Anno Online
Siedler Online Abklatsch oder Hoffnung für die Welt der Browsergames?
Anno lässt die Herzen viele Aufbausimulanten höher schlagen. Anno Online befindet sich noch in der Beta, soll aber eine erfolgsversprechende Browsergamevariante des Klassikers werden. Wer diesen Trend im Auge hatte, der darf befürchten, dass das Spielprinzip runtergekocht wird und sogenanntes „Pay2Win“ eingebaut wird. Es geht nämlich nicht darum mit Wuseleffekt und komplexem Wirtschaftssystem dem Spieler ein anspruchsvolles Aufbauspiel zu gönnen, sondern darum möglichst viele Spieler zum Ausgeben von Geld zu bewegen. Ob Anno Online diesem Trend folgt oder eine überraschende Alternative bietet, das erfahrt ihr hier.
Wie im Original beginnt man mit einem Kontor und kann mit dem ersten Holz und Gold ein paar Holzfällerhütten bauen, Wohnhäuser aus dem Boden stampfen und Fischer an die Küste zum Angeln schicken. Im weiteren Verlauf kommen Stein und Werkzeuge zu den Baumaterialien hinzu. Die Nahrungsversorgung wird durch Brot und Gewürze erweitert, im Gegensatz zu den meisten anderen Erzeugnissen, können Gewürze nur gekauft werden.
Man kauft sie im Shop für Gold ein und erhält dann ein Item, das bei Benutzung Gewürze ins Lager gutschreibt. Es lassen sich außerdem noch alle anderen Güter im Shop kaufen, diese kosten aber kein Gold, sondern Rubine, die man nur für echte Euros erhalten kann. Zu Beginn hat man zwar ein paar Rubine und man erhält beim Fertigstellen mancher Ziele noch ein paar Rubine dazu. Diese dienen aber nur zum anfixen und erfüllen keinen weiteren Zweck außer einem vor Augen zu führen, wie leicht man mit dem Shop Fortschritt erreichen kann.

Sobald die Bevölkerung mit Wollkleidung alleine nicht mehr glücklich wird, muss der Spieler Leinen aus Hanf beischaffen. Dies stellt sich als etwas schwieriger heraus, denn Hanf wächst auf der Startinsel nicht. Man muss also ein Schiff bauen, einen Lotsen anheuern und eine neue Insel besiedeln. Dort baut man Hanf an und versorgt die Heimatstadt mit Leinengewändern. Dieses Spielprinzip hat schon Anno 1602 einen besonderen Charme verliehen. Zu dem Gewusel auf den Straßen kommenauch noch Schiffe hinzu, die alle halbe Stunde eine Schiffsladung exotischer Güter abwerfen. In Anno Online ist dieser Weg sehr strikt vorgegeben. So muss die die dritte Insel erschlossen werden, wenn die Milchbubis auf einmal nach Bier verlangen. Denn dazu braucht man Kräuter, die darauf schließen lassen, dass vom deutschen Reinheitsgebot nicht viel übrig geblieben ist, als man auf exotische Inseln ausgewandert ist. Wie der Zufall so will, kann man keine Kräuter auf den ersten beiden Inseln anbauen und muss eine entferntere besiedeln.

Anno Online spielt sich also ganz typisch mit verschiedenen Wirtschaftszweigen, die nacheinander aufgebaut werden müssen. Leider aber sehr linear, es gibt praktisch keine Zufallselemente, die den Spieler vor andere Aufgaben stellen als das schlichte Sparen für das nächste Gebäude und geschickte Setzen desselben. Kriegerische Elemente gibt es auch nicht und Interaktion mit anderen Spielern praktisch auch nicht.
Man kann zwar chatten, aber das war es auch schon. Man muss erwähnen, dass es sich um eine Beta handelt und hier sicher noch einiges geschieht. So wurde angekündigt, dass gerade ein Handelssystem eingebaut wird. Dieses scheint aber eher auf einen Marktplatz hinauszulaufen, in dem man Güter für Gold einkauft. Ein Bündnissystem, das Gilden entstehen lässt und komplexe Beziehungen zwischen den Spieler möglich macht oder sogar erfordert, steht nicht in Aussicht. Doch gerade das machte viele Browsergames wie „Ogame“ oder „Die Stämme“ erst so populär und würde wie die Faust aufs Auge zu Anno Online passen.
Da gibt es aber ein Problem: Feindselige Handlungen existieren auch nicht in Anno Online. Es gibt keine Piraten, die Schiffe überfallen und Kanonen oder Kriegsschiffe gibt es auch nicht. Den derzeitigen Entwicklungsstand kann man am besten mit „Siedler Online mit mehreren Inseln“ umschreiben. Das ist eigentlich sehr schade, da das Grundgerüst von Anno viele Möglichkeiten bietet ein spannendes Browsergame zu entwickeln, das über lineares Aufbauen und Pay2Win hinausgeht.
Es scheint so, dass Browsergames immer häufiger als „Cash Cows“ angesehen werden, die möglichst viel Geld mit möglichst wenig Aufwand generieren sollen. Dieser Eindruck wird in Anno Online auch weiter durch die vielen Bugs verstärkt. Eine Beta darf natürlich Bugs enthalten, wenn aber ständig Bugs auftreten, die das Spiel unspielbar machen, dann fühlt sich ein Spiel eben mehr wie eine Alpha an. Zumal man auch häufig auf Konkurrenten im Betastadium trifft, die auch als fertige Spiele durchgehen würden.

Anno Online ist keine schlechte Aufbausimulation, es macht Spaß seine Inseln auszubauen und die Wirtschaftskreisläufe anzupassen, aber nach einer gewissen Spielzeit fragt man sich eben doch, warum das Spiel überhaupt online gespielt wird.
Denn es gibt derzeit nur zwei Features, die eine Internetverbindung benötigen. Das ist der Chat und der Erwerb von Rubinen mit Euros. Dies, die vielen Bugs und die praktisch nicht vorhandene Interaktion mit anderen Spielern lassen leider nur den Schluss zu, dass sich Anno Online in den derzeitigen Trend einreiht. Warum das so ist, darüber kann man sicher lange philosophieren. Ein häufiges Argument besagt, dass man den Spieler nicht frustrieren möchte. Es soll stetiger Fortschritt präsentiert werden und niemand soll durch aggressive Mitspieler abgeschreckt werden. Unzählige Facebook-Spiele lassen grüßen.
Dass man aber auch ohne Pay2Win und mit kompetitivem Spielinhalt viel Geld verdienen kann, beweist League of Legends. Schade, dass Anno Online derzeit keine Anstalten macht über ein durchschnittliches Browsergame hinauszugehen.


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