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Battlefield 2

Der Langzeittest

Veröffentlicht am Freitag, 15. Juli 2005 von Marco Gödde

Am 23. Juni war es soweit. Das lang ersehnte Battlefield 2 stand in den Händlerregalen. Doch statt gleich am ersten Tag einen Test zu veröffentlichen, nahmen wir uns die Zeit und unterzogen dem nun mehr dritten Teil der Battlefield-Reihe einem ausführlichen Dauertest. Ob der neue Mehrspielertitel auch auf Dauer zu begeistern versteht, was der neue Commandermodus wirklich taugt und welche Verbesserungen der erste Patch bringt, haben wir in den letzten drei Wochen für Sie herausgefunden.

Durch Sümpfe und Wüsten
© bei dem jwg. Hersteller dieses ScreenshotsNachdem wir uns bereits erfolgreich durch die Demo von Battlefield 2 und den Strand im Golf von Oman eroberten, war es nun an der Zeit, auch die restlichen elf Karten und mit China die dritte Kriegspartei in Augenschein zunehmen. Gekämpft wird zum einen in den engen Gasse orientalischer Städte (Strike at Karkand), den weiten Ebenen eines Flussdeltas (Zatar Wetlands) oder in den tiefen Schluchten des asiatischen Hochlands (FuShe Pass), dann wieder in den nebeligen Sümpfen Chinas (Songhua Stalemate). Alle Karten sind abwechslungsreich gestaltet. Keine Region gleicht der anderen. Dabei sind die Amerikaner die einzige Partei, die auf allen Karten vertreten ist. Die MEC (Koalition des Mittleren Ostens) nimmt auf sieben Karten an den Gefechten teil, während sich die Chinesen auf den restlichen fünf Karten ins Schlachtgetümmel stürzen. Jede der insgesamt zwölf Karten liegt in einer Variante für 16, 32 und 64 Spieler vor. Mit jeder Größer erweitert sich das Spielareal und es stehen mehr und zum Teil andere Fahrzeuge zur Verfügung. So muss man auf einer Karte für 16 Spieler auf Flugzeuge verzichten.

Battlefield 2 hat nach Battlefield 1942 und Battlefield Vietnam den Schritt in die Moderne geschafft. Jede der beteiligten Nationen wirft ihr eigenes aktuelles Kriegsgerät in die Schlacht. Die Soldaten der US-Streitkräfte steigen zum Beispiel in den M1A2 Abrams, während man auf Seiten Chinas und der MEC den T-90 Panzer steuern darf. Auch in der Luft gibt es Unterschiede. Amerikanische Piloten klemmen sich hinter die Steuerknüppel von F35 Joint Strike Fighter oder AH-1 Super Cobra, die Araber dagegen in die SU-35 Flanker und den Mi-28 Hind der Russen, die Chinesen gar selbst konstruierten J-10 Abfangjäger und WZ-10 Kampfhubschrauber. Doch nicht nur das schwere Gerät unterscheidet sich voneinander. Auch bei den Waffen der Soldaten gibt es die eine oder andere Abweichung. Die MEC greift mit AK-74 und SVD auf Equipment russischer Bauart zurück. China nutzt neben Waffen aus russischer Produktion auch eigene Waffen, wie zum Beispiel das halbautomatische Scharfschützengewehr Typ 88 oder die Maschinenpistole QBZ-97. Dennoch leidet die Balance nicht darunter. Keine der Kriegsparteien wird bevorzugt. Alle Waffen und Fahrzeugen weisen ähnliche Stärken und Schwächen auf. So hat die halbautomatische SVD die höhere Durchschlagskraft der M24 durch die schnellere Schussfolge. Darüber hinaus eignet sich die SVD mit ihrem zehn Schussmagazin zur Not auch für den Nahkampf.

Lediglich auf einigen Karten hat eine der beiden Seiten einen leichten Vorteil in Form von nicht einnehmbaren Flaggenpunkten, wo hingegen die Gegenseite im schlimmsten Falle alle Flaggen und somit Einstiegspunkte verlieren kann. Dann bleiben nur noch die hoffentlich noch lebenden Squadleader, den die Mitglieder der entsprechenden Squad als Einstiegspunkt nutzen können. Diese Methode empfiehlt sich je nach Situation sowieso als bessere. Schließlich sind die Soldaten gleich wieder direkt an der Front und sparen sich somit längere Wege ins direkt Kampfgebiet und somit wertvolle Zeit, was unter Umständen auch über Verlust oder Verteidigung der Flagge entscheiden kann. Im bereits aus Battlefield 1942 bekannten Spielmodus Conquest verliert man mit jeder verlorenen Flagge immer schneller die kostbaren Tickets für den Wiedereinstieg. Gehen diese gegen Null oder hält der Gegner jeden Flaggenpunkt und ist kein Verbündeter mehr am Leben, ist die Schlacht verloren.

Leider ist der Conquest-Modus die einzige von Dice zur Verfügung gestellte Spielvariante. Allerdings findet man im Serverauswahlmenu eine Schaltfläche zum Wechsel des Spielmodus. Auch wenn diese noch nicht funktioniert, so lässt sie doch auf weitere Varianten hoffen, die eventuell per Patch oder mit einer möglichen Erweiterung nachgereicht werden.

Sieben Freunde sollt ihr sein
Im Spiel haben Sie die Wahl zwischen sieben verschiedenen Soldatenklassen. Diese reichen vom Sturmsoldaten bis zum Panzerabwehrspezialisten. Auch der in Battlefield Vietnam schmerzlich vermisste Sanitäter ist wieder mit von der Partie. Jede Klasse verfügt über ihre eigene Ausrüstung. So ist der Special Ops Soldat nur leicht bewaffnet, kann allerdings per ferngezündetem C4-Sprengsatz gegnerische Installationen, wie Artilleriestellungen und Fahrzeuge, sprengen. Der Versorgungssoldat eignet sich mit seiner dicken MG dagegen bestens, um Unterdrückungsfeuer zu geben. Zusätzlich kann er seine Kollegen mit frischer Munition versorgen. Als Sanitäter versorgt man seine Kameraden mit Verbandspäckchen und kann Gefallene per Defibrillator noch an Ort und Stelle wiederbeleben. Der Defibrillator lässt sich auch gegen den Gegner einsetzen, um ihn zu töten. Allerdings kommt man dafür nur äußerst selten nahe genug an den Feind heran. Der Pionier kann Zugänge und enge Durchfahrten verminen, was besonders in den Stadtlevels besonders effektiv ist. Außerdem kann nur er beschädigte Fahrzeuge oder zerstörte Installationen, wie Brücken und Radarstationen, reparieren. Dennoch ist der Pionier die am seltensten anzutreffende Klasse. Zum einen ist er mit der Schrottflinte ziemlich schwach bewaffnet und zum anderen wirken seine Minen nur gegen schwere Fahrzeuge. Gegen Buggies und Personen sind sie nutzlos. Darüber hinaus lassen sich die Minen von Pionieren der Gegenseite leicht entschärfen.

Auch als Panzerabwehrschütze hat man kein leichtes Leben, braucht man doch immerhin drei Schuss mit der Panzerfaust, um einen Panzer zu vernichten, während dem Panzerfahrer oftmals eine kurze Salve aus dem Bord-MG genügt, um sich des Gegners zu entledigen. Allerdings hat auch der Panzer mit dem nur schwach gepanzerten Heck seine Schwachstelle.
Darüber hinaus unterscheiden sich die einzelnen Klassen noch in Panzerung und Sprintdauer. So muss der Panzerabwehrschütze im Gegensatz zum Sturmsoldat auf jeglichen Körperpanzer verzichten und kann aufgrund der schweren Panzerfaust nur kurz sprinten.

Letztendlich hat jede Klasse ihre Daseinsberechtigung. Entscheidend ist letzten Endes das Zusammenspiel als Team.

Alles hört auf mein Kommando
© bei dem jwg. Hersteller dieses Screenshots Dice hat bei Battlefield 2 sehr viel Wert auf das Teamplay gelegt. Dazu geben die Entwickler den Spielern zwei wichtige Hilfsmittel mit auf den Weg. Zum einen können sich die Spieler in Squads zu je sechs Mann zusammenschließen. Leider geschieht das auf öffentlichen Servern noch viel zu selten. Jedoch ist ein Umdenken bei den Spielern zu erkennen, bietet doch diese Form des Zusammenspiels doch schon einige Vorteile. Zum einen kann der Squadleader seinen Teammitgliedern diverse Befehle, wie Angriff oder Verteidigung, geben und beim Commander Artillerieschläge, UAV-Scans oder Versorgungsgüter anfordern. Umgekehrt kann der Commander die Squads, im Gegensatz zu Einzelkämpfern steuern, sie vor Artillerieschlägen warnen und per UAV über Feindbewegungen informieren, damit seine Soldaten nicht blind ins Verderben rennen. Gerade die Versorgungskisten, die vom Commander abgeworfen werden, können für den Verlauf einer Schlacht entscheidend sein. Mit ihnen lassen sich Fahrzeuge reparieren und Soldaten heilen und mit Munition versorgen. Allerdings kann sich auch der Gegner an den Kisten bedienen, was wiederum auch gegen den Feind eingesetzt werden kann. So feuert man die Artillerie ab und lockt den Gegner per Versorgungsgüter ins Zielgebiet.

Der Commander ist aber nicht nur auf das Erteilen von Befehlen und das Versorgen und Unterstützen seiner Soldaten beschränkt. So kann er sich auch selber in die Schlacht stürzen, was auch von Vorteil sein kann. Schließlich sieht man vor Ort besser, was gerade gebraucht wird. Sollten sich mehrere Spieler für den Posten des Commanders bewerben, bekommt der ranghöchste Spieler den Zuschlag. Allerdings kann jeder andere Spieler gegen den Commander Meutern. Wenn sich 50 Prozent des Teams dafür entscheiden, ist die Meuterei erfolgreich und der Chefsessel wechselt den Besitzer.

Doch Squads und Commander sind nicht die einzigen Dinge, mit denen Dice das Teamplay fördert. Dank Voice Over IP kann man sich auch auf öffentlichen Servern mit den Mitgliedern seiner Squad absprechen, vorausgesetzt, dass man sich im Sprachgewirr auf einen gemeinsamen Nenner einigt. Als Squadleader kann man sich zusätzlich noch mit seinem Commander direkt in Verbindung setzten.
Ohne Voice Over IP erfolgt die Kommunikation mit seinen Mitstreitern über zwei Kreismenüs. Per Taste „Q“ gibt man Teambefehle, wie „Bitte um Abholung“ oder „Brauche Munition“, und informiert seine Kameraden über Feindsichtungen. Per Taste „T“ gibt man Squadbefehle, wie „Hier angreifen“, und fordert Versorgungsgüter oder UAV-Drohnen an.

Teamplay wird bei Battlefield 2 nicht nur unterstützt, sondern auch belohnt. So bekommt man nicht nur Punkte für das Töten von Gegnern und das Einnehmen von Flaggen, sondern auch für jede Art von Hilfestellung, wie dem Heilen und Aufmunitionieren von Teamkollegen und dem Reparieren von Fahrzeugen. Selbst der Transport von Mitspielern zahlt sich auf Dauer aus. Bekommt man doch nach einer gewissen Zeit eine entsprechende Ehrenspange verliehen.

Rangkämpfe
Damit wären wir bei der wohl am motivierensten Neuerung in Battlefield 2, dem neuen Rangsystem. Wie bereits erwähnt, bekommt man für jede erfolgreiche Aktion im Spiel Punkte. Beim Erreichen einer bestimmten Punktzahl steigt man im Rang auf. Die erste Beförderung zum Private First Class erfolgt bei 500 Punkten. Die zweite zum Lance Corporal erreicht man bei 1000 Punkten. Der Sprung zum Corporal fällt mit ca. 10500 erforderlichen Punkten schon gewaltiger aus. Mit der Beförderung zum Lance Corporal darf man dann auch seine erste Zusatzwaffe freischalten. Für jede Klasse steht eine weitere Primärwaffe zur Wahl. So kann der Sanitäter später die L85A1, der Spec-Ops die G36C oder Scharfschütze die M95 einsetzen.

Ein weiterer Motivationsfaktor sind die zahlreichen Medaillen, Ehrenspangen und Ordensbänder, die man für besondere Verdienste auf dem Schlachtfeld erhält. Dabei machen Bronze, Silver und Gold Star für die jeweils drei besten Spieler einer Runde nur den Anfang.

Leider kann man sich Punkte und Auszeichnungen nur auf den sogenannten Ranked Servern verdienen. Diese waren gerade in den ersten Tagen ständig voll. Teilweise dauerte die Suche nach einem freien Platz schon bis zu einer Stunde. Inzwischen sind die Ranked Server zahlreicher vertreten. Dennoch ist es gerade in den Abendstunden, also der Hauptspielzeit in unseren Breiten, nach wie vor schwer, einen freien Server zu finden. Anfangs erschwerte der sehr träge InGame-Browser die Suche. Häufig zeigte dieser sogar fehlerhafte Pings von Null und falsche Serverbelegungen an. Diese und andere Fehler hat der inzwischen veröffentlichte Patch auf die Version 1.01 behoben.

Patchwork
© bei dem jwg. Hersteller dieses Screenshots Nur zwei Wochen nach Erscheinen von Battlefield 2 veröffentlichten Dice und Electronic Arts den ersten Patch. Das Update auf die Version 1.01 behob die ärgsten von den Fans bemängelten Fehler. So gab es mit dem InGame-Browser zunächst diverse Probleme. Angefangen bei fehlerhaften Serverangaben über träge Reaktionen beim Scrollen in der Liste bis hin zu Spielabstürzen war die gesamte Breite an möglichen Fehlern vertreten. Diese und andere Probleme wurden inzwischen behoben. Leider hat der erste Patch auch neue Fehler erzeugt. So führt die Version 1.01 auf manchen Servern zu einem sogenannten Memoryleak. Dabei schaufelt das Pogramm ständig Daten in den Arbeitsspeicher, selbst wenn keinerlei Betrieb auf dem Server ist. Dies hat zur Folge, dass der Speicher des Servers irgendwann voll ist und der Server zusammenbricht. Laut Dice wird inzwischen an einem Hotfix gearbeitet. Bis dieses veröffentlicht ist, empfiehlt EA den Serverbetreibern und Spieler auf die Version 1.00 zurück zu patchen, was allerdings nicht zwingend erforderlich ist, weil es sich bei dem Memoryleak um ein reines Serverproblem handelt und den Spieler selber nicht direkt betrifft.

Und noch ein Problem, welches mit dem Patch auftritt: Demos, die mit dem Battlerecorder unter Version 1.00 aufgezeichnet wurden, lassen sich mit der Version 1.01 nicht mehr abspielen.

Fazit von Bennet Jeutter
Battlefield 2 ist wahrlich ein Mehrspieler-Meisterwerk. Die Grafik ist top, der Sound schmeißt einen mitten in das Spiel und die Action lässt einem keine Ruhe, allerdings hätte man sich ein paar mehr Spielmodi einfallen lassen können. Allerdings ist der Einzelspieler-Modus umso schlechter, denn nur mit 16 Bots zu spielen, ist langweilig. Dennoch, das Spiel ist sein Geld wert und sollte in keinem Zocker-Regal fehlen.

Fazit von Frederic Schneider
Vorab sollte bemerkt sein, dass ich das Spiel von allen Testern am wenigsten gespielt habe. Trotzdem: Battlefield 2 hat auf mich einen sehr guten Eindruck gemacht. Die neuen Features im Spiel, wie der Commander-Modus, wurden von Dice gut implementiert und nach anfänglichen Problemen wurden die neuen Inhalte von der Community auch angenommen. Abgerundet wird das Ganze durch eine schöne Grafik, die im Mehrspielershooter-Genre ihresgleichen sucht, sowie einer fesselnden Akustik. EA: Battlefield 2 ist ein gutes Spiel!

Fazit von Marco Gödde
Mit Battlefield 2 ist Dice wahrlich ein Meisterwerk gelungen. Wenn auch eines mit klitzekleinen Schönheitsfehlern. So ist die Grafik mit das Beste, was das Actiongenre derzeit zu bieten hat. Allerdings ist sie auch ein immenser Hardwarefresser. Jedoch läuft das Spiel mit runtergeschraubten Details auch auf schwächeren Rechner flüssig. Und die marginal schlechtere Optik fällt im Eifer des Gefechts nicht auf. Hat man doch eh wenig Zeit die Landschaft zu bewundern. Auch die leichten Schwächen in der Balance zwischen Panzer und Antitank fallen kaum ins Gewicht. Denn mit einem guten Team lässt sich auch der dickste Brocken knacken. Phantastisch ist den Designern auch das Belohnungssystem gelungen. Die Beförderungen und freischaltbaren Waffen sowie erspielbaren Auszeichnungen motivieren ungemein. Für mich die klare Multiplayer-Referenz im Actionbereich.
So, und ich hole mir jetzt erst mal meinen nächsten Orden.

Einzelwertungen
Grafik: 90 Prozent
Akustik: 93 Prozent
Bedienung: 89 Prozent
Spielspaß: 92 Prozent
Preisleistung: 89 Prozent
Mehrspieler: 94 Prozent

Gesamtwertung
92 von 100 Prozent