Bibliothek

Mehr Informationen zu
Der weisse Hai.

Funktionen

Druckansicht

Werbung

Der weisse Hai

Der kalte Brei

Veröffentlicht am Freitag, 24. November 2006 von Clemens Homann

Endlich auch mal der Böse sein. Das Konzept ist älter als die Videospiele selbst. Wehrlose Menschen erschießen anstatt sie zu retten, Häuser zerstampfen anstatt welche aufzubauen und Verwirrung stiften anstatt Rätsel zu lösen; je nach Spielkonzept kann einen das auch durchaus fesseln - siehe GTA: San Andreas.

 Majesco Entertainment versucht für die Play Station 2 (PS2) eine etwas abgewandelte Variante. Der Spieler selbst ist der weiße Hai. In den 80ern für so manchen Aufschrei im Kinosaal verantwortlich, ist der große Killer mit den vielen Zahnreihen zurück auf den Bildschirmen. Auftrag wie gehabt: Alles fressen was in sein Maul passt und alles kaputt hauen was größer und in Reichweite der Meeresoberfläche ist.

Da beißt einer

Es bedarf keiner prophetischen Fähigkeiten um schon jetzt die Vermutung zu wagen, dass dies nicht reichen wird. Und auch noch nach zehn Stunden des Rumruderns in Polygonwelten unter Wasser unter reichlichem Einsatz der Kauwerkzeuge und des Schwanzflossenhiebes bleiben Fragezeichen: Vom Anstrich zielt das Spiel in die Ecke der Freeroamer und bietet eine große Karte und optionale Aufträge. Darunter solch illustre wie das Aufschnappen von eintauchenden Bungeejumpern oder das Zerschlagen von Schwimmern an einer Boje. Aufwertungen der einzelnen Hai-Attribute wie Geschwindigkeit oder seine Fähigkeit, hungernd auszuharren, können verbessert werden. Nicht, dass es nicht auch anspornen könnte, den Skipper eines Segelschoners nach einer gesprungenen Todesschraube über sein Boot mit in die Tiefen zu reißen, aber die Frage nach dem Warum bleibt.

 Majesco Entertainment hält es anscheinend nicht für nötig, Zeit in eine wirklich sinnstiftende Geschichte zu investieren. Der Spieler killt hier aus purer Langeweile und das zeimlich brutal, so dass man Lust bekommt bei der Hotline des Developers nachzufragen. Vielleicht waren die Entwickler auch noch auf anderen Baustellen beschäftigt. Hat sich beispielsweise den Kopf zerbrochen was es wohl noch für Geräusche unter Wasser geben könnte. Außer dem Abröcheln Ertrinkender ist nämlich anscheinend nicht viel an Akustik geboten in den Weiten des Meeres. Auch oberhalb kommentieren Menschen mit wenig ausgebautem Vokabular immer wieder aufs Gleiche das muntere Sensen unserer Tötungsmaschine "He is not gonna make it !!" - wow, das nervt gewaltig.

Unterwasserbaustellen

 Grafisch stechen vor allem die anderen Unterwasserbewohner hervor. Ja genau, tatsächlich positiv. Mit viel Liebe zum Detail gestaltet, weiß man bald auf 100 Meter eine Kegelrobbe von einem Seeleopard zu unterscheiden. Von nicht weniger anmutender optischen Eleganz sind auch die Clippingfehler. Klemmt der Hai aufgrund der hakeligen Steuerung mal wieder irgendwo im Riff fest, kommt es mitunter zu LSD-Rausch ähnlichen Farbexplosionen.

Im Booklet überrascht die Erwähnung eines Extra-Menüs mit Einträgen zu allen Unterwasserviechern die der Hai währedn des Spieles wegräumen kann. Ist dies der erste Anflug eines Zeichens von Reue?. Nein, denn nach einem kurzen Blick in besagtes Lexikon versinkt auch dieser Lichtblick auf dem Meeresgrund. Außer Spielrelevantem wie Kalorienzahl oder Gefährlichkeit für den Hai erfährt man rein gar nichts über die zahlreichen Opfer. Hier hätte Majesco Entertainment die Chance gehabt, wenigstens ansatzweise von dem überkommenen Image des Hais als Killer abzurücken.

Fazit

 Alles sieht danach aus, als hätte Majesco zu sehr unter Zeitdruck gestanden, denn vieles an dem Spiel wirkt unfertig. Die Steuerung ist unausgereift, die Kamera nervt, eine atmosphärische Geschichte so gut wie nicht vorhanden, die Missionen sind öde und die Akustik klingt übel. Am schlimmsten ist aber, dass der Eindruck erweckt wird, man hätte seit dem Erscheinen der Filme nichts Neues über den Hai heraus gefunden. Er wird immer noch als die hirnlose Tötungsmaschine dargestellt, die er nicht ist. Natürlich will niemand, dass der Hai Delphine aus Fischernetzen befreit, aber ein bisschen weniger sinnloses Blutvergießen hätte dem Spiel gut getan.

Pro und Kontra
+ vielfältige Unterwasserwelt
- unfertiges Produkt in sonst jeder Hinsicht

Einzelwertungen
Spielspaß: 49 Prozent
Grafik: 70 Prozent
Akustik: 54 Prozent
Bedienung: 63 Prozent
Mehrspieler: nicht vorhanden

Gesamt: 59 von 100 Prozent.

Dieses Spiel hat von der USK "keine Jugendfreigabe" erhalten und ist ausschließlich für volljährige Spieler geeignet.