenzen aufzuzeigen. Nachdem die Fäuste gesprochen haben investiert man das gewonnene Geld in Klamotten, Juwelen oder Tätowierungen und geht Eisen stemmen für höhere Aufgaben. Am Ende der Karriereleiter hat man dann 68 Kämpfer und 24 Kampfplätze gesehen. Jeder, der Fight for New York auf PS 2, Gamecube oder Xbox gespielt hat, erlebt von Seiten der Story her nichts Neues auf der PSP.
Die eingängige Steuerung der Konsolen-Version war einer der größten Pluspunkte von Def Jam Fight for New York.
Auf der PSP ist die Kontrolle über den Kämpfer allerdings nicht ganz unproblematisch für diejenigen, die den Analogstick aus orthopädischen Gründen meiden. Nur mit dem Digitalpad geht es zwar auch, doch da die Richtungstasten teilweise doppelt belegt sind, lässt man in der Eile des Gefechts schon mal seinen Kämpfer wild provozieren anstatt dem Gegner den Rest zu geben. Auffällig ist, dass viele neue Bewegungen hinzugekommen sind. Trotz oder gerade wegen der Vielfalt der möglichen Griffe und Schläge beschleicht einen recht bald das Gefühl, als wenn der eigene Straßenschläger immer ein wenig träge daher kommt. Besonders am Boden liegend ist der Unterschied zur Konsolenvariante sehr deutlich. In diesen Momenten fühlt man sich hilflos und ausgeliefert. Auf subtile Weise könnte das natürlich auch Absicht der Entwickler gewesen sein.
Bei EA Canada hat man sich redlich Mühe gegeben, die PSP-Version so nahe wie möglich an den Konsolen anzusiedeln.
Im Hinblick auf Grafik und Sound ist das glänzend gelungen. Die Kämpfe laufen mit konstanter Bildwiederholrate ab und bieten grafisch feinste Kost. An der Akustik wurde auch nicht gespart: Die Sprachausgaben und Musikstücke klingen sehr gut, lediglich der Bass kommt PSP-bedingt etwas flach daher. Generell aber ist die Präsentation auf sehr hohem Niveau. „Bling-Bling“, wie man in der Szene wohl sagen würde.
Bei solch einer schicken Präsentation auf einem Handheld gibt es aber trotzdem einen Haken.
Und der sind die Ladezeiten: Zwischen den Kämpfen gibt einem das Spiel soviel Zeit, dass man sich selbst mit Stretching oder Trashtalk auf den Kampf vorbereiten könnte. Das ist nun mal die Kehrseite der Medaille. Unterm Strich überwiegen aber die positiven Eindrücke. Wer sich mit der Steuerung anfreunden kann und die Ladepausen in Kauf nimmt, hat sicher große Freude. Für volljährige Hip-Hop-Fans und Freunde der etwas raueren Prügelspiele gibt es ohnehin kaum einen Weg vorbei an The Takeover.
Pro und Kontra
+ Grafik sauber und detailreich
+ Soundkulisse und Musik sorgen für Atmosphäre
+ Langzeitmotivation durch viele Kämpfer und Spielmodi
- Ladezeiten
- Steuerung nicht so eingängig wie auf den Konsolen
Wertung
Spielspaß: 89 Prozent
Grafik: 90 Prozent
Akustik: 88 Prozent
Bedienung: 82 Prozent
Mehrspieler: nicht getestet
Gesamt: 86 von 100 Prozent.