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King Kong

Affentheater im Urwald

Veröffentlicht am Freitag, 16. Dezember 2005 von Matthias Bogdanski

Mittlerweile ist es zur Gewohnheit geworden: Sobald ein potentieller Spielfilm-Hit in die Kinos kommt, lässt das Spiel zum Film nicht lange auf sich warten. Leider erreichen die Versoftungen der Hollywood-Streifen nur selten das Niveau ihrer Leinwandvorbilder. „Peter Jackson's King Kong“ will beweisen, dass ein Spiel zum Film manchmal besser ist, als sein Ruf.

Das Abenteuer startet mit großen Vorschusslorbeeren in den Laufwerken von PC und Konsole. Peter Jackson war nicht nur Regisseur, Produzent und Drehbuchautor des drei Stunden langen Kinofilms, er entschied auch, wer das Spiel realisieren sollte. Das Team von UbiSoft Montpellier um den französischen Spiel-Designer Michel Ancel, der auch für „Beyond Good & Evil“ verantwortlich zeichnete, bekam schließlich die Aufgabe, die Atmosphäre des Blockbusters im Spiel wieder zu erschaffen. Es sollte ihnen auf beeindruckende Weise gelingen.

Auf zur Schädelinsel

 Das Spiel startet mit einer Sequenz aus dem Kinofilm, in der Carl Denham, der von Jack Black verkörpert wird, in New York nach einer neuen weiblichen Hauptrolle für seinen neuen Film sucht. Als er schließlich bei Ann Darrow fündig wird, reist der Spieler als Crew-Mitglied Jack Driscoll per Schiff zur sagenumwobenen Skull Island. Dort sollen sich riesige Tiere aus Urzeiten aufhalten. Dieser Verdacht wird sich später auf fatale Weise bestätigen. In der Brandung vor Skull Island wird der Spieler dann ins kalte Wasser geworfen. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Die erste Spielszene erlebt man als hilfloser Passagier in einem Beiboot, das in der stürmischen See vor dem Eiland zu Wasser gelassen wurde. Während der Regen und hohe Wellen um die Nussschale peitschen, ist Regisseur Carl Denham nur mit seiner Kamera beschäftigt. Wie im filmischen Vorbild hat der Exzentriker auch im Spiel nur seine Arbeit im Kopf und schert sich nicht um die Gefahren. Schon in diesen ersten Eindrücken wird deutlich, wie viel Wert auf die Charakterdarstellung der Figuren gelegt wurde.
Die Beiboote werden schließlich Opfer der Brandung und zerschellen an den Felsen der Insel. Jack wacht am Strand auf und muss auch schon dem Regisseur hinterher eilen. Zunächst gilt es, die Crew wiederzufinden, die bei der verunglückten Landung getrennt wurde. Dankenswerter Weise bekommt Jack sofort eine Pistole zugeworfen, um sich gegen die ersten auftauchenden Tiere zu wehren. Denn auf Skull Island ist die Fauna nicht nur auf Menschen äußerst schlecht zu sprechen, sondern auch größer und mächtiger als alles, was die Truppe aus New York bisher kannte - Urzeit eben. Von nun an beginnt der gefährliche Dschungeltrip für die Großstädter.

Am Ende der Nahrungskette

 Schon nach dem ersten Gefecht gegen eine Horde Riesenkrabben hat man Vertrauen in die eingängige Steuerung gefunden. Allerdings sei jedem wärmstens empfohlen, zumindest das Fadenkreuz in den Optionen des Spiels zu aktivieren, um nicht die gesamte Munition in die Botanik zu feuern. Ansonsten kommt „King Kong“ ohne jegliche Bildschirmanzeige aus. Dadurch fühlt sich der Spieler wie in einem Film; es ist, als würde man die Handlung des Streifens selbst erleben. Während man sich immer weiter in den Dschungel vorkämpft, spannt das Spiel einen exzellenten Spannungsbogen. Überall lauern Gefahren und es bleibt kaum ein Moment zum Ausruhen. Es raschelt gleich neben Jack oder urplötzlich tappt die Crew in eine Sackgasse und sieht sich einer Rotte Dinosaurier gegenüber. Diese sind, wie alle Charaktere und Tiere im Spiel, sehr realistisch animiert. Die bedrückende Dschungelatmosphäre erinnert sehr an „Jurassic Park“ und erweckt im Spieler das Gefühl, ständig gejagt zu werden. Zwar wird die Filmcrew von allen Viechern bedroht, doch wenn Jack einen Flugdrachen vom Himmel holt, ziehen die übrigen Angreifer diese Beute vor und die Flucht gelingt. Im Dschungel ist sich jeder selbst der nächste.

Es gibt immer (nur) einen Weg

 Zu allem Überfluss verliert die Gruppe die Hauptdarstellerin Ann aus den Augen und macht sich auf die Suche nach ihr. Dabei wird Jack immer wieder durch versperrte Tore oder andere Hindernisse aufgehalten. Dann muss ein Pflock gesucht werden, um das Tor zu öffnen, oder ein entzündeter Speer brennt die hinderlichen Dornen nieder. Diese simplen Schlüsselrätsel sind die größte geistige Herausforderung, die an den Spieler gestellt wird. Das wäre halb so schlimm, schließlich hat man mit der Bekämpfung der Inselbewohner genug zu tun. Das große Manko ist, dass sich die Probleme ständig wiederholen. Zudem ist der Weg über die Insel sehr linear. Verlaufen kann sich keiner, denn es gibt immer nur einen Weg - bis zum nächsten Tor, dem ein Holzpflock fehlt. Die wahre Stärke des Spiels liegt woanders.

Der gespielte Film

 Die große Stärke von „Peter Jackson's King Kong“ ist die Atmosphäre. Der Dschungel ist sehr stimmungsvoll gestaltet. Die Musik passt in jeder Situation und wird dramatischer, wenn beispielsweise ein Tyrannosaurus zur Jagd ansetzt. Wird Jack einmal durch einen Angriff verwundet, hört man den Herzschlag, der Bildschirm pulsiert in roten Farben. Dazu erklingt ein Gesang, der den Spieler langsam auf den Weg ins Jenseits vorbereitet. Zusammen mit den hervorragenden Stimmen der Charaktere läuft vor den Augen des Spielers die Handlung dann geradezu filmisch ab. Die Geräuschkulisse des Dschungels ist in „King Kong“ ebenfalls schlichtweg grandios. Das Rauschen von Wasserfällen, das dumpfe Stampfen von riesigen Dinos oder der prasselnde Regen passen zur Atmosphäre. Ebenso ist die Sprachausgabe eine wohltuende Ausnahme unter den vielen Titeln mit wortkargen Helden. Sowohl Jack, als auch die anderen Charaktere äußern sich nicht mit immer wiederholenden Wortfetzen, sondern können beispielsweise in mehreren Versionen schreien, dass mal wieder die Munition zur Neige geht. Das ist wohl Hollywood. Akustisch steht allerdings eine Figur des Spiels über allen anderen - der König des Dschungels: King Kong.

Vorhang auf fürs Affentheater

Der Auftritt des Riesenaffen, der die blonde Ann aus den Fängen der menschlichen Ureinwohner befreit, ist einer der Höhepunkte des Spiels. Das infernalische Gebrüll von King Kong lässt den Spieler unweigerlich das Joypad festkrallen. Die Perspektive kehrt sich nun erstmals um. Hatte man eben noch dem Affen hinterher gejagt, so schlüpft der Spieler jetzt selbst in die Rolle des Dschungelkönigs. Im Gegensatz zur Ego-Sicht, in der Jack durch die Urwelt kämpft, sieht der Spieler den Affen leibhaftig vor sich, wenn er ihn steuert. Das ist auch gut so, denn die Sequenzen, in denen man als King Kong die zierliche Ann vor den Urviechern beschützt, sind opulent in Szene gesetzt. Die Animation von King Kong ist ein Augenschmaus und lässt Kollegen wie Donkey Kong oder Aiai vergessen.

Unangenehme Überraschungen

 Bis zum großen Finale auf dem Empire State Building in New York begleitet man allerdings meist Jack durch die Wildnis. Zwar ist dessen Steuerung nicht so schwerfällig, wie die des Affen, hat aber dennoch einen großen Nachteil. Oft attackieren Gegner urplötzlich von der Seite, weil die Übersicht verloren ging. Solch unangenehmen Überraschungen passieren besonders dann, wenn sich Jack gleich mehreren Widersachern gegenüber sieht. Ärgerlich ist auch, dass die Widersacher allzu deutlich nach Script auftauchen. So wird man in einem langen Korridor beispielsweise erst dann angegangen, wenn ein bestimmter Punkt passiert wurde. Das wurde in anderen Titeln eleganter gelöst.

Fazit

 „Peter Jackson's King Kong“ lässt die Grenzen zwischen Film und Spiel verwischen. Durch die erstklassige Atmosphäre erlebt man das Dschungeldrama sehr intensiv. Die simplen Rätsel und der lineare Levelaufbau sind dagegen die größten Schwachpunkte des Titels. Darüber kann hinweg sehen, wer sich durch die exzellent erzählte Geschichte führen lassen und zu Hause seinen ganz eigenen Film durchspielen will. Kurz gesagt ist „Peter Jackson's King Kong“, wie der Riesenaffe selbst: Groß, beeindruckend, stimmungsvoll und manchmal etwas simpel.

Pro und Contra
+ Detaillierte Charaktere
+ Beeindruckende Animationen
+ Ohne Inventarsymbole filmischer Eindruck
+ Geräusche und Musik passend und stimmungsvoll

- Simple Schlüsselrätsel
- Linearer Levelaufbau
- Wenig Abwechslung

Einzelwertungen:
Spielspaß: 90 Prozent
Grafik: 90 Prozent
Akustik: 93 Prozent
Bedienung: 87 Prozent

Gesamtwertung
91 von 100 Prozent.