Veröffentlicht am Freitag, 11. August 2006 von Frederic Schneider
Hier gibt sich Groß und Klein gut eine Woche lang ein Stelldichein: Leipzig begrüßt auch 2006 wieder die Spieler. Höher, schneller, weiter - neben einer größeren Ausstellungsfläche, soll der Besucherrekord vom letzten Jahr (134000) geknackt werden.
Nach der eher enttäuschenden E3 im Mai gehen in den USA bereits erste Gerüchte um, dass im nächsten Jahr außer dem alten Namen nichts mehr an die E3 erinnere. Leipzig könnte davon profitieren. Der weltweit schlechte Ruf der deutschen Entwicklerbranche ändert sich von Jahr zu Jahr immer mehr zum Guten. Neben internationalen Hits wie FarCry und der Entwicklerförderungen in Hamburg, hat vor allem die Games Convention einen großen Anteil daran. Publisher investieren Tausende in ihren Messeauftritt; inzwischen werden auch Designergrößen eingeflogen. Mehr als eintausend Journalisten haben in diesem Jahr ein Auge auf die Neuheiten. Manch einer begutachtet die Babes - werden sie nicht auch immer hübscher?
Um der E3 den Rang ablaufen zu können, bedarf es im sächsischen Leipzig besonders Highlights. Die Zeit für Diablo 3 oder StarCraft 2 wäre reif. Ein erster Schritt ist getan: Auf der GC darf erstmals Nintendos NextGen-Konsole Wii ausprobiert werden.
Auch sonst macht sich Europas größte Spielemesse. Crytek, inzwischen nach Frankfurt am Main gezogen, zeigt seinen neusten Shooter Crysis. Der war kürzlich Thema im Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL. Zwei weitere Millionen-Produktionen aus Deutschland werden gezeigt: Das neue Anno - Anno 1701, und Paraworld, die Dinos aus der Hauptstadt.
Aber auch Branchenriese Electronic Arts freut sich, einen Ersatz zur E3 gefunden zu haben. Gezeigt werden Need for Speed: Carbon und Battlefield 2142 sowie der Fussball Manager 2007 FIFA 2007, Herr der Ringe: Schlacht um Mittelerde 2 - verkommt die GC zum Massenprodukt? Macht die Messeleitung nicht den gleichen Fehler wie die E3 - aller Euphorie zum Trotz?
Valve Software kommt auch, um die Half-Life 2-Erweiterung "Episode 2" zu zeigen. Electronic Arts (EA) wird sich um die Präsentation des Spieles kümmern. Valve-Chef Gabe Newell ist auch da, aber woanders: Am Fachbesuchertag, einen Tag vor der Eröffnung der Messe - Mittwoch -, geht er fremd; er wird nicht bei EA sein, sondern bei UbiSoft. Das neuste Might & Magic-Spiel nutzt seine, die Source-, Engine. Er wird sie präsentieren, der Presse, den hunderten von Menschen, die später schreiben, online und in Zeitschriften, Gabe war auf der Games Convention. Das macht die Messe gleich wichtiger und Newell kann später behaupten, er wäre von Anfang an für sie gewesen. Gabe Newell ist Games Convention, EA auch. Verkommt die GC zum Massenprodukt?
Ansonsten nützt die Messe der Selbstdarstellung kleiner Publisher. Hier können sie einem breiten Publikum ihr Spiel zeigen. Ja, und wer weiß - vielleicht wird das Spiel während der Messe erwähnt, auf GameSpy, IGN und Konsorten; die Global Player im englischsprachigen Raum; Spielejournalismus für die Massen.
Es wird ein Bild sein, das die Verantwortlichen glücklich macht: Strömende Massen, vielleicht ein neuer Besucherrekord, die Presse, das Fernsehen, was von der Messe berichten wird. RTL zum Beispiel, im Nacht Journal, wie letztes Jahr; oder das Online-Angebot vom Stern. Sie alle machen die GC salonfähig. Verkommt die GC zum Massenprodukt? Die Frage ist gut, die Antwort auch - wenn wir sie kennen würden.
Spiele, Spiele, Spiele - und mitten drinnen: GamePorts. Wir sind fünf Tage vor Ort in Leipzig, um uns alle Neuheiten anzuschauen. Wir bringen Ihnen die Games Convention (GC) nach Hause: Reportagen und Tagebücher spiegeln unsere Eindrücke wieder. Damit Sie nichts verpassen.