Aller Anfang ist schwer

Die Premiere der Games Convention Online zeigte: Von der einst so stolzen Publikumsmesse ist wenig geblieben. In Leipzig stehen nunmehr die Geschäfte im Vordergrund. Die Messeleitung möchte trotzdem an beidem festhalten.

Wer konnte ahnen, dass aus dem – zugegebenermaßen missglückten – Sparwitz mit der GC, auf die keiner geht, eines Tages Realität wird? Über den Daumen gepeilt sah es jedenfalls am Freitag, dem ersten offenen Tag, danach aus.

Begonnen hatte die neue GCO schleppend. Der erste Tag zeichnete sich mehr durch leere Hallen denn durch große Besucherströme aus. Enttäuschend auch der für die Games Convention typische „Gong-Run“, wenn die Besucher zur offiziellen Eröffnungszeit in die Hallen strömen. Statt begeisterte und rennende Spieler – ein zurückhaltendes Gehen.

Im offiziellen Weblog der Messe beklagten sich einige Besucher, es würden nur wenige Spiele vorgestellt, und die meisten seien bereits ein halbes Jahr alt. „Ziemlich lächerlich“, beschreibt ein Besucher diesen Zustand. In der Tat: Es stand in diesem Jahr lediglich eine Halle für Entwickler und Publisher zur Verfügung, um Neuheiten vorzustellen. Die von der Messeleitung hervorgehobenen 74 Aussteller verteilten sich vor allem auf Halle 2 und den Außenbereich, wo die Spiele jedoch eine nachrangige Rolle einnahmen.

Zur Halbzeit das Ziel verfehlt

Da mutete es schon fast verzweifelt an, dass sich der Chef der Leipziger Messe, Wolfgang Marzin, nach dem ersten Tag mit dem Satz zitieren ließ, der Tag sei „verheißungsvoll“ gewesen. Zur Halbzeit der ersten „Games Convention Online“ kamen lediglich 28.000 Besucher in die „heiligen Hallen“, der Großteil davon am Samstagmittag. Vom ursprünglichen Ziel, 70.000 Besucher her zu locken, schien die Messeleitung jedoch Meilen entfernt.

Stimmung kehrte bei den Spielern nur an den Ständen von „BigPoint“ und bei der „World Cyber Games“ ein, wo unter anderem Cheerleader dafür sorgten, dass sich die Besucher schnell die Namen der Hauptsponsoren einprägten – als Dank gab es Spiele, T-Shirts oder Schlüsselanhänger für das Publikum.

Ansonsten: Freundliche Zurückhaltung an anderen Ständen.

Zum Schluss knapp verfehlt

Nun da die endgültigen Zahlen vorliegen, 43.000 Besucher waren auf der Messe, kann man resümieren, dass selbst das bescheidenere Ziel von 50.000 Besuchern verfehlt wurde. Für die Messe war die Premiere dennoch ein Erfolg. Gute 90 Prozent der befragten Spieler sind tatsächlich Online-Spieler – die Zielgruppe wurde also angesprochen. Möge man den Branchenexperten Glauben schenken, eine in der Bedeutung wachsende Zielgruppe. Dass trotzdem nicht alles nach Plan lief, sei ein Problem, das bei Erstversuchen auftritt.

Silvana Kürschner (Strategic Director Games Convention Global) ließ GamePorts gegenüber verlautbaren, dass am Konzept noch gefeilt werde. So sei der Freitag der GCO 2010 ab morgens für Besucher geöffnet, statt wie in diesem Jahr nur ein halber Tag. Unbedingt muss auch der Ausstellerbereich ausgebaut werden – eine Kritik, die sowohl Kürschner im GamePorts-Gespräch als auch Messechef Marzin gegenüber der Presse annehmen wollen.

GCO, die neue Businessmesse

Zufrieden sind die meisten Unternehmen trotzdem. In den so genannten „Business“-Bereichen konnten sie in Ruhe Gespräche führen. Einige asiatischen Publisher nutzten die Messe, um ihre Produkte auch in Europa zu vermarkten – offensichtlich mit Erfolg. Dies hob der Chef der Leipziger Messe am zweiten Tag auch (zurecht) hervor. Verkannt wird dabei stets: Die Games Convention (Online) war und ist stets eine Publikumsmesse gewesen, wo das „Business Center“ zwar ein wichtiger Aspekt, aber nie der vordergründigste war.

Die Messeleitung plant deshalb, in beide Richtungen zu entwickeln: Der Business-Aspekt soll gleichermaßen wie die Präsentation für die Besucher wachsen. Dabei helfen überaus positive Gespräche mit Herstellern, die zur Premiere noch zurückhaltend waren, aber großes Interesse für die GCO 2010 bekunden. Ein Wachstum sei so gut wie sicher.

Diesen Ansatz verfolgt auch der Journalist und Spielesammler René Meyer im Interview mit GamePorts. Zwar sei das Angebot im Publikumsbereich in der Tat rar gewesen. Jedoch: „Die Besucher aus der Umgebung lieben ihre Messe – Leipzig hat einige der größten Publikumsmessen Deutschlands.“

Nicht alles richtig, jedoch auch nicht alles falsch gemacht

Letztendlich bleibt für Leipzig das Fazit, dass sicherlich nicht alles richtig, vieles jedoch auch nicht falsch gewesen war. Von Europas Leitmesse für Spiele ist zwar nicht mehr zu sprechen. Wenn die Messe ihre Ankündigungen vom Sonntag allerdings umsetzt und die Leipziger auch zukünftig an ihrem „Goldstück“ (Publikumsmesse) festhalten, könnte die Messe in einigen Jahren wieder zur „alten“ Blüte aus 2007 / 2008 anknüpfen – wenn auch in einem anderen Segment, der Online-Spieler.

Abgelegt unter Mal was anderes von und am 3. August 2009