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Call of Duty 2

Ohne ruhige Momente

Veröffentlicht am Montag, 14. November 2005 von Fabian Gless

Wir haben es in Filmen wie „Der Soldat James Ryan” gesehen, wir haben es in Spielen wie „Medal of Honor“ oder „Panzers“ gespielt. Etliche Male haben wir schon den Zweiten Weltkrieg gegen die faschistischen Deutschen gewinnen dürfen. Haben wir es deswegen satt? - Nein, noch lange nicht! Call of Duty 2 von Infinity Ward schickt Sie als Amerikaner, Russe oder Engländer in die Wüste, nach Russland oder ins schöne Frankreich, um die Welt, wieder einmal, vor den Deutschen zu beschützen. Lesen Sie hier, was der neue Weltkriegsshooter taugt.

Kopf runter!

Copyright Fabian Gless; CoD2Call of Duty begeisterte die Spieler mit einer Atmosphäre, die damals ihres Gleichen suchte. An dieser Tatsache hat der Entwickler nichts geändert. Call of Duty 2 bietet wieder die beste Schlachtfeldatmosphäre, die Sie derzeit auf dem PC erleben können. Anders, als Sie sich fühlen werden, wenn sie dem Feind bei der berühmten Ponte du Hoc gegenüberstehen, werden sich die Soldaten damals auch nicht gefühlt haben. Die atemberaubende Grafik trägt ihren Teil dazu: Explosion und Raucheffekte sehen fantastisch aus, sodass Sie sich das ein oder andere Mal die Augenreiben werden, wenn Ihnen in der Wüste der Sand um die Ohren fliegt. Bei den Charaktermodellen und deren Animationen hat Infinity Ward ein Meisterwerk vollbracht. Alle Soldaten und deren Ausrüstung sehen, dank Bumpmapping, so perfekt aus, das wir jede Falte im Hemd und jede Kleinigkeit an der Ausrüstung unserer Vordermänner erkennen können. Alle NPCs (Non-Player-Characters, nicht vom Spieler selbst gesteuerte Charaktere) und Gegenstände werfen realistische Schatten, nur die Boden- und Wandtexturen sehen teils trist und grau aus. Die Level sind atmosphärisch gestaltet und mit Liebe zum Detail erstellt worden. Die Animationen der Soldaten sind flüssig und glaubwürdig. Wenn Sie einem Soldaten mit einem Streifschuss den Helm vom Haupt entfernen, schaut sich dieser verwirrt um und fasst sich an den Kopf, um sicher zu gehen, dass, bis auf den Helm, noch alles dran ist.

Durchatmen?

Copyright Fabian Gless; CoD2Ruhige Momente gibt es so gut wie keine in Call of Duty 2. Ständig strömen neue Gegnermassen auf Sie zu, leider oft auch unrealistisch viele. Das ist nicht nur nervig, sondern auch unfair: Sie säubern mit Ihren Kameraden, gezielten Schüssen und Granaten ein Haus von den Deutschen. Wenn Sie nun einen Fuß hineinsetzen, bekommen Sie sofort neues Blei von den plötzlich neu erschienenen Gegnern zu schmecken, das sorgt für den einen oder anderen Frustmoment. Auch etwas Unrealistisch: Es passen keine 120 Soldaten in eine kleine Blockhütte.
Die KI (künstliche Intelligenz) in Call of Duty 2 ist dafür aber gelungen. Die vom Computer gesteuerten Schlachtteilnehmer benehmen sich fast schon wie menschliche Mitspieler. Während der Schlachten werden Ihnen immer wieder Befehle oder Informationen wie „Feinde, in der nähe der Kisten im Südosten von uns“ zugerufen. Aber auch Ihre Feinde sind nicht stumm. So bekommen wir als Russe zum Beispiel Sachen zu hören wie :„Da sind die Kommunisten Schweine“. Ihre Kameraden suchen, genau wie Ihre Feinde, Deckung, werfen sinnvoll Granaten, geben Sperrfeuer und treffen zielsicher. Manchmal scheinen die Feinde jedoch zu schlafen: Es kommt vor, dass Feinde nicht auf Beschuss reagieren oder regungslos stehen bleiben, auch wenn wir mit erhobenem Gewehr vor ihnen stehen. Dies ist aber zum Glück die Ausnahme.

Ach, is' doch nur 'ne Fleischwunde

Copyright Fabian Gless; CoD2Die wohl größte Änderung in Call of Duty 2 ist der fehlende Gesundheitsbalken. Ein Treffer in Kopf oder Herz ist sofort tödlich, kleinere Treffer verheilen jedoch nach kurzer Zeit wieder. Das ist zwar sehr spielerfreundlich, weil das lästige Medikitsuchen entfällt, nimmt dem Ganzen aber einiges an Realismus. Diese scheinbare Unverwundbarkeit nützt Ihnen aber auch nichts, wenn Sie offen in eine feindliche MG-Stellung laufen, weil Sie auch nach vielen aufeinanderfolgenden Schüssen zu Boden gehen. Auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad ist dieses neue System wie ein Unverwundbarkeits-Cheat, auf dem letzten schießen ihre Widersacher so genau, dass Sie meistens nach zwei bis drei Schüssen das Zeitliche segnen.
In Call of Duty 2 fehlt ein Ragdoll-System, d.h. die Gegner sterben in vorbereiteten Animationen. Die wirken allerdings nach einiger Zeit etwas eintönig.

Es lebt...

Schon im Vorgänger waren Sie der Schlüssel für die großartige Atmosphäre: Skriptsequenzen. Auch im zweiten Teil strotzen die Schlachten mit solchen Ereignissen. Auf dem Weg durch eine stillgelegte Ölpipeline sehen wir plötzlich Einschusslöcher auf uns zukommen. Licht dringt durch die neuen Öffnungen und wir sehen, wie unsere Kameraden vor uns, genau wie die Pipeline, durchlöchert werden. Im Gegensatz zu Call of Duty sind die Levels im neuen Teil weniger linear. Es gibt mehrere Wege zum Ziel, Gefechte sind aber unumgänglich.

Horcht!

Der im wahrsten Sinne des Wortes bombastische Sound ist das i-Tüpfelchen im Spiel. Im Surround-Sound fliegen uns Kugeln um die Ohren und von links und rechts dringen Kriegsschreie in Ihr Ohr. Die ebenfalls sehr guten Waffensounds wurden sogar mit echten Waffen aufgenommen. Die orchestrale Musikkulisse in Call of Duty 2 passt sich den Situationen an und ruft noch einmal mehr Emotionen hoch und sorgt für noch bessere Atmosphäre.

Fazit

Copyright Fabian Gless; CoD2Eigentlich ist mir die Lust am Zweiten Weltkrieg vergangen. Zu oft habe ich mit Russland, Amerika oder England den Sieg errungen. Doch Call of Duty 2 überredet mich mit fantastischer Atmosphäre und über jeden Zweifel erhabener Grafik noch einmal, das Gewehr auszupacken und den Deutschen zu zeigen, wo der Hammer hängt. Wer auch nur ein bisschen für Shooter übrig hat, sollte sich dieses Spiel nicht entgehen lassen.

Einzelwertungen
Grafik: 93 Prozent
Akustik: 90 Prozent
Bedienung: 85 Prozent
Spielspaß: 92 Prozent

Gesamtwertung
91 von 100 Prozent.