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Officers

Ein Offizier und Gentleman

Veröffentlicht am Samstag, 14. Februar 2009 von Patrick Wieth

Officers ist ein etwas anderes Strategiespiel. Anders ist hier sicher nicht das Setting, da die 2. Weltkrieg-Umgebung noch häufiger vorkommt, als das Mittelalter mit seinen Bogenschützen und Rittern. Trotzdem ist Officers in einigen Punkten neuartig. In welchen erfahren Sie im Test.

Trügerischer Name

Das Spiel heißt zwar Officers, aber es geht überhaupt nicht um solche. Es geht um schiere Massen. Das Strategiespiel aus dem Hause Peter Games bringt keine Helden zu uns, die den Krieg verändert haben, sondern riesige Schlachtfelder. Die Schlachtfelder sind so groß, dass man nicht bloß um eine Stadt kämpft, sondern gleiche mehrere Städte hintereinander einnehmen muss. Allerdings befinden sich zwischen den Städten noch Straßen, die freigekämpft werden müssen, Farmen, die man ausradieren muss und Hinterhalte können jederzeit auf dem Weg zum Ziel das Geschehen verändern.

In diesem Zusammenhang besitzt Officers einen sehr hohen Grad an Realismus. Nicht nur, dass man "wirklich" einen Feldzug durchführen muss, es gibt sogar sinnvolle Reichweiten. Denn Panzer schießen nun nicht nur 5 Rohrlängen weit, sondern überziehen weit entfernte Stellungen effektiv mit einem Kugelhagel – wenn freie Sicht gegeben ist. Man kann sich bei Officers je nach Situation auf stundenlange Gefechte einstellen, bis ein Einsatz sein Ende findet. Da ist es nicht so tragisch, dass es nur fünf Missionen gibt.



Massenprodukt

Abgesehen von der langen Ladezeit, sind außerdem die auf dem Spielfeld vorhandenen Truppenmengen sehr groß. Laut Hersteller können sich bis zu 1.500 Einheiten auf dem Spielfeld tummeln. Das halte ich zwar für eine euphemistische Schätzung, die möglicherweise mit einem Hexa- oder Octacore-Prozessor möglich ist, aber insgesamt muss man eingestehen, dass Officers keinen konventionellen Weg geht. Da werden nicht 20 Einheiten aufeinandergeschickt, die sich dann beschießen und nach Stein-Schere-Papier Prinzip den Sieger ausmachen. Es kommt eben auch auf die Aufstellung der Armee an - wie findet das Vorrücken statt und wie werden die Ressourcen gehandhabt. Dafür fällt Basisbau oder Truppenproduktion vollständig weg. Nachschub wird entweder als Ereignis ausgelöst, angefordert oder per Fallschirmtruppen abgeworfen. Wirtschaften muss der Spieler daher hauptsächlich mit den Ressourcen Sprit, Nahrung und Munition. Alle drei sind essentiell und lassen sich an verschiedenen Nachschubdepots besorgen. Wird die Munition knapp können Panzer nicht mehr feuern, ohne Sprit nicht fahren und verhungernde Truppen sind besonders unangenehm. Also gilt es immer weiter vorzurücken und sich nicht in ewige Stellungskämpfe verwickeln zu lassen.

Die angesprochene Spieltaktik unterscheidet sich insofern, als es absolut sinnvoll ist, erstmal mit der Artillerie das Gröbste aufzufegen und dann je nach Situation in verwinkelten Stadtgebieten eher Infanterie einzusetzen oder eben auf freiem Feld mit schwerem Gerät den letzten Grashalm wegzublasen. Hat man den Dreh raus, werden die Einsätze vielleicht etwas zu einfach, aber hier bietet der Mehrspielermodus noch Möglichkeiten und der mitgelieferte Karten-Editor sorgt ebenfalls für reichlich Nachschub, wenn die Community fleißig ist.

Akustitsch minderwertitsch

Der Sound von Officers ist ein wenig eintönig und die Musik schaltet man besser ab. Es ist nicht ganz so schlimm, dass es die Athmosphäre zerstörte, aber passt nicht unbedingt in das sonst recht gelungene Gesamtbild. Grafisch ist das Spiel okay, aber bei weitem kein Überflieger. In der Distanz kann eine Landschaft schon in einen grün-grauen Matsch verzerrt werden, aber die Optik ist zweckmäßig, da die Übersicht fast nie unter ihr leidet und trotzdem hoch fliegende Bomber zu sehen sind, deren Beschuss man sogar beobachten kann. Die Missionsziele sind etwas unübersichtlich dargestellt. Das ist aber zu verschmerzen, da man eigentlich weiß worum es geht, worum es in jedem guten Strategiespiel geht: die Weltherrschaft natürlich, muahahaha.



Fazit

Officers ist für Zweite Weltkrieg-Fans, die mal etwas anderes spielen wollen als den Einheitsbrei, ein Muss. Für den harten Apm-Fanatiker, der gerade ein Starcraft-Spiel verloren hat und sein Gegner sogar Zeit hatte "Noob" mit Pylonen zu schreiben, ist das Spiel eher nichts. Es fehlt ihm ein wenig an Action und Dynamik. Die langen Ladezeiten können nervig sein und der Multiplayer ist eben unausgereift. Da kommt es selten vor, dass ein Spiel wirklich spannend ist. Entweder scheitert das Punktesystem oder man verliert, ohne genau zu wissen wieso. Ich denke zwei Spieler müssen mit ihren Fähigkeiten schon sehr nah aneinander sein, damit ein spannendes Mehrspielerduell entstehen kann. Trotzdem ist Officers kein schlechtes Spiel, weil es alle oben genannten Stärken aufweisen kann. Es findet sich das typische 2. Weltkrieg-Arsenal in Schlachten epischen Ausmaßes. Den Anspruch eines 2. Weltkrieg-Strategiespiels erfüllt Officers auf jeden Fall.

Pro und Kontra
+ riesige Schlachtfelder
+ alle wichtigen 2. Weltkrieg-Einheiten
+ interessantes Strategiekonzept
+ lange und abwechselungsreiche Missionen

- schwacher Multiplayer
- kein Basisbau

Wertung
Einzelspielerspaß: 85 Prozent
Mehrspielerspaß: 61 Prozent
Grafik: 75 Prozent
Akustik: 62 Prozent
Bedienung: 85 Prozent

Gesamt: 76 Prozent.