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Stronghold 2.

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Stronghold 2

Mittelalterlicher Burgenbau

Veröffentlicht am Montag, 27. Juni 2005 von Qiong Wu

Der erste Teil von Stronghold war ohne Zweifel ein Kracher, auf unseren LAN-Partys (gute alte Zeiten) wurde Stronghold Crusader solange gespielt, bis alle Unausgeglichenheiten herausgefunden waren. Mit spaßigem Burgenbau und Belagerungen epischen Ausmaßes soll auch der zweite Teil von Stronghold brillieren und das auch noch in drei Dimensionen. Als nettes Extra packt der Publisher dem Spiel auch noch eine Extra-CD bei, die einen Patch des Spiels auf Version 1.1 enthält und so von vornherein schon einige Fehlerchen im Spiel behebt.

Als erster Wermutstropfen wären die hohen Anforderungen des Spiels an den Rechner zu nennen, die zwar laut Verpackung bei etwa 1,5 GHz und einer 32 MB Grafikkarte angelegt ist, im Spiel aber wesentlich mehr Leistung an den Rechner erfordert. Auf unserem Test-PC mit einem AMD Athlon XP 2100 Prozessor, einer GeForce FX 5600 und satten 512 MB DDR-RAM ruckelte das Spiel selbst bei heruntergestellten Grafikoptionen noch relativ stark. Vor allem bei großen Belagerungen macht sich das Ruckeln aufgrund der vielen Einheiten besonders stark bemerkbar und der Spaß an lustigen Massenschlachten wird dadurch leider stark beeinträchtigt.

Hohe Hardware-Anforderungen

Besitzer eines PCs unter diesen Spezifikationen können wir deshalb, entgegen der Herstellerempfehlung, nicht zu Stronghold 2 raten. Von der Grafik mal abgesehen spielt sich Stronghold 2 eigentlich genauso, wie sein Vorgänger, ähnlich wie in der Caesar-Reihe werden Gebäude auf die Landkarte gesetzt, die auch prompt erscheinen. Die soeben platzierten Gebäude müssen dann nur noch von ihren treuen Untertanen besetzt werden, um dann sofort vollen Betrieb aufnehmen zu können und im Idealfall klappt das eigentlich auch sofort, es sei denn natürlich, die werten Untertanen sind unzufrieden und wollen nicht arbeiten. Gründe für die Unzufriedenheit gibt es in diesen Caesaer-artigen Spielen ja genug, so beschweren sich diese etwa über Ratten, Kriminalität, Hunger und natürlich, wie immer, über die zu hohen Steuern. Und, wie im richtigen Herrscherleben, gibt es natürlich nur eine Reaktion seitens der Bevölkerung bezüglich Unzufriedenheit: Die Faulheit. Solange nämlich Ihre kleinen Untertanen nicht zu deren Zufriedenheit versorgt werden, stehen erstens alle Betriebe still und außerdem verlassen die unzufriedenen Bewohner sogar ihre Stadt, falls sich die Zustände nicht schleunigst ändern. Grafisch sind die braven Untertanen etwa auf demselben Niveau wie in „Kinder des Nils“ und sind grafisch sehr schön umgesetzt. Im Gegensatz zu anderen vergleichbaren Spielen lässt Stronghold 2 aber auch viel Einblick in eine Vielzahl von Gebäuden im Spiel, besonders schön sind die Kämpfe zwischen Einheiten, die etwa in einem Turm stattfinden. Diese Türme sind innen sogar dekoriert und auch eine Treppe befindet sich in diesen. Aber auch viele andere Gebäude lassen eine große Detailverliebtheit erkennen, in fast allen Gebäuden kann man den fleißigen Arbeitern beim Schuften zusehen. Natürlich sind besonders die Schlachten epischen Ausmaßes, die bereits mit 2D-Grafik sehr hübsch waren, im zweiten, grafisch aufgeputschten Teil ein wahrer Augenschmaus, auch wenn diese auf vielen Rechnern noch reichlich hängen dürften.

Insgesamt bringt Stronghold 2 zwar eine sehr schöne Grafik mit, geizt aber dafür mit Innovationen und neuen Features und orientiert sich mehr oder weniger an das Spielprinzip des ersten Teils. Denn im Prinzip ist es immer noch derselbe Aufbau und dieselbe Art der Militärführung, wie im ersten Teil, lediglich ein System, das auf Ehre basiert, und ein Ländereiensystem haben sich die Entwickler als neue Features ausgedacht.

Ein System, das auf Ehre basiert

Das Ehrensystem etwa beschert dem Spieler eine zusätzliche Ressource, die „Ehre“, die beispielsweise zur Rekrutierung von Einheiten oder zum Erwerb neuer Länderein verwendet werden kann und die man sich durch niedrige Steuern, Veranstaltung von Festen oder Ritterturnieren verdienen kann. Apropos Ländereien, in Stronghold 2 wird das beherrschte Gebiet eines Burgherren nicht wie im Vorgänger einfach durch Bau von Gebäuden erweitert, sondern wird jetzt durch ein Ländereiensystem verwaltet, das strikt abgegrenzte Gebiete festlegt, die mithilfe von Ehre erworben werden können und über die nicht hinausgebaut werden kann.

Während das Ehrensystem reibungslos implementiert wurde, gestaltet sich das...

Ländereiensystem

doch als etwas widerspenstig, denn die Verwaltungsmöglichkeiten der erworbenen Ländereien weisen noch einige Fehler auf. So ist es zum Beispiel nicht möglich, für verschiedene Ländereien unterschiedliche Steuersätze und Nahrungsrationen zu setzen, obwohl die Kornspeicher und die Lagerbestände der verschiedenen Ländereien getrennt sind. Auch die genaue Statistik einzelner Ländereien lässt sich nicht abrufen, lediglich die Hauptprovinz, in der der Burgherr residiert, offenbart dem Spieler die genaue Zufriedenheit der Einwohner und den Lagerbestand der Provinz. Der Spieler hat also normalerweise keine Ahnung, welche Nahrungsmittel in einer bestimmten Provinz fehlen, sofern dies nicht seine Hauptprovinz ist, und kann somit auch keine gezielten Nachschübe schicken oder gezielt Gebäude errichten. Als einziger Indikator wird von einer Provinz die momentane Durchschnittszufriedenheit angegeben, mit der der Spieler aber üblicherweise kaum etwas anfangen kann.

Unlogisch ist außerdem, dass die Baumaterialien nicht getrennt gehandhabt werden, sondern nur aus der Hauptprovinz geholt werden. So reicht es, etwa 500 Holz in der Hauptprovinz zu haben, um ein Gebäude für 500 Holz in irgendeiner Nebenprovinz zu errichten, die gar kein Holz besitzt.

Auf der anderen Seite werden seltsamerweise Fuhrmannsposten benötigt, um einen speziellen Rohstoff von einer Provinz zur anderen zu transportieren, während Holz anscheinend fähig ist, sich durch den Raum zu teleportieren. Nebenbei gesagt ist der Fuhrmannsposten auch die einzige (versteckte) Art, sich genaue Informationen über den Lagerbestand einer Provinz zu verschaffen.

Was neue Gebäude angeht, so stehen fast alle neuen Gebäude in Stronghold 2 irgendwie mit dem Ehresystem in Verbindung, so etwa die Kirche, die mithilfe von Kerzen und mittelalterlich-christlichem Glauben dem Burgherren Beliebtheit und Ehre verschafft oder die Burgküche, die die nötigen Speisen für ehrenhafte Festmähler zubereitet.

Stronghold 2 – jetzt auch mit Formationen

Anders als in der Wirtschaft gibt es in Sachen Militär im Spiel mehr Neuerungen, so können Einheiten jetzt etwa verschiedene Formationen aufstellen und auf diese Weise dem Gegner besser trotzen, was ja unter Umständen auch frischen Wind in das von Uphill-Boni- und Feldschlachten-dominierte Spiel bringt. Und auch in punkto militärischer Burg und Wallbau bietet Stronghold 2 jetzt mehr Ausbaumöglichkeiten als der erste Teil, so können jetzt etwa neben den alten Feuerballlisten und Pechgruben auch Steinkipper, brennende Holzstämme, Mörderlöcher, Schießscharten, Holzprotektionen, Ausfallpforten und Steinkübel zur zusätzlichen Verteidigung der Burgwälle errichtet werden. Besonders amüsant ist es etwa, einen Haufen Steine per Mausklick auf angreifende Gegner herabfallen zu lassen und den Gegner auf diese Weise zu zermalmen.

An militärischen Einheiten gibt es aber in Gegensatz dazu kaum irgendwelche Neuzugänge, die meisten wurden aus dem ersten Teil und dessen Erweiterung „Crusader“ übernommen und lediglich Kriegermönche, Diebe, Vogelfreie, piktische Bootskrieger, bewaffnete Bauern, Berserker und Axtwerfer erweitern das Einheitenrepertoire des Spiels.

Qualität statt Quantität

Doch halt, nicht zu schnell geurteilt, denn die Entwickler haben bei der Gestaltung neuer Einheiten offensichtlich auf Qualität statt Quantität gesetzt und jede dieser paar Einheiten mit bemerkenswerten Spezialfähigkeiten ausgerüstet. So können piktische Bootskrieger mithilfe ihres Bootschildes etwa über Wasser fahren, um den Gegner an unerwarteten Positionen zu überraschen, oder können Diebe sich als gegnerische Bauern tarnen, um sich in die Goldkammer des Gegners zu schleichen, um sich dort dessen Gold zu bemächtigen.

Schlachten epischen Ausmaßes

Ansonsten haben die Entwickler das gute, alte Massenschlachten kaum verändert und der Spieler kann sich also auf die Schlachten epischen Ausmaßes aus dem ersten Teil freuen, aufgepeppt durch neue Grafik, Formationen und neue taktische Einheiten.

Was die Steuerung in Stronghold 2 angeht, schlägt sich das Spiel mehr oder weniger gut durch, mithilfe der mittleren Maustaste lässt sich die Kamera rotieren und auch das Zoomen funktioniert reibungslos. Insgesamt schaffen die Entwickler den Sprung von 2D auf 3D also ohne irgendwelche Steuerungskatastrophen und übernehmen die Steuerung von Militäreinheiten und die Verwaltungsmöglichkeiten der Burg hauptsächlich aus dem ersten Teil, das Einzige, was die Stronghold-Gemeinde eventuell betrauern könnte, ist der alte Burgenbauerassistent, der den Spieler jetzt nicht mehr so oft mit seiner Fratze beglückt. Im Mehrspielermodus macht Stronghold 2 natürlich noch am meisten Spaß, lediglich der

Elender Gamespy-Wagen

über Internet dämmt den Spielspaß übers Netz ein wenig ein, auf LAN-Partys jedenfalls ist das Spiel sicher ein noch größerer Knüller, als der erste Teil. Für lustige Multiplayerpartien bescheren die Entwickler dem Spiel außerdem noch einen Editor, der im Vergleich zum Editor des ersten Teils endlich auch rudimentäre Trigger erlaubt, auch wenn diese im Spiel natürlich nicht den Stellenwert einnehmen, wie etwa bei Warcraft III. Der Editor konzentriert sich natürlich nach wie vor eher auf die Erstellung toller Terrains für Szenarien epischen Ausmaßes, als auf irgendwelche Triggerspielchen, denn dafür ist Stronghold ja auch überhaupt nicht gemacht.

Nachdem jetzt, etwas untraditionell, der Mehrspielermodus zuerst angesprochen wurde, kommen wir jetzt zu den Singleplayer-Kampagnen. Interessant ist, dass Stronghold 2 dem Spieler die Möglichkeit lässt, zwischen einer Wirtschaftskarriere und einer militärischen Karriere zu wählen. Die Story ist mehr oder weniger klassisch, der edle Burgherr muss tolle Taten vollbringen und böse Gegner umlegen, auch im Mittelalter spielt die alte Leier. Kreativ waren die Entwickler dafür bei der Gestaltung der Missionen, so sind die nicht etwa von einander losgelöst auf verschiedene Maps verteilt, sondern spielen länger auf einer Karte, was dazu führt, dass der Spieler Einheiten und Gebäude aus der vorherigen Mission behält. Außerdem sind die Missionsziele oft sehr amüsant und herausfordernd, so muss man beispielsweise einmal die Burg eines anderen Burgherren aufpäppeln und verwalten, damit dieser sich einer holde Maid suchen kann. Die Einzelspielerkampagne ist in Stronghold 2 alles andere als langweilig und monoton, sondern überzeugt durch einfallsreiche Missionen und einen interessanten Übergang zwischen den Missionen.

Zu guter Letzt wäre noch die gewohnt gute Musikatmosphäre zu erwähnen, die den Spieler das dunkle Zeitalter etwas näher bringt. Die Dorfbewohner klopfen immer noch dieselben frechen Sprüche, nur stimmen manchmal die Untertitel und das Gesprochene nicht hundertprozentig miteinander überein.

Fazit

Stronghold 2 ist ein solider Nachfolger des erstens Teils und besticht durch eine erstaunlich detailverliebte Grafik, die aber trotzdem viel zu hohe Anforderungen an den PC stellt. Die Schlachten epischen Ausmaßes sind in 3D noch schöner anzusehen, die Burgen und Burgwälle sehen jetzt noch realistischer aus und alle Einheiten haben natürlich auch tolle Schatteneffekte und Texturen. Abgesehen von der Grafik bietet Stronghold 2 außerdem noch einige neue Features, neben einem eher unspektakulären System, das auf Ehre basiert, verpassen die Entwickler dem Spiel noch einige wenige, dafür aber umso interessante, neue Einheiten und ein eher unpraktisches Gebietsverwaltungssystem. Insgesamt kann Stronghold 2 überzeugen und ist sowohl für Aufbaufans, als auch für Strategen und Kämpfernaturen zu empfehlen, denn das Spiel kann, wie der erste Teil auch, den Ansprüchen beider gerecht werden. Die Einzelspielerkampagne ist für das Genre erstaunlich interessant gestaltet, man erinnere sich nur an die Caesar-Kampagnen, und auch dort kann Stronghold 2 punkten. Abgesehen davon macht das lustige Burgenbauen schlicht süchtig und besonders im Multiplayer freue ich mich schon auf Schlachten epischen Ausmaßes mit meinen LAN-Kollegen in den Sommerferien. Deswegen lautet mein Urteil, trotz fehlender „epischer“ Innovationen: „Zu mir meine Mannen, stürmt den Wall, überrent sie und reist ihre Mauern nieder!“

Einzelwertungen
Grafik: 88 Prozent
Akustik: 86 Prozent
Bedienung: 81 Prozent
Spielspaß: 85 Prozent
Preisleistung: 84 Prozent
Mehrspieler: 81 Prozent

Gesamtwertung
84 von 100 Prozent.