Morgens, halb zehn im Internet: Ein Kollege eines bekannten österreichischen Onlinespielemagazins: »Ich habe geglaubt, dass ich 'ne Briefbombe bekommen hab' - derweil ist es Earth 2160.«, sagt er. »Das hat ein blinkendes Licht in der Verpackung, ein circa 150 seitiges Handbuch, ein Art Poster mit Informationen zu den Kreaturen und eine CD, wie auch eine DVD.« Wow, Earth 2160 scheint nicht nur im Spiel Maßstäbe zu setzen, sondern auch in der Verpackung. Wir haben das hochgelobte Strategiespiel einmal genauer unter die Lupe genommen.
10 Jahre nach dem verheerenden Krieg zwischen der Eurasian-Dynastie und den United Civilized States war die Erde nur noch ein Asteroidengürtel in der Nähe des Mars. Die Besiedlung des roten Planeten scheint der einzige Weg zu sein, die Menschheit vor dem Untergang zu retten.
Doch eine weitere Partei war Ihnen bereits zuvor gekommen: Die Lunar Corporation hatte schon kurz nach der Vernichtung der Erde die ersten Marsbasen gebaut und bei Ankommen der ersten Evakuierungsschiffe ein Netzwerk geschaffen. Um Überleben zu können, versuchen nun die Eurasian Dynastie Truppen Lebensraum zu erobern und Ressourcen zu sichern, doch auch die Lunar Corporation hatte da noch ein Wort mit zu reden...
Mit dem Einzelspielermodus und dessen Kampagnen "ED" und "LD" ist den Entwicklern ein umfangreichen Modus gelungen. Ergänzt werden beide Kampagnen durch die Kampagne "USD" und "Aliens", die jedoch vom Spieler erst freigeschaltet werden müssen. Man sollte rund 80 bis 100 Stunden einkalkulieren, wenn man vor hat, alle vier Kampagnen, die an der Story angelehnt sind, durchzuspielen. Die "ED"-Kampagne ist mit einem Tutorial verknüpft, weshalb das Spiel vorschlägt, mit dieser Kampagne zu beginnen. ED und LD, USD und die Aliens sind im Übrigen die vier Rassen im Spiel. ED steht für Eurasian Dynast, LD für Lunar Corporation. UCS ist die Abkürzung für United Civilized States. Nachdem die umfangreichen Kampagnen erfolgreich erledigt wurden, kann es im Einzelspielermodus weiter gehen: Sogenannte "Skirmish"-Karten sind vielen Spielern als "Freie Karten" bekannt, in denen man ein Freispiel gegen die schlauen Computerspieler absolviert. Ein großer Gehilfe für den Spieler sind die sogenannten virtuellen Agenten. Diese übernehmen gerne eine bestimmte Aufgabe für den Spieler, sodass dieser sich nicht um die vielen Aufgaben kümmern muss. Unter den virtuellen Agenten, wie Mediziner, Söldner oder Wissenschaftler, können im Einzelspielermodus bis zu drei von zwölf Agenten ausgewählt werden. Die Agenten wirken sehr schlau, helfen ungemein und peppen das Spiel auf.
Ein großes "Schmankerl" des Spieles ist der Mehrspielermodus von Earth 2160. In vier verschiedenen Modi ("Gebäude zerstören", "Zerstöre die gegnerischen Helden", "Friedfertiger Beginn" und "Onkel Sam") und auf 16 Karten spielen Sie wahlweise in Ihrem lokalen Netzwerk, oder im Internet - im sogenannten "EarthNet". In "friedfertiger Beginn" ist es Ihnen möglich, 15 Minuten lang in Ruhe Ihre Basis aufzubauen. Aus eigener Erfahrung können wir jedoch sagen, dass diese Zeit zu gering ist. Eine einstellbare "Peacetime" (Friedenszeit) wäre durchaus angebrachter. Allgemein strotzt das Spiel nicht von sonderlich vielen Voreinstellungen, was schade ist. In drei Redaktionsspielen haben wir uns den Modus "Gebäude zerstören" genauer angesehen. Aufgrund des großen Spielumfangens und der vier Rassen, sind verschiedene Taktiken möglich. Gesamt gesehen hat uns der Modus sehr viel Spaß gemacht. Wer sein Spiel im Mehrspielermodus festhalten möchte, wird an der Funktion "Replays" sicherlich seinen Gefallen finden. Leider hatte das Spiel bei unseren Tests kleinere Lags, die durch Asyncs erzeugt wurden. Als wir einmal versuchten, ein offenes Spiel im "EarthNet" zu betreten, stürzte das Spiel trotz "Gold Upgrades" ab. Entwickler "Reality Pump" gelobt bereits Besserung.
Earth 2160 strotzt nur so von wunderschöner Grafik, die der Atmosphäre den nötigen Beigeschmack verleiht. Die Effekte errinern an "Act of War" und sind perfekt, die Einheiten und Gebäude sind sehr detailliert. Ein kleiner Minuspunkt: Zoomt man weit raus, so wirkt alles nur noch halb so schön. "Reality Pump" haben dem schon so umfangreichen Spiel noch eine Physikengine spendiert. Was man ansonsten nur von der Ego-Shooter-Referenz "Half-Life 2" kennt, kann längst auch das neue Earth: Die Umwelt für sich zu Nutze machen, indem man Gegenstände (aus der Natur) gegen seinen Gegner einsetzt.
Die Entwickler haben dem Spiel einen umfangreichen Karteneditor beigelegt, den "Earth Editor". In dem englischsprachig gehaltenen Editor ist es möglich, eigene Karten mit eigenen Texturen zu gestalten, die wahlweise im "Skirmish"- oder im Mehrspielermodus gespielt werden können. Die Bedienung ist für einen Karteneditor relativ leicht, beziehungsweise besser gesagt Standard: In der Spielegrafik kann der Bastler mit wenigen Klicks der Map Texturen hinzufügen, die Höhen und Tiefen der Karte bestimmen und sie so einzigartig gestalten.
Zur Zeit setzt Entwickler "Reality Pump" noch die alte "EarthNet"-Variante ein. Leider hat das geplante "Earth Net 2" seinen Weg nicht in die Verkaufsversion geschafft. Zwar wird die neue Serverversion keine Innovationen mit sich bringen, wird dafür jedoch das simple, aktuelle System ablösen. Wir erwarten die neue Version in einigen Wochen.
Kurz vor der Veröffentlichung von "Earth 2160" veröffentlichten die Entwickler das "Gold Upgrade". Dieses behob kleinere Fehler und fügte zahlreiche neue Funktionen dem Spiel hinzu. Für einen besseren Spielfluss war es leider bei unserem Test nötig, dieses "Gold Upgrade" (Version 1.1) zu installieren. Wir haben uns deshalb dazu entschieden, der Mehrspielerwertung einen Prozentpunkt abzuziehen, weil wir es allgemein vorziehen, die Verkaufsversion zu testen.
Registrierten Spielern winken mit dem "Platinum Upgrade" außerdem neue Karten.
Ich gehöre wohl zu den wenigen, denen Earth 2160 überhaupt nicht gefällt. Spielerisch reiht es sich in die alten Earth-Spiele und Spielen wie Ground Control oder Act of War im Mehrspieler ein - nämlich: ganz und gar unspielbar. Grafisch ist der neue Earth sicherlich nett und es klingt erfreulich, dass ein Echtzeitstrategiespiel neuste (Shader-) Technologie einsetzt. Zoomt man nah an Einheiten und Gebäude heran, so sehen die Grafiken sehr detailliert aus. Je weiter man jedoch herraus zoomt, umso mehr verschwinden Effekte, Landschaften wirken verwaschen und die Texturübergänge sind ziemlich mies aus. Insgesamt fehlt dem Spiel eine richtige Balance - die Entwickler hätten sich hier mehr Mühe geben müssen. Im Gegensatz zu dem guten Einzelspielermodus (die Stimme von Bruce Willis ist dabei - top), der überzeugen und lange Spielspaß bringen kann, wirkt der Mehrspielermodus flach und unausgereift. Die Hintergrundmusik ist gelungen, auf Dauer jedoch eintönig. Die Soundeffekte sind okay - jedoch nicht großartig. Earth ist sicherlich kein Flop, es zählt jedoch auch nicht zu den Top-Spielen.