- von Patrick Wieth am 07.07.2010, 03:10, Kommentare
Browsergames (BGs) gibt's wie Sand am Meer. Viele davon sind auch kaum spannender als ein Sandkorn und überflutet wird man mit BGs sowieso. In dem schier unendlichen Angebot an Bgs gibt es nicht nur eine unglaubliche Vielfalt an Genres, sondern auch unglaublich viel Schrott.
Eines der bekanntesten BGs ist OGame.
Worum geht’s? Man hat einen tollen Planeten und baut dort irgendwelche Minen aus.
Bis dann irgendwann die ganzen Minen und Raffinerien auf lvl 10 angelangt sind. Dann geht es darum sie auf lvl 20 auszubauen. Natürlich gibt es noch andere wundervolle Dinge zu tun. Z.B. muss man Raumschiffe bauen und kann weitere Planeten besiedeln.
Das Besiedeln weiterer Planeten ist aus verschiedenen Gründen sehr interessant. Denn dann kann man dort auch wieder Minen und Raffinerien auf lvl 10 ausbauen. Hat man dies geschafft, so können die Minen auch weiter ausgebaut werden, damit man sich täglich an Zahlen erfreut die immer etwas größer werden.
Damit das ganze Prozedere auf Dauer nicht langweilig wird, muss man seine Ressourcen, die man in seinen Minen produziert hat, auf die Reise schicken.
Warum muss man das tun? Genau, damit man die Ressourcen nicht geklaut kriegt.
Denn Ressourcen sind nur sicher, wenn sie in irgendwelchen langsamen Frachtschiffen bei 10% der maximalen Geschwindigkeit durch das All schippern. Lagert man seine Ressourcen hingegen auf Planeten, so werden früher oder später Diebe vorbeikommen, die kurzerhand alles kaputtschießen und die Ressi einpacken. Schade. Wer das Spiel nicht kennt, kann es sich so vorstellen, als ob die Queen ihre Kronjuwelen und den halben Besitz der Royals in einen Frachter packt und vor der somalischen Küste auf- und abfahren lässt, damit sie nicht geklaut werden.
Abgerundet wird das prickelnde Spielerlebnis von OGame dadurch, dass man Nachts aufstehen muss, um seine Flotten neu zu beladen und Forschungen anzuwerfen. Ist man eh schon wach kann man seine Mine auf lvl 21 ausbauen und noch ein paar Tachyonenpulsarkanonen einkaufen. Im Großen und Ganzen ist damit auch das Spiel erklärt und da wundert es keinen, warum es sich einer solchen Beliebtheit erfreut hat.
OGame hat somit direkt ein gesamtes Subgenre der Browsergames begründet.
Auch das Kampfssystem ist ganz typisch. Man schickt seine Flotte los, um einen Spieler anzugreifen. Dieser sieht den Kampf herannnahen und entscheidet sich dann in 99,99% der Fälle seine gesamte Flotte abzuziehen und es mit den Ressourcen gleich zu tun. Das hat zur Folge, dass der Angriff mehr oder weniger verpufft und keinen Effekt hat. Denn Einrichtungen können in diesem Genre so gut wie nie zerstört werden.
Wenn es dann wirklich mal zu einem Kampf kommt, was nur der Fall ist, wenn jemand einen naheliegenden Planeten hat und natürlich mitten in der Nacht angreift, dann kämpfen die Truppen in verschiedenen Runden gegeneinander, bis eine völlig ausgelöscht ist.
Es gibt enorm viele Klone dieses Spiels und teilweise sind die Unterschiede nur sehr minimal. Zu erkennen sind die Klone an typischen Namen, die „Earth“, „Space“, „Galaxy“ oder „Wars“ enthalten. Häufig aber auch an dem typischen Design, das spaßiges stundenlanges Stufenbauen sofort erkennbar macht.
Es gibt natürlich auch noch einige Spiele, bei denen sich die Entwickler gedacht haben „Hey machen wir doch genau dasselbe, verpacken es aber ganz anders!“. Das sind dann eine Vielzahl von Wirtschaftssimulationen, Mittelalter- oder Antikespielen. Planeten werden durch Städte ersetzt, Metall, Kristalle, Deuterium und Dilithium werden durch Gold, Eisen, Nahrung und Mana ersetzt. Aber im Prinzip dieselbe hirnverbrannte Scheiße.
Es gibt aber auch Konzepte, die Hoffnung machen und tiefgründiges Gameplay ermöglichen.
So werden Karten eingefügt, auf die nun die Gebäude platziert werden können. Dann kann es schon sein, dass man sich ein effizientes Städtedesign überlegen muss. Häufig verkommt das aber in kurze Berechnungen, bis man das Optimum gefunden hat. Dieses wird dann wieder für die nächsten 20 Städte und tausend Stufen der einzelnen Gebäude angewendet.
Ein Beispiel, das doch erwähnenswert ist, wäre dann Lord of Ultima.
Es spielt im Mittelalter, es geht um Städtebau und man kann die üblichen Dinge tun. Trotzdem ist ein sinnvolles Design der Städte notwendig, da man einerseits auf eine gewisse Gebäudezahl begrenzt ist und Ressourcen zufällig in der Stadt verteilt werden.
Leider sind hier sehr dumme Fehler begangen worden. So sind die Ressourcen nicht nötig, um das Optimum in der Produktion zu erreichen. Das führt dazu, dass man alle Ressourcenspots abreißt und wieder sein Optimum überall hinplatziert. Schade eigentlich, da das Konzept vielversprechend ist. Schade auch deshalb, weil das Spiel eines der besten seines Genres ist und trotzdem in Richtung stumpfsinn driftet. Da helfen auch die Quests nicht, die einen leicht motivieren und die Monsterhöhlen, die gesäubert werden wollen.
Abschließend lässt sich ein Subgenre festhalten, bei dem es primär um Stufenbauen und Punkteanhäufen geht.
Der kriegerische Aspekt ist meistens leicht ausgeprägt, aber wirkliche Taktik ist nicht nötig, da man so gut wie immer weiß, wer überlegen ist und wer nicht.
Mein persönliches Fazit ist, dass Lord of Ultima das Stufenbau-Subgenre anführt, aber ich würde mich auch sehr freuen, wenn allwissende Leser mir andere Spiele vorschlagen, die ich vergessen habe anzuspielen, obwohl das Subgenre so überschaubar ist.
Ein weiteres Subgenre stellen die „Ich versuche möglichst viele Vollidioten auf meinen Link zu locken“-Browsergames.
Sie werden alle dadurch geeint, dass es letztlich nur darum geht möglichst viele Leute auf den eigenen Link zu locken. Sei es damit man ein stärkerer Werwolf oder Vampir wird oder man als Penner sich mal wieder eine gediegene Flasche Doppelkorn kredenzen kann. Der Penner finanziert sein pompfazionöses Leben, in dem Leute auf seinen Link klicken, den er überall im Internet verteilt. Klickt jemand auf diesen Link, so erhält er eine kleine Spende für den Meister. Entsprechend saugt der Vampir blut und der Werwolf beißt die Opfer. Die Spiele werden dann meistens noch leicht ausgebaut und haben starke Rollenspielelemente. Oder sind eine Art Zuschau-Prügelspiele wie MyBrute. Einen König dieses Subgenre zu krönen, wag ich allerdings nicht, da es einfach Geschmackssache ist. Hirnverbrannt sind alle Vertreter und demnach stellen sie gute Vertreter in der Browserspielnische dar.![]()
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Ein anderes tolles Genre wird von den Rollenspielen im Browser begründet. Hierbei hat man irgendeine Spielfigur und steigt in der Stufeauf, wenn man irgendwelche sinnlosen Dinge tut. Wer solche Browserspiele spielt ist sowieso nicht mehr ganz klar im Kopf, da es eigentlich keinen vernünftigen Grund gibt, ein solches Spiel im Browser zu spielen. Es gibt bedeutend bessere Rollenspiele in wunderschöner Grafik mit dreidimensionaler Welt und millionen von Spielern. Dementsprechend stellen die Browser-RPGs das Flaggschiff der BGs dar, weil sie einfach am hirnverbranntesten sind.
Bleiben noch die Simulationen übrig. Hierbei handelt es sich um ein Subgenre, dass dem Credo der Browsergames wenig gerecht wird. Meistens ist es nicht nötig Nachts aufzustehen, man muss nicht unfassbar viel Zeit investieren, bei der man sich hinteher fragt, wo sie nun eigentlich geblieben ist und es ist auch selten der Fall, dass man sich für echte Euromünzen einfach besser kaufen kann, so dass man auch spielerisch überlegenen Spielern doch noch den Schneid abkaufen kann. Seien es nun Fußballmanager, Aquariumsimulationen oder das virtuelle Ameisenterrarium, sie alle sind meistens ganz nette Spiele, bei denen man alle ein bis zwei Tage mal hereinschaut und das wars dann auch schon wieder.
Versucht man also einen Gesamtüberblick zu gewinnen, so stellt man fest, die Spiele sind entweder vollkommen hirnverbrannt oder keine Spiele, die man leidenschaftlich zocken kann.
Alle? Nein, ein kleines Browsergame widersetzt sich dem endlosen Ansturm dieser Browsergames Armee, die immer wieder versucht mit Quantität statt Qualität alle zu erdrücken.
Was ist die Idee dahinter? Wir nehmen einfach etwas, das eigentlich Spaß macht und versuchen den Unfug auszuklammern. Was kommt dabei raus? Eigentlich Altbewährtes, nur ohne Stufenbauen.
Syndicates ist im Grunde eine Wirtschaftssimulation, bei der es auch wieder darum geht Ressourcen abzubauen und möglichst viele Punkte zu sammeln. Es gibt allerdings keine Städte oder Planeten, sondern einfach eine simple Hektarzahl.
Diese Landmasse kann man nun mit Gebäuden bebauen und wieder abreißen. Zugegebenermaßen ist das Ganze etwas lieblos, da man dann einfach sagt, man stellt 100 Erzminen und 200 Kraftwerke auf das Land. Das wars dann auch. Interessant wird das Spiel aber, weil man diese 100 Erzminen und 200 Kraftwerke auch wieder abreißen kann und etwas völlig anderes, z.B. Fabriken und Lagerhallen hinstellen kann. Dadurch ensteht eine große Dynamik.
Außerdem haben es die Spielemacher geschafft die Parameter so einzustellen, dass man verschiedene Spielweisen erfolgreich spielen kann und es keine optimale Strategie gibt. Man muss sich an den Markt und die Spielsituation anpassen. Außerdem muss man sich spezialisieren. Es ist nicht so, wie in den meisten Browsergames, dass man alles tun muss, also Ressourcen produzieren, Einheiten bauen, den Feind bestehlen und Angreifen, sondern man kann höchstens ein oder zwei Ziele gleichzeitig realisieren.
Dadurch ist das Spiel für Anfänger gewissermaßen schwierig, aber auch für alte Hasen immer noch enorm abwechselungsreich. Möglich macht diese enorme Spezialisierung der simple, aber sehr effektive Markt. Dort kann man Ressourcen und Einheiten einkaufen. Man kauft immer das günstigste Angebot und kann auch nur verkaufen, wenn man selbst der günstigste Anbieter ist. Dadurch ist es gar kein Problem sich die Ressourcen einzukaufen, mit denen man die Einheiten baut und diese Einheiten wieder zu verkaufen, um mehr Land zu erwerben. Trotzdem kann es sein, dass aufgrund der Marktlage ein umstellen auf Erzproduktion viel gewinnbringender ist.
Aufgrund dieser Spezialisierung ist es sinnvoll im Team zu spielen. Dementsprechend haben sich die Macher gedacht, „machen wir doch einfach Syndikate aus mehreren Spielern, die ein Team bilden!“. Mit diesem Geniestreich nicht genug, haben die Macher das Spiel dann auch noch nach diesen Syndikaten benannt, nämlich „Syndicates“.
Meiner Meinung nach stellt dieses Spiel das einzige wirkliche Strategiespiel unter den Browsergames dar und verdient deshalb eine so umfassende Erwähnung in diesem Browsergames-Überblick Artikel.
Ach und nein ich gehöre nicht zu den Syndicates Betreibern :D


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