Veröffentlicht am Donnerstag, 14. September 2006 von Qiong Wu
Wieder einmal bringt Publisher dtp ein neues Point & Click Adventure auf den deutschen Markt. Diesmal dürfen sich Spieler auf ein Abenteuer im tropischen Mauranien freuen. Benoit Sokal, der bekannte Comic-Künstler, hat nach dem eiskalten Sibirien nun das geheimnisvolle Afrika als Handlungsort für sein neuestes Abenteuer erwählt.
Verloren in Afrika
Mauranien, ein fiktives Königreich in Afrika, befindet sich in der Krise.
Rebellen überfallen das Land und der König Mauraniens, Rodon, sieht sich in einer schier ausweglosen Situation. In seiner Not klammert er sich an den letzten Wunsch: Seine seit zehn Jahren in Europa lebende Tochter Ann Smith zu sehen.
Diese willigt zwar ein, ihren Vater zu besuchen, doch die Anreise mit dem Flugzeug gestaltet sich schwieriger als erwartet. Das Flugzeug stürzt ab und Tochter Ann verliert dabei das Bewusstsein. Als sie wieder erwacht, findet sie sich in einem Palast wieder - als gefangener Gast des dort lebenden Prinzen.
Zu allem Unglück hat Ann seit dem Absturz des Flugzeugs ihr Gedächtnis verloren und sucht nun verzweifelt zuerst einen Weg aus dem Palast, den Grund ihrer Reise in das Land Mauranien und ihre wahre Herkunft.
Die Geschichte der Ann Smith, die ihre Vergangenheit sucht, ist durchaus eine packende. Von Anfang bis Ende rätselt der Spieler stets über das, was Ann Smith noch passieren wird und darüber, wie sie den Weg zu ihrer Vergangenheit findet.
All das ergibt abgerundet mit einem dramatischen Ende eine sehr schöne Geschichte, die zwar im Gegensatz zu Syberia nicht ganz so verträumt ist, der von Syberia aber ansonsten in nichts nachsteht.
Paradise hebt sich grafisch nicht besonders von Genrekollegen ab. Die Protagonistin wirft undynamische Schatten und spiegelt sich im Wasser.
Zu bemängeln wäre die absolut starre Mimik der Figuren und auch die Bewegungen der Charaktere lässt zu wünschen übrig. Sie wirken abgehackt und allzu künstlich. Die Umgebungen sind gewohnt schön gezeichnet, wie man es von Benoit Sokal bereits kennt. Wie auch in Syberia gibt es in Paradise eine Vielzahl merkwürdiger Wesen und obskurer technischer Geräte zu entdecken.
Insgesamt setzt Paradise in Sachen Grafik sicher keine neuen Meilensteine sondern bietet sehr schön gezeichnete Szenarien und fantastische Figuren im technisch eher mäßig umgesetzten Gewand.
Das Spiel steuert sich in gewohnter Point & Click Manier, nur manchmal lässt sowohl die Wegfindung als auch das Hervorheben besonderer Aktionspunkte zu wünschen übrig. Hotspots wurden ab und an nämlich an nicht eindeutige Stellen platziert.
Der extrem nervige und alles andere als eindeutige Mauszeiger trägt außerdem zusätzlich zu der Mehrdeutigkeit mancher Hotspots bei, da dieser keine eindeutige Spitze hat und durch seine runde Form alles andere als sinngemäß gestaltet wurde.
Was das Suchen von Gegenständen und das geschickte Anwenden dieser angeht, ist Paradise mit Syberia durchaus vergleichbar. Was auf der einen Seite bedeutet, dass manche Gegenstände höllisch schwer zu finden sind, auf der anderen Seite aber auch einen größeren Spielspaß verspricht und besonders Genreveteranen eine Freude machen wird.
Auch besondere Interaktionsmöglichkeiten sind so gut versteckt, dass sie teilweise oder ganz im Hintergrund untergehen und nur sehr schwer mit dem Auge zu finden sind. Auch sind manche Kombinationen nicht ganz nachvollziehbar und nur durch ausprobieren herauszufinden.
Paradise zeigt in punkto Gameplay, abgesehen von der Steuerung eines zweiten Charakters, des Panthers, ansonsten keine wirklich grundlegenden Neuerungen. An manchen Stellen wurde auch teilweise sehr viel eingespart. So gibt es etwa nur zu sehr wenigen Gegenständen eine extra Beschreibung, was insgesamt zu dem Eindruck führt, dass Paradise etwas lieblos bearbeitet wurde.
Paradise ist insgesamt gesehen ein schönes Point & Click-Adventure, das technisch sowohl in grafischer als auch in steuerungstechnischer Hinsicht zwar kaum überzeugt, dies aber durch eine schöne und durchdachte Story wieder wettmachen kann.
Da es im Point & Click Genre ohnehin eher um eine schöne Geschichte geht, kann dieses Spiel Freunden des Genres mit gutem Gewissen ans Herz gelegt werden.
Pro und Kontra
+ Gute und durchdachte Story
+ Schöne Atmosphäre kommt auf
+ anspruchsvoller Schwierigkeitsgrad
- eher mäßige Charaktergrafik
- teilweise sehr schwer zu findende Hotspots
- unpraktische Steuerung durch unpraktischen Mauszeiger
Wertung
Spielspaß: 87 Prozent
Grafik: 66 Prozent
Akustik: 80 Prozent
Bedienung: 60 Prozent
Mehrspieler: nicht vorhanden
Gesamt: 71 von 100 Prozent.