Veröffentlicht am Donnerstag, 13. Juli 2006 von Patrick Wieth
Der Name verrät es bereits – es kann sich nur um weiteres Strategiespiel zum Zweiten Weltkrieg handeln. Sie spielen in erster Linie Russen und Alliierte. Nachdem Sie eine Kampagne geschafft haben, dürfen Sie auch die Deutschen spielen. Hierbei kommt es zum Aufeinandertreffen von 60 mehr oder weniger bekannten Einheiten des Zweiten Weltkriegs, wie zum Beispiel den effektiven T-34, den deutschen Panther und natürlich auch den Sherman. Der Spielverlauf ist auch nichts Neues, denn der Spieler kämpft sich bei Alliierten und Russen bis ins Herz Deutschlands vor.
Gut gelungen sind auch die Offiziere, die in keiner Weise übertrieben sind und tatsächlich Unterstützer darstellen, wie das in einem balancierten Strategiespiel auch der Fall sein sollte. Trotzdem gibt es Unterschiede zwischen den Offizieren untereinander,
dabei kommen vor allem die Alliierten am schlechtesten weg. Der Nachschuboffizier ist hier besonders schlecht, aber auch der Kommunikationsoffizier und der SAS-Offizier können nicht mit starken Generälen der anderen Parteien mithalten. So hat Deutschland drei gute Generäle, ein Panzerass mit dem die Fahrzeuge sehr stark unterstützt werden und einen Pionier, der der Blechlawine dann das Sahnehäubchen aufsetzt. Hinzu kommt noch der Volkssturmoffizier, der mit guten Fertigkeiten die Infanterie verstärkt. Demgegenüber steht nur der Bodenoffizier der Luftwaffe, der zwar gute Aufklärung auf Stufe 3 bietet, aber sonst nicht viel zu bieten hat.
Auch die Sowjets haben wieder drei gute Generäle und nur mit dem Kommissar einen etwas schwachen Infanterieoffizier. So haben die Briten zwar den SAS-Offizier und den Ranger, aber die ersten beiden Fertigkeiten des ersteren stehen der schlechten Stufe 3 Fähigkeit des Rangers gegenüber.
Abgesehen davon, dass die gewöhnlichen Infanteristen ein etwas zu glückliches Händchen haben, hat uns das restliche Balancing sehr gut gefallen. Ferner haben die Entwickler einen Teil des Realismus aufgegeben, um das ganze spielbarer zu machen. Denn die angesprochenen Infanteristen schaffen es ohne Verluste Haftminen anzubringen, die relativ stark explodieren. Die Krönung stellen die Hunde der schweren Infanterie dar. Sie laufen unversehrt zu gepanzerten Fahrzeugen, verursachen dort eine große Explosion und kehren dann gemütlich und unversehrt zurück. Abgesehen davon sind, auch die Sanitäter sehr stark, denn mit ihrer Unterstützung können Fußtruppen stundenlangem Beschuss standhalten.
Der eine oder andere wird sicher auch darüber streiten, ob Artillerie nicht zu stark geworden ist, aber anhand der Preise und Bauzeiten derselben ist auch das vertretbar.
Trotzdem gibt es auch Neuheiten, die lediglich versprochen werden. So ist es im Test nicht gelungen, den Sinn der „Ressource“ Zeit zu verstehen, die ständig angepriesen wird. Auch finden sich keine wirklichen dynamischen Schlachten, mehrfaches Durchspielen ergibt wenig Sinn. Gefallen hat uns im Test hingegen der Schwierigkeitsgrad. So hatten wir keine langweiligen Missionen, die sich einfach durchspielen lassen - und mit massenhafter Einheitenproduktion, wenn sie überhaupt noch möglich ist, kommt man auch nicht besonders weit.
Alles in allem hat uns Rush for Berlin spieltechnisch sehr gut gefallen. Es ist zwar nicht revolutionär für das Genre, aber es macht Spaß und langweilt nicht. Ein Wermutstropfen bleibt aber die KI, die ihren Namen nicht verdient, da sie sich immer gleich verhält und es eigentlich nur Sinn macht, wenn man langsam und sicher vorrückt.
Optisch ist Rush for Berlin auch keine große Neuerung, was daran liegt, dass auch keine neue Engine verwendet wurde. Aber das Spiel sieht überzeugend aus, auch wenn manche Proportionen nicht ganz stimmen, passen dafür Effekte und Explosionen gut rein. Denn sie sind nicht zu groß geraten sind, aber sie gehen auch nicht zwischen Schützengräben und Ruinen unter. Auf Entfernung besticht die Grafik noch, auch wenn sich in der Nahansicht deutlich sehen lässt, dass alle Einheiten gleich aussehen. Doch da es sich hier um ein Strategiespiel und nicht um ein Rollenspiel dreht, bleibt die Spielatmosphäre trotz allem erhalten.
Akustisch erfüllt das Spiel die Erwartungen. So hört man die typische militärische Musik des Zweiten Weltkrieges. Diese ist aber keineswegs nervig, sondern passt sehr gut. Auch hier sind die Explosionen gut geworden. Die Atmosphäre wird gut durch den Sound unterstützt.
Mir gefällt Rush for Berlin gut. Insgesamt ein solides Strategiespiel, das zwar taktisch nicht in die Tiefe geht, aber die nötigen Elemente gut umgesetzt hat.
Trotzdem denke ich, dass Interessierte des Weltkriegsszenarios zwar auf ihre Kosten kommen, aber kaum Neues sehen, denn die meisten Einheiten sind bekannt und die Missionen sind natürlich auch keine Ausnahmefälle. Hier stellt die Nebenkampagne mit den Franzosen allerdings eine kurze Ablenkung von den bekannten Schauplätzen.
Einzelwertung
Grafik: 85 Prozent
Akustik: 79 Prozent
Bedienung: 89 Prozent
Singleplayer: 86 Prozent
Multiplayer: 78 Prozent
Gesamtwertung
84 von 100 Prozent