gamescom: Erfolg mit vielen Makeln

Die erste gamescom ist vorüber – und geglückt. Trotz großer Euphorie in Köln, gibt es für die Veranstalter jedoch noch einiges zu tun. Ein Kommentar.

Ein wenig beleidigt schienen die Leipziger schon zu sein, als der Branchenverband BIU einer weiteren Zusammenarbeit eine Absage erteilte und nun die Koelnmesse unterstützen wollte. Forthin wurde BIU-Geschäftsführer Olaf Wolters liebevoll schon einmal als „Grinsebacke“ tituliert.

Ob der Branchenverband mit seiner Entscheidung, nach Köln zu gehen, richtig lag, ist auch eine Frage der Perspektive. Einerseits: 245.000 Zuschauer lockte die gamescom auf Anhieb nach Köln – ein neuer Rekord und für eine Messe, die sonst unter der 200.000-Marke liegt, ein voller Erfolg.

Andererseits: Selbst Leipzig konnte 2008 gut 203.000 Besucher zur (letzten) Games Convention locken. Und war das Argument des BIU nicht stets, in Köln sei es dank größerem Einzugsgebiet viel einfacher, mehr Gamer in die Hallen zu bekommen? Dann klingen 245.000 Besucher wieder mickrig. Zumal mancher Branchenvertreter anfangs noch von rund 600.000 Spielern in Köln träumte.

Für diese Fehleinschätzung gibt es mehrere Gründe. Einer: Die gamescom fand zu Zeiten statt, in denen in Nordrhein-Westfalen gerade die Schule wieder begonnen hat. Die Games Convention stattdessen erreichte hohe Besucherzahlen immer dann, wenn gleichzeitig Ferien waren. So zwenkten sich letzte Woche die meisten Gamer am Samstag in die Hallen. Immerhin in diesem Punkt scheint Köln gelernt zu haben: Zur gamescom 2010 sind noch Sommerferien.

Weiterer Grund: Effektiv wenige Aussteller. Zwar haben weit über 400 Unternehmen auf der gamescom ausgestellt, und darunter alle Branchengrößen. Die Hallen 1, 2 und 3 sowie 10 und 11 blieben jedoch leer, und spätestens nach zwei Messetagen konnte man eigentlich alles einmal gesehen haben. Vorausgesetzt, man stellte sich nicht stundenlang bei Blizzard für zwanzig Minuten Diablo 3 respektive StarCraft 2 an.

Enttäuschend auch das Freigelände. Der Strandplatz von „Big FM“ mit Volleyball-Feld wurde quasi nicht genutzt, und das führende deutsche Online-Spielemagazin Gameswelt erreichte ob lauter Musik fast kein Publikum. Begründung: Das Gelände hinter Halle 8 befand sich zwar an einem Haupteingang, ist aber unzureichend beworben worden.

Viele Medienvertreter bedauerten zudem das Ausbleiben des traditionellen „Gong-Runs“. Hier verschenkten die Veranstalter tolle Bilder, die an den Fernsehbildschirmen sicherlich den ein oder anderen Spieler mobilisiert hätten.

Und: Während in Leipzig die Messemitarbeiter selbstverständlich freundlich waren, herrschte in Köln nette Distanz. Ganz nach dem zum Ort passenden Motto: Wat kütt, dat kütt. Ergänzend: In Leipzig sprach man noch viele Kilometer von der Stadt entfernt über das „Event Games Convention“; in Köln hang zwar das ein oder andere Plakat, doch die Stadt schien sich lieber mit anderen Dingen beschäftigen zu wollen. Womöglich aber beides Gründe, die mit der Mentalität der Kölner zu tun haben.

Trotz der vielen, verbesserungswürdigen Details, bleibt von der gamescom 2009 aber auch Positives über:
Die Aussteller haben ein für alle Beteiligten schönes Programm auf die Beine gestellt. Besonders an Ständen wie bei Razer herrschte eine großartige Stimmung. Das Konzept des Business Centers in Köln wurde sehr gut umgesetzt: Die Fachbesucher und Medienvertreter konnten sich in aller Ruhe Neuheiten ansehen. Punkt Rahmenprogramm: René Meyer konnte wieder seine Spielesammlung vorstellen, und mancher Publisher lud Prominenz á la Ralf Möller, Queensberry oder Teilnehmerinnen von „Germanys Next Topmodel“ ein. Pluspunkte!

Am Ende mag das vom BIU für die gamescom beanspruchte Prädikat „Welt-Leitmesse“ zwar etwas vorschnell, aber sicher nicht unbegründet zu sein. Womöglich belassen wir es aber erst einmal bei „europäische Leitmesse“ und warten ab, was BIU und Koelnmesse zur gamescom 2010 an Weiterentwicklungen am Messekonzept präsentieren. Eines ist klar: Auf den Lorbeeren ausruhen ist nicht. 2010 wird neu abgerechnet.

Abgelegt unter Kommentare von am 24. August 2009