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Amoklauf in Emsdetten

Amoklauf und Killerspiele? - Ein Kommentar

Nach dem gestrigen Amoklauf in Emsdetten herrscht das große Chaos im deutschen Land. Sind die "Killerspiele" schuld? Ein Kommentar.

Sie schreien alle laut. Nicht, weil ihnen wehgetan wurde, sondern weil es ihre Pflicht ist. Berufspolitiker und Vertreter namhafter Verbände fordern nach dem gestrigen Amoklauf in Emsdetten ein Verbot von so genannten "Killerspielen". Nicht zum ersten Mal! Die Debatte kocht immer wieder hoch. GamePorts berichtete schon mehrmals über Beiträge von Politikern. Durch das Ereignis gestern im Münsterland scheint die Debatte aber wieder die Agenda in den Medien und damit unter der Bevölkerung zu bestimmen. Jedes Medium - von ARD, über SPIEGEL ONLINE, bis hin zu den lokalen Radiostationen: Alle sagen, die Computerspiele wären schuld. Oder sie haben zumindest eine Mitschuld.

Fakten? Der junge Mann brachte sich mit seinen 18 Jahren gestern in seiner ehemaligen Schule um. An seinem Körper hatte er Sprengsätze - manche davon verteilte er auf dem Schulgelände. Er ballerte wild um sich, schoss eine Lehrerin und einen Hausmeister an. Polizisten erlitten eine Rauchvergiftung, da er Rauchbomben zündete. Wahrlich ein schreckliches Ereignis, welches zurecht besprochen wird.

Aber weshalb muss Counter Strike herhalten? Der Shooter von Valve Software zeichnet sich dadurch aus, dass der Spieler taktisch vorgehen muss: Bomben entschärfen, und ein Teammitglied anzuschießen, wird bestraft.

Der Junge jedoch hatte keine Freunde, nicht wirklich. In seinem Abschiedsbrief, der GamePorts vorliegt, beschreibt er seine Gefühle. Er zeigt sich von unserer Gesellschaft enttäuscht, man würde ihm die Chance verwehren, sein Individuum auszuleben. Er wollte nicht arbeitslos werden, und wenn er einmal ein Haus aufbaut, so würde es irgendwann kaputt geben. Kinder, die er zeugt, würden irgendwann sterben. Ihm fehlte der Sinn des Lebens. Er war verzweifelt.

Nicht aber, weil er Counter Strike spielte, sondern ...

... weil er in seiner Schule gemobbt wurde. Er erzählte in einem Beratungsforum, in der siebten Klasse wollte ihn ein Hauptschüler schlagen. Und er sei zweimal sitzen geblieben. Er war von sich selber enttäuscht und flüchtete in seine eigene Welt, in der auch der Computer eine Rolle spielte.

Aber spielt er die Hauptrolle?

Im Internet lassen sich Beiträge (die meisten wurden nach dem Vorfall inzwischen schnell entfernt) lesen, in denen er erzählte, in Counter Strike habe er seine Schule nachgebaut, in einem Level. Er fand das anscheinend interessant. Er wollte Rache, Blutrache, das schrieb er in seinem Abschiedsbrief. Aber dass ihn Counter Strike zu dieser Tat bewog, darf stark bezweifelt werden.

Gestern Abend in den ARD-Tagesthemen um 22:15 Uhr beschrieb ein Experte treffend, Computerspiele könnten Aggressionsverstärker, wohl aber weniger -verursacher sein. Das ist ein Punkt, an dem Medien und Politiker ansetzen sollten.

Der Amokläufer war schier verzweifelt, sah sich als Verlierer. Es liegt nun an unserer Gesellschaft, aus Verlierern Gewinner zu machen. Man sollte aber vielen nicht ihre Spiele, die ihnen Spaß, oftmals als einzige Sache Spaß machen, wegnehmen. Und man sollte überlegen, ob wirklich Counter Strike immer für die "Killerspiele"-Debatte herhalten muss.

(fsc)

Veröffentlicht am Dienstag, 21. November 2006 um 11:13 Uhr

Schlüsselwörter

Counter StrikeKillerspiele

Kommentare

Diese Kommentare müssen nicht mit der Meinung des Herausgebers oder der Redaktion übereinstimmen.

relevanze () Ich kann dem Text nur zustimmen und finde es richtig das nicht nur die einseitige Darstellung von Personen das Ziel sein kann, die in den Medien vertreten wird. Wenn sich 6250 Computerspieler bald in Bremen treffen müsste Polizei ja mit gleicher Zahl dort vor Ort sein um ein Massaker zu verhindern. Wenn man den Berichten glauben schenken will. Das Computer Spiele zu solchen Sachen führen. Meine Erfahrung zeigt mir, das es friedliche Veranstaltungen sind, mit Computer begeisterten Menschen. Das nicht jeder Mensch gut ist liegt wohl weniger am PC als am Menschen.
Truhe () Mobbing kann einen Menschen wahnsinnig verdrehen und radikalisieren, das habe ich am eigenen Leibe erlebt. Wenn ich nicht rechtzeitig einen neuen Freundeskreis außerhalb der Schule kennengelernt hätte, der mir Wertschätzung und freundschaftliche Zuneigung entgegengebracht hat hätte, hätte ich mich in meiner Isolation verloren, die bald auch nur noch aus Rachegedanken bestand. Ohne meine neune Freunde und starkem Rückhalt seitens meiner Familie hätte ich nicht so schnell wieder begriffen, wie schön es eigentlich ist zu leben. Hiermit ein Aufruf: Toleriert kein Mobbing! Tut etwas gegen die Ausgrenzung von Menschen, die "anders" sind als ihr. Denn das ist der Schlüssel zu einer harmonischen und gerechten Gesellschaft. Mobbing gibt es ja bei weitem nicht nur an der schule. Mobbing im Beruf, öffentliche Diskriminierung anderer etc. gehören auch dazu.
Dealaya () Der Text ist mal recht zutreffend, nicht die computerspiele machen aggressiv und sind der auslöser für so eine tat. Die Taten werden meisten durch das gestörte Umfeld ausgelöst, die einem das Gefühl geben nichts zu erreichen, und nichts erreichen zu können, in wirklichkeit haben sie auch schuld, und das sollte man nicht unterschätzen. Also, wer moppt ist nicht besser als diejenigen die gemoppt werden
D.N. () Ich kann dem Kommentar nur zustimmen. Die Reaktion der Politiker, vor allem von Edmund Stoiber, sind zu einem Reflex geworden, bei dem ein leicht zu Beschuldigender Sündenbock angeprangert wird. Natürlich ist Counter-Strike verwerflich, da in diesem Spiel Waffen ein Mittel zum Zweck sind, jedoch ist das Spielprinzip ein anderes als brutale Gewalt. Counter-Strike war im schlimmsten Fall ein Katalysator, kann aber genauso gut ein Ventil gewesen sein. Vor allem die Aussage "Diese Spiele animieren Jugendliche zum Töten" von Edmund Stoiber zeigt keinen halt, Medienpsychologen und auch Pädagogen würden so eine Behauptung niemals unterzeichnen. Es gibt noch andere Probleme die gelöst werden sollten, angefangen beim Waffenbesitz bis zur eigenen Familie und Erziehung. Aus diesen Gründen sollte man seine erste Reaktion abwarten und über wirkliche Ursachen nachdenken.
Naderunner () Ich bin der Meineung das Gamer oder einfach nur Jugendliche die einen gesunden Menschenvertstand haben und ordentlich erzogen werde, nicht auf solche verrückten Ideen kommen. Das ganze war nur ein Resultat siner Umgebung, damit meine meine ich Eltern, Lehrkräfte, Mitschüler, und unsere Regierung die uns da Leben mit ihrer Politik zur Hölle macht. Und die Medien freuen sich wieder ein zweites Loch in den Hintern das sie wieder einen haben der auch noch gerne Gewaltspiele benutzt hat damit sie wieder ihre Kampagne gegen Gewaltspiele fortführen können.
besserwisser () Computerspiele verbieten? Erzeugen die "Ego-Shooters" durchgeknallte Killer? Oder senken sie die Schwelle, machen sie Taten wie in Emsdetten wahrscheinlicher? Die bisherige empirische Forschung kann keine klaren Antworten geben. Das ist auch nicht weiter erstaunlich, denn man kann in diesem Bereich aus pragmatischen und ethischen Gründen nur in engen Grenzen experimentieren. Also kann nur die Intuition weiterhelfen. Meine Intuition sagt mir: Schlüssel und Schloss. Wenn so ein Killerspiel auf eine bestimmte mentale Struktur trifft, wird es gefährlich. Es gibt offenbar Typen, die diese Spiele benutzen, um sich selbst zum Killer abzurichten. Sie sind gleichsam das mentale Training für das Blutbad. Es handelt sich um Rollenspiele. Entsprechenden Typen helfen sie, eine Killer-Role zu übernehmen und sich in ihr zu entfalten - bis es knallt. Medienberichten zufolge soll Sebastian B. die Planung seiner Tat in einem Tagebuch akribisch aufgezeichnet haben, in kühler, klarer Sprache ohne Anzeichen psychotischer Verworrenheit. War er ein Selbstmord-Attentäter in eigenem Auftrag? Er hatte offenbar eine Mission, die ihn antrieb und einen Glauben, von dem er durchdrungen war. Dies geht aus seinem Abschiedsbrief (ungekürzt) hervor. Bastian B., der Ego-Shooter liebte Counter Strike, ein Strategie-Spiel. Die US-Armee liebt es auch, so sehr sogar, dass sie eine Variante dieses Killerspiels kostenlos im Netz anbietet: America's Armee. Es soll der Rekrutierung von Soldaten dienen. Die Armee hat ähnliche Spiele auch zur Ausbildung von Frontkämpfern entwickelt. In diesem Spiel bekämpfen Einheiten der US-Armee Aufständische oder Terroristen. Bevor man daran als aktiver Kämpfer teilnehmen kann, muss man zunächst eine Grundausbildung durchlaufen. Infos finden sich bei Wikipedia. Die US-Armee bezeichnet diese Counter-Strike-Nachahmung als ?cost-effektive recruitment tool? - als kosteneffektives Werkzeug zur Rekrutierung. Es ist sicher problematisch, wenn Gewalt in Videospielen oder in Medien allgemein glorifiziert wird. Noch problematischer ist eine Schwarz-Weiß-Glorifizierung, eine selektive Verherrlichung der Gewalt, verbunden mit einer Unterteilung in die "good guys" und die "bad guys" - in Freiheitshelden und Terroristen. Am schlimmsten ist die selektive Glorifizierung bei gleichzeitiger Erfahrung der Austauschbarkeit: Aus den Freiheitskämpfern von gestern werden heute Terroristen und umgekehrt, in Abhängigkeit von den Interessen des Imperiums, das unsere Welt beherrscht. Das ist eine Heroisierung und Dämonisierung ohne Moral, die allein auf machtpolitischem Kalkül basiert. Bastian B. sah sich als Freiheitsheld, als Revolutionär in einer Revolution der Ausgestoßenen. Die Bösen waren in seiner Welt alle anderen Menschen, die Ausgrenzer: Lehrer, angepaßte Mitschüler. In seiner Phantasie hat Bastian B. seine Pflicht getan, so wie die virtuellen Soldaten auf seinem Bildschirm, mit denen er - Kamerad unter Kameraden - für das Gute und gegen das Böse kämpfte. Er hatte Gewissensbisse gegenüber den Menschen, denen er wehtun musste. Aber er konnte nicht anders. Er war ein selbstprogrammierter Killer.
Adrinator () Ich kann mich nur den obenaufgeführten Meinungen anschließen. Man hckt ohne Sinn und richtigem nachdenken auf Counter Strike rum. Wieso? Weil sie sich selbst das zuschreiben MÜSSEN was passiert ist. Das Schulsystem mit dem Trend zur Ganztagesschule welche für Schüler große Belastungen hervorruft setzt den Grundstein für Aggression. Überfüllte Klassen, zu wenige Lehrer und schlecht erzogene Kinder führen in den Schulen zu einer gereizten Stimung. So entstehen immer wieder Gruppen die von dominannten Schülern geleitet werden. Gehört man nicht zur Gruppe, so wird man Mobbingopfer.So beginnt der Seelische abstieg eines Schülers. Es ist totaler Blödsinn die Schuld auf Counter Strike zu schieben, denn der Amokläufer spielte nicht nur CS sondern hatte auch Brot gegessen. Folglich müssten alle "Brotesser" Amokläufer sein oder werden!!!!!Was soll man da tun? Potenzielle Täter inhaftieren? ... . . . ->Es ist falsch Counter Strike die Schuld zugeben, man sollte lieber das Schulsystem verbessern.Und da die Politik im allgemeinen nicht fähig ist eine bestimmte Rechtsradikale Partei zu verbieten, sollte sie sich überlegen ob sie große Reden schwingen sollte, bevor man über ein Verbot von "Killerspielen" nachdenkt.
Markus Stahmann () Ganztagsschulen sind im Grundprinzip gar nicht schlecht, es muss nur etwas getan werden, dass die Kinder in der Schule richtige Betreuung haben. Psychologen, Beratungslehrer, etc. Bei uns an der Schule wollte sich auch eine vor den Zug werfen, die haben sie gerade noch mal von der Brücke geholt. Ja, die Ursache war Mobbing. 1100 Schüler aber keine Stellen für Lehrer oder Psychologen, die sich um die Probleme kümmern könnten.
Gamer () Hallo. Ich war schon an unzähligen LAN Partys und wir haben Stunden wie auch Tage lang Shooter gegeneinender gespielt. Doch es geht nicht darum, daran freude zu haben den Feind "gekillt" zu haben, sondern das man sich einen taktischen Vorteil der Überlegenheit bemächtigt hat, um den schlussendlichen Rundensieg zu erringen. Es ist genau dasselbe, wie wenn man in der 1. Klasse beim Sitzball eine Person der Gegnerischen Grupe mit einem Ball zu Fall bringen muss, um schlussendlich zu gewinnen. Was ich eigentlich sagen will, ist das ich noch nie erlebt habe, wie sich leute an einer Lan Party exzesiv gestritten, geschweige denn in irgendwelcher form Gewalttätig wurden; Im Gegenteil man war ausgelassen und tauschte sich danach bei einem Kühlen getränk von Angesicht zu Angesicht über ?Gott und die Welt? aus. Wenn leute so deprimiert sind und sich gute vorlagen in Shooter oder auch ungern "Killerspiele" genannt, suchen ist das seinermanns sache, doch es ist kein Grund das Aggresionspotential auf das Medium mit den 99,9999 % friedlichen Nutzer die freude daran haben so wie z.B. ein anderer gerne Actionfilme sieht, Sportschütze ist, Teamsprt betreibt usw. abzuwälzen nur weil es optisch zugegebenermassen am nächsten kommt. Ein Verbot würde nur den Schwarzhandel fördern und nicht die Gewalt mindern. Man muss sich zuerst mit den Tiefsitzenden Gründen einer gewaltausführung einer Person ausseinandersetzen wie z.B.: Perspektivlosigkeit, Einsamkeit, Mobbing, Beziehungen oder Alkoholprobleme, die nebenbei gesagt für enorm viele Verkehrstote, Affektgewalt/Morde verantwortlich ist. Doch das Grösste Problem ist die Fremtheit der heutig reifen Generation gegenüber solcher Spiele. Mein Fazit: Nicht über etwas urteilen was man nicht kennt, sondern gründe finen die WIRKLICH diese Gewaltakten ausführen und nicht gleich die schuld auf diese Spiele abschieben, nur weil sie auf dem PC installiert sind; es könnte ja auch die Milch schuld sein die Jeder Mörder im kühlschrank hat.

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