Veröffentlicht am Freitag, 24. November 2006 von Clemens Homann
Endlich auch mal der Böse sein. Das Konzept ist älter als die Videospiele selbst. Wehrlose Menschen erschießen anstatt sie zu retten, Häuser zerstampfen anstatt welche aufzubauen und Verwirrung stiften anstatt Rätsel zu lösen; je nach Spielkonzept kann einen das auch durchaus fesseln - siehe GTA: San Andreas.
Grafisch stechen vor allem die anderen Unterwasserbewohner hervor. Ja genau, tatsächlich positiv. Mit viel Liebe zum Detail gestaltet, weiß man bald auf 100 Meter eine Kegelrobbe von einem Seeleopard zu unterscheiden. Von nicht weniger anmutender optischen Eleganz sind auch die Clippingfehler. Klemmt der Hai aufgrund der hakeligen Steuerung mal wieder irgendwo im Riff fest, kommt es mitunter zu LSD-Rausch ähnlichen Farbexplosionen.
Im Booklet überrascht die Erwähnung eines Extra-Menüs mit Einträgen zu allen Unterwasserviechern die der Hai währedn des Spieles wegräumen kann. Ist dies der erste Anflug eines Zeichens von Reue?. Nein, denn nach einem kurzen Blick in besagtes Lexikon versinkt auch dieser Lichtblick auf dem Meeresgrund. Außer Spielrelevantem wie Kalorienzahl oder Gefährlichkeit für den Hai erfährt man rein gar nichts über die zahlreichen Opfer. Hier hätte Majesco Entertainment die Chance gehabt, wenigstens ansatzweise von dem überkommenen Image des Hais als Killer abzurücken.
Alles sieht danach aus, als hätte Majesco zu sehr unter Zeitdruck gestanden, denn vieles an dem Spiel wirkt unfertig. Die Steuerung ist unausgereift, die Kamera nervt, eine atmosphärische Geschichte so gut wie nicht vorhanden, die Missionen sind öde und die Akustik klingt übel. Am schlimmsten ist aber, dass der Eindruck erweckt wird, man hätte seit dem Erscheinen der Filme nichts Neues über den Hai heraus gefunden. Er wird immer noch als die hirnlose Tötungsmaschine dargestellt, die er nicht ist. Natürlich will niemand, dass der Hai Delphine aus Fischernetzen befreit, aber ein bisschen weniger sinnloses Blutvergießen hätte dem Spiel gut getan.
Pro und Kontra
+ vielfältige Unterwasserwelt
- unfertiges Produkt in sonst jeder Hinsicht
Einzelwertungen
Spielspaß: 49 Prozent
Grafik: 70 Prozent
Akustik: 54 Prozent
Bedienung: 63 Prozent
Mehrspieler: nicht vorhanden
Gesamt: 59 von 100 Prozent.
Dieses Spiel hat von der USK "keine Jugendfreigabe" erhalten und ist ausschließlich für volljährige Spieler geeignet.